Verrücktes Tor-Spektakel
Ungenügende YB-Abwehr – FCZ feiert Party in Bern

Der Bann ist gebrochen: YB verliert erstmals in dieser Super-League-Saison. Zwar schiessen die Berner zum fünften Mal in Folge mindestens drei Tore gegen den FCZ, kassieren aber auch fünf.
Kommentieren
1/13
Der FC Zürich gewinnt in Bern ein vogelwildes Spiel mit 5:3.
Foto: keystone-sda.ch

Die Schlüsselszene

Die Viertelstunde nach der Pause, in der der FC Zürich die Young Boys praktisch frisst. Das ist die Phase, in der YB das Spiel komplett aus den Füssen gibt – und nie mehr zurückfindet.

Das Spiel

Was für eine erste Halbzeit! Fünf Tore fallen in den ersten 45 Minuten – wer aufs WC muss, sollte es sich bis zur Pause verkneifen. Denn die Chance, etwas zu verpassen, ist gross. Zweimal führt der FCZ, ein drittes Tor verhindert Marvin Keller kurz vor dem ersten Führungstreffer der Berner. Zum fünften Mal in Serie fangen sich die Zürcher gegen YB mindestens drei Tore.

Hoffen wir, dass in der Pause alle Pipi gemacht haben. Denn schon in den ersten vier Minuten des zweiten Durchgangs hat der FCZ durch Miguel Reichmuth eine Doppelchance, die Keller zunichte macht (47./49.). Gut zehn Minuten später ist der YB-Keeper dann aber auch zum dritten Mal geschlagen. YB-Coach Gerardo Seoane, der wieder mit von der Partie ist, ist überhaupt nicht zufrieden.

Und dann steht Keller wieder im Mittelpunkt, weil er beim 3:4 nicht gut aussieht. Dass dann in der Nachspielzeit noch ein fünfter Gegentreffer folgt, ist zwar nicht Kellers Schuld, passt aber zu der völlig verpatzten zweiten Halbzeit. Somit ist am 12. Spieltag der Bann gebrochen: YB verliert zum ersten Mal in dieser Saison.

Die Tore

12. Minute, Philippe Kény, 0:1. YB-Spieler Dominik Pech macht seinem Nachnamen alle Ehre: Eine Flanke von Doron Lichtenstein klatscht dem Tschechen an den Arm. Schiri Urs Schnyder wird vom VAR an den Bildschirm gebeten und entscheidet auf Penalty. Diesen verwandelt Kény souverän – dieses Mal mit ein paar Schritten Anlauf.

22. Minute, Samuel Essende, 1:1. Levin Blum will Kaly Sène lancieren. Dieser verspielt den Ball, wodurch aber Blum wieder rankommt. Er flankt in die Mitte und findet dort Essende, der ziemlich blank steht und zum Ausgleich einnickt.

25. Minute, Umeh Emmanuel, 2:1. Alexander Hack schickt den Ball hoch und weit nach vorne. YB-Keeper Marvin Keller zögert, wodurch Emmanuel, der der Berner Abwehr enteilt ist, an die Kugel kommt und Keller überlupft.

29. Minute, Samuel Essende, 2:2. Grossen Anteil am Tor hat Bahereba Guirassy. Der Mittelfeldspieler lässt auf der linken Seite Lichtenstein stehen, läuft bis in den Fünfmeterraum und legt dort mit einem scharfen Pass quer auf Essende. Der stiehlt sich vor Walker, der schläft, und muss nur noch den Fuss hinhalten – 14. Saisontor für den Kongolesen.

40. Minute, Alvyn Sanches, 3:2. Nach einer FCZ-Ecke schalten die Berner schnell um. Sène spielt den Ball zu Sanches, der mit seinem Tempo den Konter vorantreibt. Guirassy rennt in der Mitte auch noch mit, Sanches machts aber alleine und bezwingt Silas Huber in der rechten unteren Ecke.

60. Minute, Livano Comenencia, 3:3. Der FCZ tritt abermals einen Freistoss. Sandro Lauper klärt den Ball nur bis an die Strafraumgrenze, wo Comenencia steht und nicht lange fackelt. Sein Abschluss landet in der oberen rechten Ecke.

82. Minute, Selmin Hodza, 3:4. Unmittelbar vor dem YB-Strafraum kommt der FCZ zu einem Freistoss. Captain Lindrit Kamberi haut drauf, Keller wehrt den Ball nach vorne ab. Dort schlägt Stefan Bukinac ein Luftloch, wodurch der eingewechselte Hodza seine Chance wittert und den Ball in den Netzhimmel pfeffert. Es ist sein erstes Profi-Tor.

90.+2 Minute, Umeh Emmanuel, 3:5. Cédric Zesiger verschätzt sich nach einem langen Einwurf, sodass Hodza von rechts flanken kann. Emmanuel verwertet die flache Hereingabe locker.

Der Beste

Kann es bei drei Gegentoren ein Verteidiger sein? Wir finden: ja. Wenn er so viele Duelle gewinnt wie Alexander Hack – und dann auch noch einen wunderbaren Assist gibt.

Die Schlechtesten

Heute gibt es eine Doppelnomination: Was Cédric Zesiger und Moritz Jenz in der Berner Innenverteidigung zeigen, ist schlicht ungenügend.

Die Stimme

FCZ-Joker Selmin Hodza (gegenüber Blue): «Wir haben uns von Anfang an vorgenommen, so zu spielen. Dass es so aufgeht, macht uns umso glücklicher. Ich hatte eine schwierige Zeit, ich war zwei Monate weg. Ich bin sehr glücklich, dass ich mit dem Tor der Mannschaft helfen konnte. Es ist mein erstes Tor für den FCZ, das sind Emotionen pur. Dass ich gegen YB reinkomme und zwei Torbeteiligungen machen kann, macht mich glücklich.»

Das gab zu reden I

Der FCZ schiesst fünf Tore in Bern. Ein Umstand, den es seit fast 50 Jahren nicht mehr gab. Am 18. Juni 1977 gewannen die Zürcher auswärts mit 5:1. Seither gab es nur noch einmal einen Sieg mit fünf Treffern: Am 25. August 2007 siegte der FCZ im Letzigrund ebenfalls mit 5:1. Mindestens acht Tore in einem Duell der beiden Teams gab es am 14. Mai 1977, als YB 6:3 siegte.

Das gab zu reden II

Einen Tag nach dem 1:0-Sieg mit Brighton gegen Manchester City in der Premier League ist Jaouen Hadjam zu Besuch im Wankdorf. Der Linksverteidiger hat eine Botschaft an die YB-Fans dabei – und einen kleinen, netten Seitenhieb an die FCZ-Kurve. «Ich danke euch für zweieinhalb Jahre, in denen ich so viel Liebe von euch erhalten habe», sagt Hadjam in Richtung der Berner Anhängerschaft. Während er redet, kommen von der Südkurve «Scheiss YB»-Rufe. Also wendet sich Hadjam am Ende seiner Dankesrede rasch in Richtung der Südkurve: «Merci auch den FCZ-Fans!» Die Lacher hat der Algerier auf seiner Seite.

Die Fans

29’746 sind im Wankdorf. Sie werden für ihren Ausflug in den bitterkalten Berner Wind mit einem Spektakel belohnt.

Die Schiris

Urs Schnyder hat genau einen etwas strengen Pfiff in seinem Spiel. Es ist der Freistoss, der zum 4:3 für den FCZ führt. Ansonsten lässt der Schiedsrichter genauso robust spielen, wie er selber in der 35. Minute Cédric Zesiger wegcheckt, als der sich ein Techtelmechtel mit Philippe Kény leistet. Ein Auftritt, der diesem attraktiven Spiel gut tut.

So gehts weiter

YB muss bereits am nächsten Samstag beim Auswärtsspiel in Luzern wieder ran (18 Uhr), der FCZ gastiert am Sonntag in Genf bei Servette (16.30 Uhr).

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
2:1
12
26
34
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
12
15
25
3
FC Sion
FC Sion
12
7
23
4
FC Zürich
FC Zürich
12
-1
20
5
FC St. Gallen
FC St. Gallen
12
-3
19
6
Servette FC
Servette FC
12
1
16
7
FC Basel
FC Basel
1:2
12
-4
14
8
FC Luzern
FC Luzern
12
-6
13
9
FC Thun
FC Thun
1:1
12
-11
11
10
FC Vaduz
FC Vaduz
12
-1
10
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
12
-13
10
12
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
1:1
12
-10
7
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen