Und noch einmal sind sie gekommen: 85'000 argentinische Fans, fast alle mit einem himmelblau-weissen Trikot mit der Nummer 10 auf dem Rücken. Noch einmal Messi sehen, zum allerletzten Mal. Die Massen strömten ins Monumental-Stadion von River Plate, dorthin, wo vor fast 50 Jahren eine andere Nummer 10 zum Helden wurde, Mario Kempes, der langhaarige Stürmer, der Argentinien 1978 zum ersten WM-Titel schoss, den Menschen ein Lachen schenkte, mitten im Grauen einer schrecklichen Diktatur.
1986 war es Diego Maradona, auch er mit der Nummer 10, der Rekorde und Herzen der Argentinier brach und sich mit seinen Toren gegen England im Viertelfinal und dem Final-Sieg gegen Deutschland unsterblich machte. Es war Argentiniens zweiter WM-Titel.
«Ich liebe euch»
Damals war es schwierig, sich einen Spieler vorzustellen, der Maradona ebenbürtig sein könnte; eigentlich war das unmöglich. Doch dann kam der kleine Messi und wurde ganz gross. Als er am Dienstag vom Platz ging, den Tränen nahe, standen diese Zahlen auf seiner Visitenkarte als Nationalspieler: 208 Spiele, 126 Tore, 69 Assists. Zweimal Südamerikameister, Weltmeister 2022, zweimal Vizeweltmeister, Olympiasieger. 21 Tore bei sechs WM-Endrunden.
Eigentlich wollte er gar nicht vom Platz gehen und fand schliesslich nach dem Abschied diese Worte für seine Fans: «Ich möchte euch sagen, dass ich euch liebe. Ich bin dankbar, Argentinier zu sein und mit euch allen diesen Traum verwirklicht zu haben.»
Viele Tränen sind an diesem denkwürdigen Abend geflossen. Die Mitspieler schüttelten sich vor Emotionen, die Fans, die Familie, der Trainer – alle weinten. Niemand kann sich in diesem Moment vorstellen, dass es jemals wieder so einen gibt wie den achtfachen Ballon-d’Or-Gewinner, diesen begnadeten Linksfuss, der lieber mit dem Ball spricht als mit den Menschen.
Ist er der GOAT?
Und wie geht es für ihn nun weiter? Bei Beckham-Klub Miami hat er noch einen Vertrag bis 2028. Er wird weiterspielen, solange ihn die Füsse tragen. Und vielleicht wird er danach irgendwann Nationaltrainer der Argentinier – wie es Maradona einst wurde. Oder er wird Klubsammler. Der 39-Jährige ist bereits Besitzer von zwei Fussballteams: einem in der fünften und einem in der zweiten spanischen Liga. Aber eigentlich ist es egal, in welcher Rolle; Hauptsache, Messi bleibt dem Fussball treu.
Bleibt die Frage nach dem GOAT, dem Grössten aller Zeiten. Pep Guardiola, einst bei Barcelona Messis Trainer, hat darauf eine Antwort: «Das Spiel hat bis heute kein vergleichbares Talent hervorgebracht. Für mich ist er der grösste Fussballer aller Zeiten. Sein Rücktritt aus der Nationalmannschaft ist herzzerreissend.»
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