Darum gehts
- Mark Pieth kritisiert Gianni Infantinos WM-Rechte-Pläne und Privatisierungsbestrebungen der Fifa
- Europäer könnten dem Vorhaben mit eigenen Anlässen entgegenwirken
- Pieth poltert gegen Infantinos Nähe zu Trump und gegen die Saudi-WM
Der Antikorruptionsexperte Mark Pieth (73) weilt zwar in den Ferien, dennoch hat der Basler Jurist, der von 2011 bis 2013 Vorsitzender der unabhängigen Governance-Kommission der Fifa war, die Pläne einer Auslagerung der WM-Rechte des Weltverbands mit Interesse verfolgt. «Mein erster Gedanke war, dass Infantino sein Leben nach der Fifa plant.»
Im März 2027 steht die letzte mögliche Wiederwahl für den Fifa-Präsidenten an, laut Statuten müsste der Walliser 2031 aufgrund der Amtszeitbeschränkung abtreten. Geht es nach den am Dienstag öffentlich gewordenen Plänen, soll Infantino danach das neu gegründete Unternehmen leiten.
Die Machenschaften Infantinos erinnern Pieth an dessen Vorgänger. «Es sind die gleichen Muster wie bei João Havelange und Sepp Blatter, nur, dass jetzt noch mehr Geld fliesst.» So sichere sich Infantino seine Stimmen. «Das hat schon Blatter getan – es ist aber natürlich keine klassische Bestechung.»
Eine EM mit Gästen?
Zu Infantinos Idee, die Fifa teilweise zu privatisieren, sagt er leicht zynisch: «Als Verein nach Schweizer Recht kann sie das tun, sofern die Mehrheit der Vereinsmitglieder dem zustimmt.» Falls die Mehrheit der 211 Verbände Ja sagen würde, seien diese aber «selber schuld». Dass Infantino das Ganze ohne Zustimmung durchziehen würde, glaubt der Antikorruptionsexperte nicht. «Damit würde er sich angreifbar machen und könnte allenfalls vor einem Zivilgericht eingeklagt werden.»
Vor allem die Europäer drohen mit Widerstand. Aus Sicht Pieths gibt es mehrere Optionen, sich zu wehren. «Da die meisten Fussballer aus Afrika und Südamerika ihr Geld in Europa verdienen, könnte so Druck aufgesetzt werden. Oder die Uefa bietet ein attraktives Alternativformat an. Quasi eine EM mit Gästen.» Auch die Gründung eines eigenen Verbands steht im Raum. «Wie beim Boxen – doch das wäre höchst unglücklich», so Pieth. Entscheidend wird auch sein, wie Sponsoren auf solche Planspiele reagieren würden.
Sündenfall Saudi-Arabien
Die nächste WM, die 2030 in sechs Ländern und drei Kontinenten stattfinden wird, bezeichnet Pieth als «Krüppelveranstaltung». Sie sei ja nur gemacht worden, um für 2034 Saudi-Arabien den Teppich auszurollen. Für Pieth der Sündenfall in Infantinos Amtszeit. «Menschenrechtspolitisch dürften solche Staaten auf gar keinen Fall eine WM erhalten», so Pieth. «Aber was passiert? Es wird geklatscht und noch nicht einmal abgestimmt.»
Ähnlich enerviert sich der Jurist über den Fall Balogun. «Das Ganze ist ein No-Go.» Er habe sich gar nicht gross dazu geäussert, «weil das Ganze derart peinlich ist». Dass Infantino seit jeher die Nähe zu Trump gesucht hat, liegt für Pieth auf der Hand. «Die beiden sind aus demselben Holz geschnitzt.» Der Walliser habe ein Flair für Autokraten. Auch bei Putin habe Infantino genau hingeschaut, weswegen es ihn nicht überraschen würde, wenn dieser sich irgendwann für die Aufhebung der Amtszeitbeschränkung starkmachen würde. «Das hat er schon als Uefa-Chefjurist getan. Damals dachten wir, er mache das für Michel Platini.»
Dass Infantino trotz der Geschehnisse in den letzten Wochen frühzeitig abgewählt werden könnte, glaubt Pieth nicht, auch wenn er sich einige Feinde geschaffen habe. «Ich bin immer wieder erstaunt, was man ihm alles durchgelassen hat.»
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