Die Uefa legt sich mit dem von Gianni Infantino geführten Weltfussballverband, der Fifa, an. Es herrscht maximale Eskalationsstufe. Solange die Vorschläge im Raum stehen, Anteile an der WM an Private zu verkaufen, «werden keine Uefa-Nationalmannschaften an Fifa-Wettbewerben teilnehmen», kündigt die Union der europäischen Fussballverbände nach einem mit den Mitgliedsverbänden durchgeführten Videocall am Donnerstag einen Boykott an.
Brisant: Mit Spanien und Portugal kommen zwei der drei Hauptausrichter der kommenden Männer-WM, die 2030 ausgetragen wird, aus Europa. Noch brisanter: Für die im Sommer 2027 in Brasilien stattfindende Frauen-WM sind jetzt bereits mit Deutschland, Dänemark, Frankreich und Titelverteidiger Spanien vier europäische Nationen qualifiziert.
Alle 55 Mitgliedsverbände stehen geschlossen hinter dieser Uefa-Entscheidung – und somit auch der Schweizerische Fussballverband (SFV). «Wir lehnen den Vorschlag der Fifa, Eigentumsanteile an der Weltmeisterschaft und anderen Fifa-Wettbewerben an private Investoren zu übertragen, einstimmig und unmissverständlich ab», richtet die Uefa aus. Aus Schweizer Sicht war der SFV am Videocall durch Präsident Peter Knäbel und Generalsekretär Robert Breiter vertreten.
Das sagt SFV-Präsident Knäbel
«Es war eindrücklich zu sehen, wie geschlossen die europäischen Verbände die Pläne der Fifa zurückwiesen, nachdem alle Informationen über das Vorgehen und die Tragweite dieses Vorhabens bekannt geworden waren», lässt sich Knäbel zitieren. «Für uns ist klar, dass die Weltmeisterschaft nicht wie ein Anlageprodukt behandelt werden darf. Die Weiterentwicklung des Fussballs erfordert zweifelsohne finanzielle Mittel. Ebenso wichtig sind Verantwortung, Transparenz, demokratische Prozesse und Kontrolle.»
«Die WM gehört dem Fussball»
Manche Dinge seien einfach zu wichtig, um sie zu verkaufen, so die von Aleksander Ceferin präsidierte Uefa in ihrem Knallhart-Statement. «Die Fifa-Weltmeisterschaft gehört dem Fussball.» Das werde immer so bleiben. «Und solange Europa ein Mitspracherecht hat, wird sie niemals zum Verkauf stehen.»
Die Fifa überlegt sich, die kommerziellen Rechte an ihren wichtigsten Wettbewerben an eine Tochtergesellschaft namens «Fifa Forward Enterprise» (FFE) zu übertragen. An der FFE wiederum sollen Anteile von bis zu 20 Prozent in der Höhe von 3,4 Milliarden Franken an Private verkauft werden. Die FFE wäre eine vollständig der Fifa gehörende und von ihr kontrollierte Tochtergesellschaft mit einem eigenen Management und Team von Direktoren, erklärte Fifa-Boss Infantino am Mittwoch.