Klar. Gerardo Seoane (48) will nicht gleich seine ganze Mannschaft in Bausch und Bogen verdammen. Also sagt der Trainer der Young Boys nach dem 3:5 gegen den FC Zürich bloss: «Das war auf jeden Fall in gewissen Bereichen ein Rückschritt.»
In gewissen Bereichen? Die Liste, die Seoane danach herunterrattert, ist so lang, dass klar wird: Bei YB hat nach der Pause eigentlich gar nichts mehr gestimmt. Er nennt in dieser Reihenfolge: Spielkontrolle, Kontersicherung, Gegenpressing, Aufmerksamkeit – gerade bei Standards des Gegners.
Dabei ist YB doch zweimal ohne Gegentor geblieben
Viel bleibt da nicht mehr übrig. Was die Berner am Sonntagnachmittag erleben, ist ein Rückfall in dunkelste Zeiten. Dabei hatte YB doch nach zwei Spielen ohne Gegentor geglaubt, die Abwehrprobleme endlich im Griff zu haben.
Das Spiel gegen den FCZ beweist das Gegenteil. Die Berner streuen am Tag nach Halloween alles ein, was es für ein Horrorkabinett des Abwehrgrauens braucht.
Da sind zentrale Mittelfeldspieler (Gigovic, Pech, später Lauper), die keinen Druck auf die Gegner aufsetzen. Da sind zwei Innenverteidiger mit der Erfahrung von zusammengerechnet 146 Bundesligaspielen (Zesiger, Jenz), die zwar keine Absicherung hinbekommen, dafür aber auch nicht konsequent aggressiv verteidigen.
Tiefpunkt: Wie Zesiger vor dem 3:5 einfach so von einem Selmin Hodza (23) weggedrückt wird, der rund 20 Zentimeter kleiner und mindestens 20 Kilogramm leichter ist als der Berner Abwehrchef.
Schräg: YB beginnt Halbzeit zwei mit nur zehn Spielern
Es ist vor allem die Viertelstunde nach der Pause, die den Bernern zu denken geben muss. Die zweite Halbzeit beginnt schon schräg, als Bahereba Guirassy (20) wegen Problemen mit seiner Ausrüstung den Anpfiff neben dem Feld erlebt.
YB startet deswegen kurzzeitig in Unterzahl. Und sieht danach für den Rest des Spiels aus, als seien praktisch alle Berner zumindest mental in der Garderobe geblieben. Die Folge: Der FCZ, der mit einer Rumpftruppe angereist ist, wirkt wie eine Übermannschaft, die Bern im eigenen Strafraum erdrückt.
Besonders bitter aus Sicht des Heimteams: Alle im Team spüren, was falsch läuft. Aber keiner kann etwas daran ändern. «Wir sind nicht mehr in die Zweikämpfe gekommen», stellt Lewin Blum (25) fest. «Wenn wir die Wahl hatten, draufzugehen oder abzuwarten, haben wir uns immer fürs Abwarten entschieden», schimpft Cédric Zesiger (28).
Knapp zwei Stunden später dürfte der Berner Ärger noch etwas grösser geworden sein. Nach dem Sieg des FC Lugano über den FC Basel liegt YB bereits neun Punkte hinter den Tessinern. Wollen die Berner ihren Chef Christoph Spycher (48) im Sommer mit einem Meistertitel verabschieden, müssen sie Seoanes lange Fehler-Liste möglichst schnell angehen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 12 | 26 | 34 | |
2 | BSC Young Boys | 12 | 15 | 25 | |
3 | FC Sion | 12 | 7 | 23 | |
4 | FC Zürich | 12 | -1 | 20 | |
5 | FC St. Gallen | 12 | -3 | 19 | |
6 | Servette FC | 12 | 1 | 16 | |
7 | FC Basel | 12 | -4 | 14 | |
8 | FC Luzern | 12 | -6 | 13 | |
9 | FC Thun | 12 | -10 | 13 | |
10 | FC Vaduz | 12 | -1 | 10 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 12 | -13 | 10 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 12 | -11 | 6 |