Darum gehts
- 67 Schweizer Athletinnen und Athleten starten an EM 2026 in Birmingham
- Audrey Werro mit 1:53,80 Minuten schnellste 800-m-Läuferin seit 2000
- Swiss Athletics plant mindestens sieben Medaillen und 15 Top-8-Platzierungen
Rund 1645 Athletinnen und Athleten aus 49 Nationen werden im Alexander Stadium erwartet – so viele wie noch nie an einer Europameisterschaft. Birmingham ist erstmals Austragungsort einer Leichtathletik-EM und überhaupt die erste Freiluft-EM auf britischem Boden. Die Schweiz ist mit 67 Hoffnungen am Start. So vielen wie noch nie.
Die Rom-Helden greifen wieder an
Die Schweiz kommt als eine der erfolgreichsten Nationen der letzten Europameisterschaften nach Birmingham. Der Grund: Bei der EM 2024 in Rom gab es gleich neun Schweizer Medaillen. Rekord an einer Freiluft-EM.
Und alle Medaillengewinnerinnen und -gewinner von Rom sind auch in Birmingham wieder dabei. Für Gold sorgten in Rom Mujinga Kambundji (200 m), Timothé Mumenthaler (200 m), Angelica Moser (Stabhochsprung) und Dominic Lobalu (10'000 m). Ditaji Kambundji holte Silber über 100 Meter Hürden. Bronze gab es für William Reais (200 m), Jason Joseph (110 m Hürden), Simon Ehammer (Weitsprung) und Lobalu über 5000 Meter.
Die Frage ist deshalb: War Rom ein einmaliger Exploit – oder kann die Schweiz ihren Höhenflug bestätigen?
Wer sind die heissen Schweizer Eisen?
Allen voran Audrey Werro (22). Die Freiburgerin ist die Überfliegerin der Saison. Nach ihrer Hallen-WM-Silbermedaille in Torun lief sie über 800 Meter mit 1:53,80 Minuten eine Fabelzeit. Damit ist sie die schnellste Frau des laufenden Jahrtausends über diese Distanz und gehört in Birmingham zu den Top-Favoritinnen.
Auch Annik Kälin (25) reist mit riesigen Ambitionen an. Die Bündnerin stellte im Siebenkampf gleich zwei Mal Schweizer Rekord auf. Ihre 6819 Punkte aus Ratingen (De) waren in dieser Saison weltweit die beste Leistung.
Im Weitsprung greift Simon Ehammer (26) erneut nach einer Medaille. Der Appenzeller gewann in Torun Hallen-WM-Gold im Mehrkampf und holte in Rom Bronze im Weitsprung. Mit 8,51 Metern zeigte er bereits, dass er nach wie vor zur Weltspitze gehört.
Im Stabhochsprung zählt Titelverteidigerin Angelica Moser (28) wieder zu den heissesten Eisen. Die Zürcherin glänzte in diesem Sommer mit vier Diamond-League-Podestplätzen.
Auch die Kambundji-Schwestern sind dabei: Ditaji (24) startet als Weltmeisterin über 100 Meter Hürden, Mujinga (34) als Titelverteidigerin über 200 Meter. Allerdings dürfte bei ihr der Rückstand nach ihrer Babypause noch zu gross sein. Dazu kommen die Rom-Helden Mumenthaler, Reais, Joseph und Lobalu, die erneut um Spitzenplätze kämpfen. Gleiches gilt aber auch für 100-Meter-Rakete Géraldine Di Tizio-Frey (29).
Und international?
Auch die Konkurrenz ist hochkarätig. In Birmingham sind nicht weniger als zehn Weltmeister von Tokio 2025 und sieben Olympiasiegerinnen und Olympiasieger von Paris 2024 am Start.
Über 800 Meter wartet auf Werro ein grosses Duell mit der britischen Olympiasiegerin Keely Hodgkinson und Femke Bol. Die Niederländerin wechselte diese Saison von 400 Meter Hürden, wo sie zweifache Weltmeisterin ist, auf die flachen 800 Meter.
Auf Simon Ehammer wartet der griechische Olympiasieger, Weltmeister und amtierende Europameister Miltiadis Tentoglou. Er gewann die letzten drei Europameisterschaften und strebt seinen vierten EM-Titel an.
Ditaji Kambundji gehört nun zu den grossen Favoritinnen auf den Europameistertitel. Die Französin Cyréna Samba-Mayela, die bei der letzten EM Gold vor der Schweizerin gewann, fällt wegen körperlicher Beschwerden aus.
Was sagt die Bilanz der letzten Jahre?
Die Entwicklung der Schweizer Leichtathletik ist beeindruckend. Zwischen 1934 und 2014 gewann die Schweiz an 22 Europameisterschaften insgesamt 24 Medaillen. In den vergangenen vier EM-Ausgaben kamen nochmals 24 dazu: fünf 2016 in Amsterdam, vier 2018 in Berlin, sechs 2022 in München und neun 2024 in Rom.
Die Schweiz gehört inzwischen nicht mehr nur zum erweiterten Kreis, sondern zu den stärksten Leichtathletik-Nationen Europas.
Was ist das Schweizer Ziel?
Philipp Bandi, Chef Leistungssport von Swiss Athletics, setzt nicht nur auf Medaillen. Entscheidend sei, dass jede Athletin und jeder Athlet das persönliche Potenzial abrufe. Trotzdem sind die Erwartungen hoch: Mindestens 15 Top-8-Plätze und sieben Medaillen seien ein realistisches Ziel für Birmingham.
Wie kann man die EM verfolgen?
Das Schweizer Fernsehen (SRF, RTS und RSI) berichtet täglich umfassend über das Geschehen an der EM, überträgt sämtliche Wettkämpfe im Stadion sowie die beiden Marathons live. Als SRF-Experten analysieren der frühere Spitzen-Marathonläufer Viktor Röthlin und die ehemalige Siebenkämpferin Ellen Sprunger das Wettkampfgeschehen.