Darum gehts
- England trifft am 15. Juli auf Argentinien im WM-Halbfinal
- Die Rivalität reicht von 1966 über den Falklandkrieg bis zu Maradonas «Hand Gottes»
- 649 argentinische Soldaten starben 1982 im Falklandkrieg gegen Grossbritannien
England gegen Argentinien. WM-Halbfinal. Mittwoch, 21 Uhr – stell das Popcorn bereit! Denn wenn diese beiden fussballverrückten Nationen aufeinandertreffen, ist es niemals nur ein Spiel. Es ist so viel mehr. Die britische Zeitung «The Sun» schreibt schon: «Dieses Spitzenspiel wird in der neusten Folge ihrer berühmt-berüchtigten Fussballrivalität bestimmt oscarreif sein.»
Das Wort «Rivalität» greift eigentlich zu kurz. Es ist pure Feindschaft. Doch woher kommt dieser tief verwurzelte Hass? Die Geschichte reicht weit zurück – von der Geburtsstunde Gelber und Roter Karten über den Falklandkrieg bis hin zur legendären «Hand Gottes».
Die Geburtsstunde
Die Fehde nahm bei der WM 1966 ihren Anfang, als sich England im Viertelfinal durch ein Tor von Geoff Hurst (84) durchsetzte, das die Argentinier bis heute als Abseits reklamieren.
Der wahre Eklat drehte sich jedoch um Argentiniens Antonio Rattin (†89): Weil er ununterbrochen mit dem Schiedsrichter diskutierte, flog er vom Platz. Rattin weigerte sich zu gehen, musste von Polizisten abgeführt werden. Zudem setzte er sich auf den Roten Teppich der Queen und zerknautschte eine britische Flagge. Als Konsequenz aus diesem Chaos führte die Fifa kurz darauf Gelbe und Rote Karten ein.
Nach dem Abpfiff goss Englands Coach Alf Ramsey (79) zusätzliches Öl ins Feuer: Er verbot den Trikottausch und beschimpfte die Argentinier als «Tiere».
Der Krieg
1982 folgte eine Zäsur, die der sportlichen Rivalität eine völlig neue Dimension verlieh: der Falklandkrieg. Beim militärischen Konflikt um die Inselgruppe im Südatlantik kapitulierte Argentinien nach zweieinhalb Monaten bedingungslos gegen die Briten, was bis heute eine tiefe Wunde im Land hinterlässt, so die «Bild». Der Anspruch auf die «Islas Malvinas» ist gar in der Verfassung verankert, Monumente in Buenos Aires erinnern an die gefallenen Soldaten und der Jahrestag der Besetzung ist ein gesetzlicher Feiertag.
Seither sind Sport und Politik bei dieser Affiche untrennbar miteinander verschmolzen. «Wir wollen gegen England um die Malvinas spielen», zitiert «The Times» die argentinischen Fans. Fangesänge drehen sich fast immer auch um die Inseln – und selbst die Spieler sangen nach dem Achtelfinal-Sieg gegen Ägypten Lieder mit Malvinas-Bezug. Für sie ist das Duell auf dem Rasen auch ein Stück weit späte Revanche.
Die «Hand Gottes»
Das zeigte sich besonders vier Jahre nach dem Krieg beim geschichtsträchtigen 2:1-Sieg Argentiniens im WM-Viertelfinal 1986. Ikone Diego Maradona (†60) gab zu: «Es war, als ob wir ein Land besiegen würden, nicht nur eine Fussballmannschaft. Irgendwie gaben wir den englischen Spielern die Schuld für das, was unser Volk erlitten hatte.»
Sportlich machten zwei gegensätzliche Geniestreiche Maradonas das Spiel unsterblich: Erst überlistete er England mit der berüchtigten «Hand Gottes», ehe er beim «Tor des Jahrhunderts» gefühlt die gesamte englische Hintermannschaft im Alleingang austanzte.
Das Glückstrikot
Bei diesem Triumph trug die Albiceleste dunkelblaue Auswärtstrikots – und genau hier schliesst sich der Kreis zum kommenden Halbfinal. Die Südamerikaner laufen am Mittwoch nämlich wieder in ihrer Glücksfarbe auf: Neben dem Coup um Maradonas «Hand Gottes» brachte die Farbe auch beim dramatischen WM-Achtelfinal 1998 den Erfolg über die Three Lions.
In den traditionell himmelblau-weissen Streifen hingegen zog man 1966 und 2002 den Kürzeren. In Argentinien ist der Aberglaube riesig; Medien berichten, dass der Verband die Fifa darum gebeten hat, in ihrem Glückstrikot auflaufen zu dürfen, so Eurosport.
Hass-Duell steigt am Mittwoch
Am Mittwoch steht uns also endlich wieder dieser Fussball-Leckerbissen bevor: Das letzte Pflichtspiel der beiden Erzrivalen liegt immerhin schon 24 Jahre zurück. Wenn in Atlanta der Anpfiff ertönt, läuft die gesamte, explosive Historie dieser beiden Nationen mit auf den Rasen. Die Bühne ist bereit für das nächste epische Kapitel dieser Feindschaft. Gut möglich, dass am Ende wieder Nuancen entscheiden – oder eben das richtige Trikot.
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