Darum gehts
- Fedayi San und Sandro Schärer vertreten Schweiz bei der WM 2026
- San: VAR-Befugnisse für Gelb-Rot-Entscheide und Corner ausgeweitet
- Schärer: VAR bleibt, aber Diskussionen wegen 60:40-Entscheiden weiter möglich
Fedayi San (43) als VAR und Sandro Schärer (37) als Schiedsrichter werden die Schweiz im Sommer an der WM in Nordamerika vertreten. San gilt als einer der besten VARs weltweit, Schärer ist der erste Schweizer Schiedsrichter seit Massimo Busacca 2010, der für eine WM nominiert wurde. Die beiden besten Schiedsrichter des Landes nehmen Stellung zu fünf Thesen zur Entwicklung des 2018 eingeführten Video Assistant Referee (VAR):
Die Diskussionen haben durch den VAR nicht abgenommen
«Der Fussball ist ein Unterhaltungsbusiness, Fussball ist Hollywood, jeder hat seine Meinung, jeder ist Experte», sagt Schärer. Ein Grossteil der Polemik sei der Tatsache geschuldet, dass die Menschen Perfektion erwarten: schwarz oder weiss, richtig oder falsch. «Viele Entscheide sind aber in der Grauzone, 60:40 oder 70:30.» Damit umzugehen, sei für viele in einer «Vollkaskogesellschaft, in der wir leben» schwierig. «Die Menschen brauchen Halt und jemanden, der die Verantwortung oder auch die Schuld trägt.» Für San ist klar, dass es «immer kontroverse Entscheide geben wird, die diskutiert werden und die für uns im Worst Case der Albtraum sind». Oder Fehlentscheide, bei denen der VAR nicht eingreifen darf, auch wenn die Befugnisse von diesem nun im Hinblick auf die WM auch auf Corner-Entscheide und Gelbe Karten, die zu Gelb-Rot führen, ausgeweitet werden.
Die Eingriffsschwelle «bei einem klaren Fehlentscheid» ist zu schwammig definiert
Die Schwierigkeit, eine einheitliche Linie zu finden, ist nicht von der Hand zu weisen. San: «Am Anfang hielten wir uns zurück, dann hiess es vonseiten der Klubs, wir sollten mehr korrekte Entscheide treffen. Als wir dann mehr interveniert haben, hiess es in den Medien, wir seien zu detektivisch unterwegs.» Wichtig sei, dass man vor der Saison eine Linie setze und diese dann auch durchziehe. «Aber klar, bei technischen Entscheiden müssen wir noch einheitlicher werden.» Um für die WM eine klare Linie zu finden, halten die Schiedsrichter vor der Endrunde in den USA ein Trainingscamp ab, in dem die Abläufe in Spielen getestet werden. «Der europäische Fussball unterscheidet sich zum Beispiel vom südamerikanischen. Und es gibt Länder wie Schweden, in denen der VAR noch nicht eingesetzt wird», so San.
Der VAR nimmt dem Schiedsrichter Autorität
Für Schärer ist klar: «Als Schiedsrichter musst du klar entscheiden, damit machst du den Job des VARs einfacher. Auch den jungen Schiedsrichtern sage ich: Mach dein Ding! Wenn du einen Fehler machst, ist das kein Problem, denn dann macht der VAR seinen Job schon.» Die Probleme würden dann beginnen, wenn der Schiedsrichter die Verantwortung an den VAR abschiebe und dieser den Job des Schiris in der Grauzone machen müsse. «Wenn du als Schiedsrichter nach draussen gerufen wirst, dann musst du das dankend annehmen», sagt San. «Früher hiess es in gewissen Zeitungen, wir hätten Tomaten auf den Augen, wenn wir einen Fehler gemacht haben.» Heute wisse er, dass er einen Airbag habe, der ihn vor einem Fehler bewahre. «Der korrekte Entscheid hat Priorität, nicht das Ego.»
Es fehlt an Transparenz und besserer Kommunikation
Die Schiedsrichter haben ein offenes Ohr für mehr Kommunikation und Transparenz bei VAR-Entscheiden. «Letztlich führen wir aber nur aus, was die Fifa, die Uefa und das Regelboard IFAB entscheidet», sagt San. Er selbst begrüsst zwar, dass die Schiedsrichter in den Stadien per Mikrofon ihre Entscheide kommunizieren. «Oft wird aber bereits gejubelt, so dass man es nicht hört. Aber auch wenn die Erklärung zuerst kommt, hören viele gar nicht zu.» Schärer sieht es ähnlich: «In gewissen Stadien ertönt bereits ein Pfeifkonzert, wenn schon nur das VAR-Zeichen auf dem Screen erscheint.» Die beste Lösung aus seiner Sicht wäre, dass nach dem Entscheid eine kurze schriftliche Erklärung auf dem Videoscreen im Stadion und im TV eingeblendet wird. Er selbst sieht sich als Dienstleister des Fussballs und ist auch gegenüber Themen wie Body-Cams offen. Für San ist es auch kein Problem, dass sich die Schiedsrichter punktuell nach den Spielen wie Trainer und Spieler gegenüber den Medien äussern. Für ihn ist aber auch klar: «Mehr Transparenz und Kommunikation wird nicht alle Probleme lösen.»
Der VAR hat den Fussball gerechter gemacht – aber nicht fairer
«Der Fussball ist dank dem VAR gerechter und auch fairer geworden», widerspricht San der These. Offensichtlich werde das in jenen Spielen, in denen es keinen VAR gebe, zum Beispiel in frühen Cup-Runden oder in der Challenge League. «In Deutschland wird dann sofort wieder der Ruf nach dem VAR laut.» Was viele nicht verstehen würden, sei, dass alles überprüft werde. «Ich überprüfe als VAR jede mögliche Penalty-Szene oder potenzielle Rote Karte und nicht nur dann, wenn beim Schiedsrichter der Finger am Ohr ist.» Komplette Objektivität sei nicht möglich, es werde immer Diskussionen geben, solange es Interpretationsspielraum gebe. «Aber ein Zurück gibt es nicht mehr, der VAR wird bleiben.»
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 33 | 38 | 74 | |
2 | FC St. Gallen | 33 | 24 | 60 | |
3 | FC Lugano | 33 | 12 | 57 | |
4 | FC Basel | 33 | 6 | 53 | |
5 | FC Sion | 33 | 16 | 52 | |
6 | BSC Young Boys | 33 | 5 | 48 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 33 | 3 | 40 | |
2 | Servette FC | 33 | 0 | 40 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 33 | -10 | 39 | |
4 | FC Zürich | 33 | -18 | 34 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 33 | -25 | 27 | |
6 | FC Winterthur | 33 | -51 | 19 |