Das lange Warten hat im Tessin endlich ein Ende. Der FC Lugano bezieht sein neues Zuhause. Entstanden ist eine kleine, aber spektakuläre und luxuriöse Arena, die in der Schweiz ihresgleichen sucht. Möglich gemacht hat dies vor allem Klubbesitzer Joe Mansueto (69). Der US-Amerikaner hat 18,4 Millionen Franken aus eigener Tasche in den Ausbau des Stadions investiert – und jeder einzelne Rappen hat sich gelohnt.
Am Donnerstag spielten die Bianconeri im Rahmen der Qualifikation für die Conference League erstmals in ihrer neuen Heimstätte. Am Sonntag folgt gegen den FC Vaduz die offizielle Einweihung im ersten Super-League-Heimspiel.
Blick erhielt bereits eine Woche zuvor exklusiven Zugang zum neusten Stadion der Schweiz und zeigt die spannendsten und überraschendsten Ecken der AIL Arena – jene Orte, die den meisten Matchbesuchern normalerweise verborgen bleiben.
Das Unerwartete: der Tunnel Club
In der Schweiz ist ein solcher Bereich einzigartig. Aber auch in Europa gibt es so was nur sehr selten – etwa in Stuttgart oder bei Manchester City. Wer sich ein solches Hospitality-Ticket sichert, erhält Einblicke, die normalen Stadionbesuchern verborgen bleiben.
Rund 40 Minuten vor Anpfiff geht es vom Hospitality-Bereich in den Spielertunnel. Die Gäste dürfen für einige Minuten direkt an den Spielfeldrand, während sich beide Teams aufwärmen. Anschliessend beobachten sie in einem bedienten Bereich hinter einer Glasscheibe, wie die Spieler den Tunnel Richtung Rasen verlassen. Die Profis selbst bekommen davon nichts mit: Aus ihrer Sicht ist die Scheibe blickdicht. Zum Erlebnis gehören zudem Plätze in der ersten Reihe – direkt hinter den Ersatzbänken.
Exklusivität hat ihren Preis: 349 Franken kostet ein Ticket, pro Spiel sind nur 16 Plätze verfügbar. «Diese Plätze sind nicht in einem Abo erhältlich. Wir verkaufen die Tickets ausschliesslich für einzelne Spiele», erklärt der Klub. So soll der Tunnel Club seinen exklusiven Charakter bewahren.
Das Schmuckstück: der Hospitality-Bereich
Die Hospitality-Bereiche zählen in praktisch jedem modernen Stadion zu den Aushängeschildern. In Lugano ist das nicht anders. Gemeinsam mit dem Münchner Innenarchitekturbüro CBA entstand ein stilvolles Bijou. Der Andrang ist entsprechend gross: Sämtliche 354 Hospitality-Abonnements sind bereits verkauft. An spielfreien Tagen lassen sich die Räumlichkeiten zudem für Sitzungen, Firmenanlässe oder andere Events mieten.
Besonders stolz ist CEO Martin Blaser auf ein Detail in der Premium Lounge mit ihren 104 Plätzen: die Sessel, die sogar über eine integrierte Sitzheizung sowie einen USB-C-Anschluss verfügen. «Ich habe solche Sessel einmal bei einem Besuch im Dezember 2018 im Hard Rock Stadium von Miami gesehen. Damals habe ich mir gesagt: Sollte ich jemals in der Zukunft an einem Stadionbau beteiligt sein, dann sorge ich dafür, dass wir genau solche Sessel haben.» Gesagt, getan. Der Sitzkomfort lässt kaum Wünsche offen. Einen kleinen Haken gibt es allerdings: Das Geschehen verfolgt man aufgrund gesetzlicher Vorgaben durch eine Glasscheibe.
Das Design der neuen Lugano-Garderobe ist in den Klubfarben Schwarz und Weiss gehalten, in der Mitte des Bodens prangt das Lugano-Logo in Übergrösse.
Besonders ins Auge fallen die Bildschirme über jedem Platz. Dort wird nicht nur der Name des jeweiligen Spielers angezeigt, sondern auch sein persönlicher Tagesablauf – von Besprechungen über Behandlungen bis zu individuellen Terminen. Was früher mit Post-it-Zetteln organisiert wurde, läuft heute komplett digital.
Für Begeisterung sorgen bei den Spielern auch die neuen Duschen sowie die gesamten Sanitäranlagen. Sie gehören zu den Bereichen, die dank der zusätzlichen Investitionen von Mansueto deutlich aufgewertet wurden. Gerade hier zeigt sich, wie das Stadion ohne das zusätzliche Geld des Amerikaners ausgesehen hätte – deutlich weniger funktional und weit weniger hochwertig.
Die Versorgungszentrale: die KücheDas Catering sorgte beim ersten Spiel der Frauen-Nati in der AIL Arena noch für rote Köpfe. Mangelnde Qualität sowie lange Wartezeiten – von bis zu 50 Minuten war die Rede – waren das Problem. Inzwischen hat der FC Lugano reagiert und das Konzept überarbeitet. Künftig übernimmt der Klub das Catering in Eigenregie und baut dafür mit externer Unterstützung eigene Strukturen auf.
An der Infrastruktur lag das Problem ohnehin nie. Lugano verfügt mit dem neuen Stadion über die grösste Stadionküche der Schweiz. Auf rund 185 Quadratmetern finden sich modernste Anlagen und praktisch alles, was das Herz eines Kochs begehrt – geschaffen, um bei Fussballspielen ebenso wie bei Grossanlässen mehrere Hundert Gäste zu versorgen.
Die Basis für Leistung: Gym, Massage- und FreizeitraumIm Cornaredo war Platz Mangelware. Das Fitnessstudio befand sich ausserhalb des Stadions, der Massagebereich war eher improvisiert, einen Aufenthaltsraum gab es nicht. Und wer gemeinsam zu Mittag essen wollte, musste erst die Strasse überqueren, um in der Locanda della Masseria einzukehren.
In der AIL Arena ist nun alles unter einem Dach vereint. Die Wege sind kurz, die Abläufe deutlich effizienter. Das moderne Gym ist mit den neusten Geräten ausgestattet, im Behandlungsraum sorgt eine spezielle Lichttechnik mit simuliertem Tageslicht für eine möglichst entspannte Atmosphäre und soll gleichzeitig die Regeneration fördern. «Das haben wir beim FC Bayern München gesehen und wollten es auch bei uns umsetzen», sagt Projektleiter Philippe Siffert.
Dazu kommt ein Aufenthaltsraum mit Billardtisch, Tischfussball und einer Playstation. «Noch wird er nicht allzu oft genutzt», erzählt Teammanager Matteo Tosetti. Doch das dürfte sich schnell ändern. Schliesslich verbringt die Mannschaft künftig deutlich mehr Zeit in ihrem neuen Zuhause.
Die Medienzentrale: der PresseraumBislang war in Lugano aus Platzgründen nur der Heimtrainer an der Pressekonferenz vertreten. Damit ist jetzt Schluss. Ab sofort werden sowohl der Heim- als auch der Gästecoach ihre Analysen abgeben. Der neue Medienkonferenzraum ist hochmodern ausgestattet, hat einen Technikraum und bietet Platz für rund 60 Journalisten.
Neu verfügt die AIL Arena auch über eine offizielle Mixed Zone. Im alten Cornaredo diente dafür schlicht der Spielereingang. Nun findet der Medienbereich im Tunnel Club Platz, der nach Spielbeginn entsprechend umfunktioniert wird.
Nach der Premiere beim Spiel der Frauen-Nati sorgten die Steckdosen für Gesprächsstoff. Die Anschlüsse erwiesen sich als zu tief für herkömmliche Stecker. «Das ist kein Baufehler», erklärt Siffert heute. «Die neuen Aussensteckdosen müssen aus Sicherheitsgründen eine gewisse Tiefe haben. Deshalb haben wir Adapter angeschafft, die wir vor jedem Spiel einsetzen und danach wieder entfernen.»
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 1 | 2 | 3 | |
2 | BSC Young Boys 2:1 | 1 | 1 | 3 | |
3 | FC Basel | 1 | 1 | 3 | |
4 | Grasshopper Club Zürich | 1 | 0 | 1 | |
4 | FC Lausanne-Sport | 1 | 0 | 1 | |
6 | FC Lugano | 0 | 0 | 0 | |
6 | FC St. Gallen | 0 | 0 | 0 | |
6 | FC Vaduz | 0 | 0 | 0 | |
6 | FC Zürich | 0 | 0 | 0 | |
10 | FC Sion 1:2 | 1 | -1 | 0 | |
11 | Servette FC | 1 | -1 | 0 | |
12 | FC Luzern | 1 | -2 | 0 |
