Darum gehts
Just als am Freitagabend heftige Gewitter über die Schweiz zogen, schlug auch ein Transfer ein, mit dem kaum jemand gerechnet hatte: Leonardo Bertone (32) wechselt zum FC Luzern. Der Regisseur und Schlüsselspieler von Meister Thun schliesst sich dem letztjährigen Tabellensiebten an.
Für viele im Berner Oberland kommt der Wechsel einem Schock gleich. Die «Berner Zeitung» bezeichnet Bertones Abgang gar als den bittersten in den 128 Jahren Vereinsgeschichte des FC Thun.
Der Grund hinter Bertones Thun-Abgang
Ganz so dramatisch sieht es Bertone selbst allerdings nicht. «Das empfinde ich überhaupt nicht so. Der FC Thun ist sowohl in der Führung als auch innerhalb der Mannschaft super aufgestellt. Aber die Zeitungen müssen ja auch etwas schreiben», sagt er im Gespräch mit Blick. Viel wichtiger ist ihm eine andere Botschaft: Der Wechsel erfolgte aus eigener Überzeugung. Nicht, weil er Zweifel an der Zukunft des FC Thun hat. Und auch nicht, weil Trainer Mauro Lustrinelli (50) nach vier gemeinsamen Jahren den Klub verlassen hat.
Entsprechend betont Bertone, dass er keineswegs das Gefühl habe, Thun im Stich zu lassen. «Als ich das erste Mal aus Thun weggegangen bin, habe ich den Klub im Stich gelassen. Das war nach dem Abstieg der Fall. Damals hatten Stolz und falscher Ehrgeiz bei mir zu viel Gewicht.»
«Ich weiss, was es bedeutet»
Dieses Mal sei die Situation eine andere. «Ich wollte dem Klub und den Fans etwas zurückgeben. Mit dem Meistertitel ist das mehr als gelungen. Mehr geht nicht. Deshalb war für mich jetzt der perfekte Zeitpunkt gekommen, nochmals eine neue Herausforderung anzunehmen und mich selbst herauszufordern. Als ich hörte, dass sich die Möglichkeit mit Luzern ergibt, wollte ich sie sofort packen.»
Die Gespräche mit Sportchef Remo Meyer (45) überzeugten Bertone entsprechend rasch. In Luzern soll der neue Sechser eine zentrale Rolle übernehmen – zumal er neu der älteste Spieler im Kader ist. Speziellen Druck verspürt er deswegen keinen. «Ich empfinde vor allem Freude und Stolz, hier sein zu dürfen.» Besonders reizt ihn die Arbeit mit den vielen jungen Spielern. «Ich weiss, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Genau deshalb spricht mich das Projekt in Luzern an. Ich hoffe, dass wir die Konstanz entwickeln, die dem FCL in den vergangenen Jahren vielleicht manchmal etwas gefehlt hat.»
Erstes Pflichtspiel ausgerechnet gegen Thun
Mit Ausnahme von Nando Toggenburger (21), der einst von Luzern nach Thun ausgeliehen war, kannte Bertone vor seinem Wechsel kaum jemanden persönlich. Auch Trainer Udo Portmann (49) nicht. Die ersten Eindrücke seien aber durchwegs positiv. «Er wirkt sehr menschlich und demütig und verfolgt eine klare Linie. Ich habe sofort gespürt, in welche Richtung er gehen will – obwohl ich erst drei Trainingseinheiten absolviert habe.»
Schon am Samstag bestreitet Bertone mit seinem neuen Klub das erste Testspiel, bevor es anschliessend ins Trainingslager nach Schruns (Ö) geht. Die Saison startet derweil fast auf den Tag genau in einem Monat. Und das ausgerechnet gegen Thun. Bertone ist voller Vorfreude. «Das wird ein sehr spezieller Moment.»

