Das Spiel
Zweite Saisonniederlage für Leader St. Gallen. 1:3 im Letzigrund gegen einen immer stärker werdenden FC Zürich. Trainer Mitchell van der Gaag dreht an immer richtigeren, nutzbringenderen Hebeln. Und so ist der Stadtklub trotz Fehlstarts mit nur einem Punkt aus zwei Spielen nur noch zwei Zähler hinter dem Noch-Leader aus der Ostschweiz. Und man merke: Das blamabel Cup-Out in Nyon hat keinen nachhaltigen psychischen Schaden hinterlassen, sondern die Spieler eher noch angestachelt.
Es geht los, wie das Ambiente im Stadion ist: elektrisierend! Die proppenvolle Südkurve macht Dampf, der mit rund 1700 Espenfans ebenfalls volle Gästesektor auch! Und schon in der dritten Minute wirds erstmals heikel. Vogt entwischt. Segura stoppt ihn regelwidrig. Und wird nur deshalb nicht vom Platz gestellt, weil die Position von Rodic eine klare Torchance verunmöglicht.
Wenig später ist Riesentalent Vogt wieder nicht zu halten. Schon gar nicht vom unbeholfenen Segura. Und das im Strafraum. Er reisst den Wohlener oben und unten um. Alle sehen das. Nur Ref Wolfensberger winkt ab: kein Penalty! Zum Glück ist VAR Fähndrich hellwach und interveniert. Der Penaltyentscheid ist logisch. Weniger derjenige, Segura nicht zu verwarnen, denn im Kampf um den Ball geschah das Foul nicht wirklich. Vogt und Ball waren längst vorbei an Segura, als das Foul passiert. So darf Segura auf dem Feld bleiben. Aber nur für sieben Minuten. Dann bewahrt ihn Trainer van der Gaag vor weiteren Peinlichkeiten und einer anderen Kartenfarbe – mit der frühen Herausnahme.
Und, ja: Den Penalty verwertet Boukhalfa souverän. Der Tabellenführer führt
Durchatmen. Pause. Pyro-Orgie. Nach nicht ganz einer Stunde passiert es dann: Corner Phaëton, via Gomez landet der Ball zufällig bei Zuber. Zigi ist an dessen Schuss dran. Doch die Kugel landet in den Maschen. 1:1. Mehr als verdient. Und in diesem hohen Zürcher Rhythmus geht es weiter. Und der FCZ geht in Führung. Kény scheitert mutterseelenallein an Zigi. Doch die nächste bombastische Parade wird nicht wegverteidigt. Wieder ist der Assist (von Phaëton) zufällig. Kény hat leichtes Spiel, sein erstes Super-League-Tor zu erzielen.
Den Bus nun parkieren? Nicht beim FCZ unter van der Gaag. Die machen weiter. Und St. Gallen läuft in einen Konter. Phaëton auf Markelo. Der Holländer macht das federleicht. Und setzt damit dem Ganzen den Deckel auf.
Die Tore
22. Minute, Carlo Boukhalfa, 0:1. Vogt lässt Segura im Dribbling alt aussehen. Der Kolumbianer kommt zu spät und holt den FCSG-Youngster von den Beinen. Wolfensbergers Pfeife bleibt zunächst stumm. Nach VAR-Intervention entscheidet der Schiri aber auf Penalty. Boukhalfa verwandelt souverän.
58. Minute, Steven Zuber, 1:1. Eine Phaëton-Ecke landet via Kamberis Kopf und Gomez’ Fuss vor den Füssen von Zuber. Der Routinier schiebt den Ball im Getümmel über die Linie.
64. Minute, Philippe Kény, 2:1. Tsawa bedient Kény, der frei vor Zigi zum Abschluss kommt. Dieser pariert mirakulös, jedoch direkt vor die Füsse von Phaëton, der zurück zu Kény passen kann. Der zweite Versuch per Kopf sitzt dann.
73. Minute, Janoah Markelo, 3:1. Der FCZ kontert. Kény bedient Markelo, der mit einem Lupfer vollendet.
Die Stimmen
Philippe Kény (gegenüber SRF): «Wir können erleichtert sein. Und wir können stolz sein auf dieses Spiel, weil es drei wichtige Punkte sind. Wir haben sie gebraucht. Wir wollten nach dem Cup eine Reaktion zeigen – und ich denke, das haben wir heute gemacht. Wir haben nach dem Rückstand Charakter gezeigt.»
«Das ganze Team verdient den Man-of-the-Match-Award, weil wir als Team gekämpft haben. Es war ein hartes Spiel, ein Auf und Ab. Ich weiss nicht, ob ich der Mann des Spiels bin. Klar mussten wir nach dem Cup-Spiel reagieren. Wir wollten unbedingt gewinnen», sagt Jahnoah Markelo gegenüber Blue auf die Frage, ob er der Mann des Spiels sei.
«Die Statistik (12:1 Schüsse aufs Tor, d. Red.) sagt sicher etwas aus. Ich möchte aber vor allem die Leistung der Mannschaft und des ganzen Staffs hervorheben – wie wir diese Woche gearbeitet haben. Wir haben unter der Woche sehr hart gekämpft, und heute ebenso. Gegen einen so starken Gegner musst du auch über den Kampf kommen – das haben wir wirklich sehr, sehr gut gemacht», sagt Steven Zuber gegenüber Blue. «Wir sind alle sehr emotional. Wir sind laut – auf dem Platz, neben dem Platz und in der Kabine. Wir haben gewisse Dinge angesprochen, die aus unserer Sicht nicht in Ordnung waren, und wir haben sie dann gut umgesetzt», erklärt er auf die Frage, was in der Pause in der Kabine passiert ist, als die Zürcher noch 0:1 zurücklagen.
Der Beste
Philippe Kény. War zuletzt zwei Spiele rotgesperrt, meldet sich mit einem Tor und einem Assist zurück. Starker Auftritt des Senegalesen.
Der Schlechteste
FCZ-Verteidiger Jorge Segura. Zweimal zieht er im Duell mit Vogt den Kürzeren. Verschuldet den Penalty. Hat Schwein, dass er nicht vom Platz fliegt. Wird akut rotgefährdet ausgewechselt.
Das gab zu reden
Die Pfiffe gegen Milos Malenovic. Der wird gegen Ende der ersten Halbzeit auf dem Stadionbildschirm eingeblendet und von der Südkurve mit Pfiffen eingedeckt. Als der Zürcher Sportchef vor dem Spiel eingeblendet wird, weil er Goalie Yanick Brecher zum 350. Pflichtspiel gratuliert, verzichten die Anhänger auf ein Pfeifkonzert.
Die Schiris
Schiri Wolfensberger erwischt keinen guten Abend. Erst sieht er das klare Foul von Segura an Vogt nicht und wird vom VAR an den Bildschirm gerufen. Dann verzichtet er drauf, den FCZ-Verteidiger mit Gelb-Rot vom Platz zu schicken. Dies übernimmt FCZ-Coach van der Gaag. Kurz nach der Aktion wechselt er Segura aus.
Die Fans
13’949 Fans werden im Letzi Zeuge, wie sich der FCZ für die Cup-Schmach gegen Nyon rehabilitiert. Die Espen-Fans kommen erst um 20.18 Uhr in der Kurve an. Pünktlich zum Anpfiff hüllen die Anhänger das Stadion in Pyrorauch.
So gehts weiter
Der FCZ spielt am nächsten Samstag «auswärts» im Derby gegen GC (20.30 Uhr). Der FCSG spielt zuvor zu Hause gegen Thun (18 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 32 | 36 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 31 | 23 | 56 | |
3 | FC Lugano | 32 | 11 | 54 | |
4 | FC Basel | 32 | 8 | 53 | |
5 | BSC Young Boys | 32 | 5 | 47 | |
6 | FC Sion | 31 | 9 | 46 | |
7 | FC Luzern | 31 | 6 | 39 | |
8 | FC Lausanne-Sport | 32 | -7 | 39 | |
9 | Servette FC | 31 | -3 | 36 | |
10 | FC Zürich | 31 | -16 | 34 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 31 | -23 | 24 | |
12 | FC Winterthur | 32 | -49 | 19 |






