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Katar-Strophe zum WM-Auftakt
Doha lätz! Wüsten-Kicker schocken die Nati spät

Nur ein Remis zum WM-Auftakt. Die Nati spielt gegen Katar 1:1. Und muss über die Bücher.
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Unglaublich! Die Nati vergibt den Sieg gegen Katar in letzter Minute.
Foto: Toto Marti

Das Spiel

«Aufwachen!», forderte Nati-Leitwolf Granit Xhaka nach dem mühsamen 1:1 im Test gegen Australien. Zugehört scheinen seine Kollegen aber nicht zu haben. Nach 104 Sekunden brennts nach einem fürchterlichen Patzer von Manuel Akanji lichterloh. Nur weil Gregor Kobel seine Beine noch zusammenbringt, gehen die Wüsten-Kicker nicht in Führung.

«Aufwachen!», heissts auch nach den ersten 98 WM-Minuten. Weil Khoukhi in der Nachspielzeit per Kopf zum Ausgleich trifft. Doha lätz! Der Treffer gleicht einer Katar-Strophe! Weil eine Schweizer Nati in diesem Jahrtausend noch nie mehr Offensivaktionen hatte als in diesem Spiel. Am Ende aber bloss mit einem Punkt vom Rasen schleicht.

«Aufwachen!», heisst das Motto auch nach 14 Minuten, als Katar-Goalie Abunada mit dem Kopf voran in Remo Freuler prallt und regungslos liegen bleibt, ehe er nach ein paar Sekunden zu zucken beginnt. Bitter für den 26-Jährigen: Mit seiner Aktion verschuldet er einen Penalty und kriegt auch noch Gelb.

Immerhin kann Abunada weiterspielen und verhindert nur kurz darauf den zweiten Gegentreffer gegen Denis Zakaria. Der spielt überraschend als rechter Aussenverteidiger. Bis kurz vor Anpfiff glaubt die Fussball-Welt, dass die Schweiz in einem 3-4-3 agiert, weils auf dem Matchblatt so eingetragen wurde. Blick-Leser aber wissen schon drei Stunden vor dem Anpfiff, dass Yakin auf eine Viererabwehr setzt – und Yakin den gegnerischen Trainer verwirren will. «Das macht Muri noch gerne», sagt SRF-Experte Benjamin Huggel.

Noch lieber gewinnt der Nati-Coach WM-Spiele. Umso hässiger ist Yakin nach dem späten Ausgleich, als er mit voller Wucht eine Wasserflasche durch die Gegend schleudert.

Die Tore

17. Minute, Breel Embolo, 0:1. Flog mit Verspätung in die USA, checkt im ersten WM-Spiel aber als Erster ein. Nach einer Zakaria-Flanke legt Embolo per Kopf in den Fünfer, wo Freuler den Ball an Katar-Goalie Abunada vorbeilegt. Es kommt zum Zusammenprall. Der Schiri pfeift Penalty. Nur: Ist es Abseits? Auch die Wiederholungen liefern keine klare Antwort. Dreieinhalb Minuten nach dem Foul läuft Embolo zum Strafstoss an und versenkt ihn souverän links unten.

90. + 4 Minute, Boualem Khoukhi, 1:1. Die Schweizer gewähren Katar auf der rechten Abwehrseite zu viel Platz. Homam Ahmed kann unbedrängt flanken und findet im Zentrum den aus der Innenverteidigung aufgerückten Captain, der zum Ausgleich einköpfelt.

Die Stimmen

«Der Fussball hat schöne und weniger schöne Seiten, das wird sich nicht ändern. Wenn du sie vorne nicht machst, bekommst du sie hinten. Vielleicht haben wir ein wenig die Geduld verloren und dachten, wir müssen unbedingt das 2:0 schiessen. Wir müssen genug clever und erfahren sein und dieses Spiel einfach mit nach Hause nehmen», sagt Granit Xhaka gegenüber SRF.

«Wir wussten, sie warten auf den Moment. Der Rhythmus war etwas weg, wir haben nicht mehr auf den Positionen gespielt, sind alle irgendwo rumgelaufen. Am Ende müsstest du die Positionen mehr respektieren und das tun, was der Trainer verlangt. Man muss nicht den Showmaker spielen und alles alleine machen. Das hat mit Disziplin zu tun. Wenn der Trainer Spieler reinbringt und man hat auf gewissen Positionen die Disziplin nicht, dann wird es schwer», kritisiert der Captain sein Team.

«Das Argument, warum wir nicht gewonnen haben, ist die Effizienz. Wir haben so viele Chancen rausgespielt, bei denen wir einfach Tore machen müssen. Wir sind halt an einer WM. Wenn man dem Gegner in der 94. Minute die Chance gibt, ins Spiel zurückzukommen, dann passiert das. Wir sind selber schuld. Die Entschlossenheit vor dem Tor hat gefehlt, aber ich glaube, es lag nicht an der fehlenden Ernsthaftigkeit. Wir haben es verpasst, das Spiel frühzeitig zu entscheiden. In der zweiten Halbzeit ging am Ball alles ein wenig zu langsam», sagt Manuel Akanji bei SRF unmittelbar nach Abpfiff.

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Einschätzung nach WM-Auftakt:«Mittlere Katastrophe, wenn man das Resultat anschaut»

Der Beste

Nach den Testspielen gegen Jordanien und Australien war klar, dass sich Michel Aebischer in die Startelf gespielt hat. Eine Premiere an einer WM für den 29-Jährigen. «Ich bin wohl ein Turnierspieler», sagt Aebischer unter der Woche. Gegen Katar beweist er dies eindrücklich. Hat seine Füsse bei fast allen gefährlichen Situationen im Spiel oder macht die Räume mit seinen Läufen frei für die Mitspieler.

Der Schlechteste

Mit seinen Leistungen zuletzt hat Dan Ndoye die Latte selber ganz hoch gesetzt. Mit seinen Chancen könnte er das Spiel gegen Katar im Alleingang entscheiden, doch er macht sie nicht. In der zweiten Halbzeit bleibt der sonst torgefährlichste Spieler der Schweiz komplett blass. Da darf man mehr erwarten.

Das gab zu reden

Im Vorlauf der Partie wurde viel über die Temperaturen in Santa Clara diskutiert. Bis zu 35 Grad wurden angekündigt. Und in der Tat war es heiss unter der Mittagssonne Kaliforniens. Mühe bekundeten die Schweizer damit aber nicht. Im Gegenteil: Auf der Ersatzbank verzichtet man gar auf die installierte Klimaanlage, während diese auf der Bank der Kataris auf Hochtouren läuft.

Die Fans

71'000 Fans haben im San Francisco Bay Area Stadium (sonst auch Levi's Stadium) Platz. Gefüllt ist es zu rund drei Vierteln – auch wenn die Fifa die Partie mit 67'966 Fans als fast ausverkauft meldet. Die beiden Fan-Sektoren sorgen trotzdem für eine ordentliche Stimmung. Kurz vor der Pause trägt dann auch das neutrale US-Publikum mit einer La-Ola-Welle seinen Teil dazu bei.

Die Schiris

Vor dem Penalty riecht es nach Abseits. Nach dem Kopfball von Breel Embolo scheint Freuler zu weit vorne zu stehen. Zwar prüft der VAR die Situation, eine kalibrierte Linie wird im TV aber nicht gezeigt. Der Penaltypfiff selbst ist unstrittig.

So gehts weiter

Die erste Runde der Gruppe B ist gespielt. Die Schweiz geht mit einem Punkt ins zweite Spiel gegen die Bosnier, die zum Auftakt gegen Kanada ebenfalls einen Zähler geholt haben. Die Partie steigt am Donnerstag (21 Uhr Schweizer Zeit) in Los Angeles. Katar trifft drei Stunden später in Vancouver auf Co-Gastgeber Kanada.

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