Darum gehts
- FC Zürich vor Derby gegen Grasshoppers
- 16 Gegentore in sechs Spielen: schlechterer Schnitt als vergangene Saison Winterthur
- Nur Aufsteiger Vaduz mit tieferem Marktwert
Sechs Spiele, sechs Punkte. Vor dem Derby gegen die Grasshoppers ist beim FC Zürich zwischen Himmel und Hölle noch alles möglich. Blick nennt drei Gründe, warum es mit dem FCZ gut kommen könnte. Und drei, warum diese Saison brutal auf der Kippe steht.
Was für den FCZ spricht
1. Die Mannschaft lässt sich nicht unterkriegen
Chancenlos liegen die Zürcher gegen die Young Boys nach 75 Minuten zurück. Es steht 1:4, die Lage ist hoffnungslos. Aber sie geben trotzdem nicht auf. In der letzten Viertelstunde kommen sie auf 2:4 heran. Sie schiessen aus allen Lagen. Sie treffen die Latte. Sie haben am Ende über das gesamte Spiel gerechnet mehr und bessere Chancen als YB.
Gegen die Berner kann sich Zürich dafür nichts kaufen. Aber es ist ein Muster: Wenn der FCZ am Boden zu sein scheint, zeigt er seine beste Leistung. Das ist beim 1:2 gegen Basel so. Es ist beim 3:2-Sieg in Lausanne der Fall.
Diese Mannschaft hat, was moderne Trainer so gern Resilienz nennen. Heisst: Widerstandskraft. Die Fähigkeit, sich von Rückschlägen nicht umhauen zu lassen. Es ist eine Qualität, die eine Mannschaft weit bringen kann. Der FC Thun wurde damit Schweizer Meister.
2. Der Trainer wird es richten
Marcel Koller hat als Klubtrainer alles erlebt: Meistertitel, Aufstieg, den Gewinn der afrikanischen Champions League. Aber auch Abstiegskampf und den tatsächlichen Abstieg. Er war bei wilden Vereinen wie dem FC Basel, noch wilderen wie dem 1. FC Köln – und unfassbar wilden wie Al Ahly in Kairo.
Wenn einer den Fels in der Brandung geben kann, dann Koller. Seine Erfahrung wird in hektischen Momenten Gold wert sein und aufwiegen, was dem Kader vielleicht an Klasse fehlt.
3. Die Spieler finden endlich ihr Selbstvertrauen
Bledian Krasniqi (25), Miguel Reichmuth (22), Umeh Emmanuel (22): Sie alle müssten eigentlich schon weiter sein in ihrer Karriere.
Aber sie sind immer wieder abgetaucht, haben das Selbstvertrauen verloren, wurden zeitweise zu Randfiguren. Jetzt sind sie Stammspieler. Und das tut ihnen sichtlich gut.
Emmanuel wird in Lausanne zum Matchwinner, hat bereits drei Skorerpunkte. Reichmuth hat ein Tor geschossen, ein Assist gegeben und einen Penalty provoziert. Krasniqi trifft gegen Lausanne und wächst in die Rolle jenes Spielers, dem man unter Druck den Ball zuspielt, weil er ihn nicht verliert. Alle drei sind unter den Besten der Liga, wenn es darum geht, ihrem Team mit Dribblings und Vorstössen mit dem Ball am Fuss zu helfen.
Sie sind noch nicht alt, aber sie haben schon einiges gesehen. Sie können zu Vorbildern werden für all die Nachwuchsspieler, die der FCZ in dieser Saison ins kalte Wasser wirft.
Was gegen den FCZ spricht
1. Die Abwehr ist schlechter als die von Winterthur
Der auffälligste und beste Spieler des FCZ spielt im Moment in der Innenverteidigung: Lindrit Kamberi (26), Balleroberer, Torschütze, unerschrockener Anführer trotz Nasenbeinbruch und Maske. Aber er alleine kann diese Abwehrreihe nicht dichthalten.
Neben ihm aber begeht Innenverteidiger-Kollege Alexander Hack (32) Spiel für Spiel entscheidende Fehler. Die Aussenverteidiger gehören zu den am häufigsten ausgedribbelten Spielern der gesamten Liga. Rechts hinten ist zudem nur noch Doron Lichtenstein (20) fit, mit der Erfahrung von etwas mehr als 60 Minuten in der Super League.
16 Gegentore haben die Zürcher in 6 Spielen zugelassen. Behalten sie diesen Schnitt bei, überbieten sie bis zum Saisonende sogar die unfassbaren 100 Gegentore, die Absteiger Winterthur in der letzten Spielzeit kassiert hat.
2. Ruhe? Findet der FCZ grundsätzlich doof
Es kam etwas überraschend, als Marcel Koller vor dem Sieg in Lausanne seine Aufgabe beim FC Zürich mit jener beim 1. FC Köln verglich. «Dort war das Stadion auch voll, rundum herrschte Unruhe. Und wir konnten zu wenig herausholen», so hat das der FCZ-Trainer gesagt.
Aber die Reise an den Genfersee bestätigte, was Koller wohl schon vorher gespürt hatte: Der FCZ findet Ruhe doof. Also geht Juan José Perea (26) ausgerechnet nach einem Sieg so aggressiv auf seinen Trainer los, dass der ihn intern sperrt. Der Stürmer dürfte nie mehr für Zürich spielen.
Der mögliche Ersatz könnte Lars Villiger (23) heissen. Was die Diskussionen um die Position von Dino Lamberti (57) im Klub weiter anfachen wird. Lamberti ist zugleich Berater von FCZ-Präsident Ancillo Canepa (73), Trainer Koller und … Villiger.
3. Das Kader ist eines der dünnsten der Liga
Der Marktwert sagt nicht alles über die Fähigkeit von Spielern aus. Aber es ist kein Zufall, dass derzeit in der Super League nur das Kader von Aufsteiger Vaduz weniger wert ist als jenes der Zürcher.
Routiniers wie Perea, Valon Berisha oder Jorge Segura spielen keine Rolle. Und in der zweiten Reihe wurden einige Nachwuchsspieler im Sommer abgegeben: David Vujevic (19), Mattia Rizzo (19), Parfait Coulibaly (17) oder Aaron Tchamda (19).
Die Spielerdecke des FCZ ist dünn. Wird in den letzten Tagen des Transfersommers nicht noch nachgebessert, könnte es zu dünn sein.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 5 | 11 | 15 | |
2 | BSC Young Boys | 6 | 12 | 14 | |
3 | FC Basel | 6 | 2 | 10 | |
4 | FC Sion | 5 | 2 | 9 | |
5 | FC Luzern | 6 | -3 | 8 | |
6 | FC St. Gallen | 5 | -1 | 7 | |
7 | FC Thun | 5 | -5 | 7 | |
8 | FC Lausanne-Sport | 6 | -1 | 6 | |
9 | FC Zürich | 6 | -7 | 6 | |
10 | Servette FC | 5 | -2 | 4 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 5 | -5 | 4 | |
12 | FC Vaduz | 6 | -3 | 3 |
