Darum gehts
- Tausende Fans empfangen Nati in Zürich nach WM-Viertelfinal-Aus
- Breel Embolo trotz Kritik gefeiert, Manzambi gibt Knie-Entwarnung
- Nati-Coach Yakin: «Wir waren dem Weltmeister überlegen»
Die Nation ist stolz auf ihre Nati. Die vergangenen Wochen haben das eindrücklich bewiesen. Zwischen Genfersee und Bodensee, zwischen Chiasso und Schaffhausen wurde mitgefiebert, gehofft und gefeiert. Die Nächte wurden zum Tag, das ganze Land schien vom WM-Fieber erfasst. Dass diese Begeisterung auch nach dem bitteren Viertelfinal-Aus nicht verflogen ist, zeigt sich am Dienstagmittag in Zürich.
Tausende Fans sind auf den Turbinenplatz bei der Hardbrücke gekommen, um ihre WM-Helden zu empfangen. Darunter viele Kinder, aber auch ein besonders kreativer Nati-Anhänger, der mit seinem geschmückten Velo bis vor die Bühne fahren will, aber aus Sicherheitsgründen gestoppt wird. Sie sind aus allen Landesteilen angereist – aus Lugano, aus Lausanne, aus Solothurn – und wollen ihrer Mannschaft zeigen, dass der Stolz grösser ist als die Enttäuschung.
Euphorie pur in Zürich
Am Mittwochabend wird das Ausscheiden trotzdem noch einmal wehtun. Dann kämpft Argentinien im Halbfinal gegen England um den Finaleinzug. Eigentlich hätte auch die Schweiz dort stehen können – vielleicht sogar müssen. Stattdessen ist die Heimreise Realität.
Pünktlich um 10.14 Uhr setzt die Edelweiss-Maschine aus Kansas City in Zürich auf. Wenig später bringt der Car Spieler und Staff zur Hardbrücke. Dort warten die Fans bereits seit Stunden – unter brennender Sonne. Immer wieder verteilen Security-Mitarbeiter Wasserflaschen, weil die Hitze einigen zu schaffen macht.
«Die Nati hat ein überragendes Turnier gespielt. Deshalb mussten wir einfach hierherkommen», sagt eine Supporterin. Ein paar Meter weiter steht Rhytm. Der Modedesigner ist vor allem wegen Johan Manzambi (20) hier. «Ich bin total begeistert von ihm. Er ist so bodenständig», erzählt er. Für den Shootingstar hat er eigens eine Weste entworfen, die er ihm am liebsten persönlich schenken würde.
Embolo von der Masse gefeiert
Kurz nach zwölf Uhr ist es so weit. Trainer Murat Yakin, sein Staff und die 26 Spieler betreten die Bühne – und die Stimmung auf dem Turbinenplatz erreicht ihren Höhepunkt. Besonders laut wird es, als SRF-Moderatorin Annette Fetscherin die Namen von Johan Manzambi, Ruben Vargas und Breel Embolo aufruft.
Gerade Embolo dürfte diese Zuneigung guttun. Nach seinem Platzverweis im Viertelfinal wegen seiner Schwalbe stand der Stürmer besonders im Fokus. Als er am Flughafen aus dem Flugzeug steigt, versteckt er sich noch unter Mütze und Kapuze – fast so wie unmittelbar nach dem Abpfiff in Kansas City. Auf der Bühne wirkt er mit seiner Sonnenbrille wesentlich gelöster. Unzählige Transparente sind ihm gewidmet. «Mir stönd hinder dir. Nöd nume bi Sieg. Danke für din Isatz!», steht auf einem geschrieben.
Manzambi gibt Knie-Update
Selbst greift Embolo nicht zum Mikrofon. Das übernimmt unter anderem Murat Yakin. Der Nati-Coach, der längst auch international gefeiert wird, wird an diesem Mittag in Zürich wie ein Rockstar empfangen. «Wir wären gerne noch eine Woche länger geblieben. Es wäre mehr drin gewesen. Wir waren dem amtierenden Weltmeister nicht nur ebenbürtig, sondern über weite Strecken sogar überlegen», sagt er. Tosender Applaus ist die Antwort.
Auch Manzambi spricht noch zu den Fans. «Es ist sehr schön, so empfangen zu werden», sagt das Nati-Juwel. Und er kann gleich noch Entwarnung geben: «Dem Knie geht es zum Glück viel besser.» Die Verletzung hatte ihn sowohl im Achtel- als auch im Viertelfinal ausser Gefecht gesetzt.
Nun stehen Ferien an
Nun beginnt für die Nati-Stars die Ferienzeit. «Jetzt geniesse ich die Zeit mit meiner Familie», sagt Captain Granit Xhaka. Ob das WM-Aus noch lange nachwirkt? «Es braucht sicher etwas Zeit. Aber zu Hause wartet sowieso ein anderer Job auf mich. Mit den Kindern hat man ja nie Ruhe», sagt er und lacht.
Wohin es für Xhaka in die Ferien geht, verrät er nicht. Manzambi dagegen reist mit einem zusätzlichen Gepäckstück nach Hause und dann bald weiter nach Birmingham zu Aston Villa: Modedesigner Rhytm schafft es tatsächlich, dem Shootingstar seine eigens entworfene Weste persönlich zu überreichen. Ein kleines Geschenk als Erinnerung an einen grossen WM-Sommer, an den die ganze Nation noch lange zurückdenken wird.
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