In Thailand ist er ein Superstar. Der Schweizer Muay-Thai-Kämpfer Dani Rodriguez (28) avancierte in Südostasien in den letzten Jahren zu einem der Gesichter des Nationalsports der Thais.
Am Wochenende steht für Rodriguez der nächste Titelkampf an. Gegen Star-Fighter Petchmorakot (32, 217 Kämpfe, 176 Siege) will der 1,85 Meter grosse Zürcher den WM-Titel in der Gewichtsklasse bis 72,5 Kilogramm erobern. Den Titel in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm sicherte er sich bereits.
Doch diesmal ist etwas anders als bei Rodriguez' bisherigen 51 Kämpfen, von denen er 50 gewinnen konnte. Denn jetzt kämpft er nicht in Thailand, sondern in der Heimat. Der Showdown findet am Samstag in der Wankdorfhalle in Bern statt. Das Event wurde gemeinsam von seinem Team und der Thai-Liga RWS auf die Beine gestellt.
«Ich freue mich sehr darauf, wieder in der Schweiz zu kämpfen», sagt Rodriguez, als Blick ihn kurz vor dem Fight in Zürich zum Interview trifft. «Vor allem freue ich mich auf das Publikum, mein Heimpublikum.» Neben Familie und Freunden sei er auch von Musikern und Fussballern für Tickets angefragt worden. «Es blieb aber im Rahmen», sagt er lachend.
«Ich werde ihn k.o. schlagen»
Die Vorbereitung auf sein Heimspiel lief nicht ganz reibungslos. Wenige Wochen vor dem Event verletzte sich Rodriguez am Fuss: «Bei einem Kick im Training blieb mein Zeh am Ellbogen des Gegners hängen. Dabei ist mein kleiner Zeh gebrochen, und es gab eine grosse Fleischwunde.» Darum hätten sie das Training in den letzten Wochen anpassen müssen, ergänzt sein Trainer Leonardo «Dado» Irmici.
Im Kampf soll die Verletzung dann aber kein Problem sein. Und Rodriguez verspricht für seine Heimkehr ein Spektakel: «Ich werde ihn k.o. schlagen.» Ein grosses Ziel. Denn Gegner Petchmorakot wurde seit 15 Jahren nicht mehr ausgeknockt.
Die Schweiz als Heimat
Dass die Schweiz Rodriguez viel bedeutet, merkt man nicht nur, als er die Schweizer Flagge für das Blick-Shooting in die Höhe hält. «Thailand ist mein aktuelles Zuhause. Doch die Schweiz bleibt mein richtiges Zuhause. Ich bin hier aufgewachsen und bin sehr froh darüber. Denn ich habe hier so viele Qualitäten und Werte gelernt, die mir auch in Thailand weiterhelfen.»
Der 28-Jährige führt aus: «Fleissig und zielorientiert zu sein, habe ich hier gelernt. Willst du es haben, musst du dafür arbeiten. Die Thais machen es, weil ihr Trainer es ihnen sagt. Ich mache es, weil ich es selbst will.»
Und was könnten die Schweizer noch von den Thais lernen? «Lockerer zu sein», so Rodriguez. Dann führt er lachend an: «Und die Preise!» Während der Kämpfer in Thailand nicht mehr unerkannt auf die Strasse gehen kann, ist dies in der Schweiz dafür deutlich entspannter. So kann er hier auch mal in den Ausgang gehen, auch wenn Partys nicht so sein Ding seien.
Bald auch Boxer?
Rodriguez, der im Thaiboxen so gut wie alles erreicht hat, ist auch anderen Kampfsportarten nicht abgeneigt. Im Gegenteil. «Ich würde nächstes Jahr gerne einen Kickbox-Kampf in Japan machen», sagt er. Im Gegensatz zum Thaiboxen sind beim Kickboxen Knie- und Ellbogenschläge nicht erlaubt. In Japan wurde die Schweizer Kickbox-Legende Andy Hug (†35) einst in der Sportart K1 zum Weltstar. Ist Rodriguez der nächste Eidgenosse, der ins Ausland geht, um dort zum Superstar zu werden?
Auch ein Wechsel zum Boxen ist für Rodriguez eines Tages eine Option. «Das ist schon ein Ziel von uns. Es ist realistisch», so Trainer Irmici. Boxen würde Rodriguez weltweit nochmals eine ganz andere Plattform geben.
Zuerst einmal sollen nun die Schweizer Fans ihren Superstar live zu Gesicht bekommen: «Der Sport ist hier schon etwas am Boomen. Wir haben das Glück, einen der aktuell besten Thaiboxer der Welt hier in der Schweiz zu haben. Das müssen wir vermarkten. Die Leute werden in Bern richtig authentisches Thaiboxen sehen.»