Darum gehts
- Luzern verliert in Zürich 1:2, Portmann kritisiert die schwache erste halbe Stunde klar und deutlich
- Ciganiks nennt das Abwehrverhalten naiv, Di Giusto beschreibt grosse Lücken im Team vor der Pause
- In Halbzeit zwei bringt Luzern 19 Schüsse zustande, erzielt aber nur einen Treffer beim 1:2
Die Analyse ist kurz und treffend. «Wir sind als ganzes Team schlecht gewesen», sagt Udo Portmann über die erste halbe Stunde gegen den FC Zürich: «Das nervt.» Der Trainer des FC Luzern ist nicht der einzige im Letzigrund, der regelrecht erschrocken ist über den Auftritt seiner Mannschaft.
«Wir waren sehr naiv», urteilt Andrejs Ciganiks (29) über das Abwehrverhalten, zu dem er als Linksverteidiger natürlich dazugehört. Matteo Di Giusto (26) meint zum Auftritt vor der Pause: «Es hat sich angefühlt, als würden die vorn nur vorn spielen. Und die hinten nur hinten. Jeder hat für sich geschaut, jeder hatte mit sich selbst zu kämpfen.»
Die perfekte Mischung für ein Debakel
Bestes Beispiel für diese Aussage: Die Situation, die zum Penalty für den FCZ führt. Die Luzerner Offensive macht vorn keinen Druck auf den ballführenden Zürcher. Hinten verteidigt die Luzerner Defensive zwar passiv – aber dafür auch ohne Abdeckung. Die perfekte Mischung für ein Debakel.
Und wie soll man möglichst behutsam beschreiben, wie sich Hua (22) und Meng Freimann (20) im Duell mit FCZ-Flügel Umeh Emmanuel (22) anstellen? Sagen wir es so: Wie sturmerprobte Innenverteidiger verhalten sie sich jedenfalls nicht.
Es ehrt Portmann, dass er sich nach dem Schlusspfiff vor die beiden Freimann-Brüder stellt: «Sie haben auch sehr gute Aktionen, die man vielleicht etwas weniger gut sieht.»
Aber das ändert nichts am Grundproblem: Portmanns Luzerner treten in Zürich zu Beginn auf, als hätten sie sich eher zufällig kurz vor dem Anpfiff in der Garderobe kennengelernt. Im FCL-Zentrum öffnen sich regelmässig riesige Löcher, die ein etwas griffigerer Gegner zu viel mehr als bloss zwei Toren genutzt hätte.
«Es sind irgendwie immer unsere Fehler»
«Es ist nicht so, dass der FCZ seine Chancen brutal herausgespielt hätte», ärgert sich Ciganiks: «Wenn wir Tore kassieren, sind es irgendwie immer unsere eigenen Fehler.» Wobei eine derartige Anhäufung von Fehlern nicht mehr als eine Serie von Einzelfällen abgehandelt werden kann. Da steckt mehr dahinter.
Bloss: Wo liegt das Problem? Bei den Vorgaben des Trainers – oder bei den Spielern? Für Trainer Portmann ist die Antwort klar: «Es hatte weniger mit dem System zu tun. Sondern damit, wie die Spieler das System ausgefüllt haben.»
Entsprechend ist die Tonlage des FCL-Trainers in der Pause. «Es ist sehr laut geworden», erzählt Ciganiks danach. «Es ist zurecht laut geworden», fügt Di Matteo hinzu.
Wobei der Weckruf die Spieler erst erreicht, als Portmann in der 57. Minute seine ersten beiden Wechsel macht. Tyron Owusu (23) und Lucas Ferreira (19) hätte er auch gleich zur Pause drin behalten können: «Aber ich wollte dem Team noch einmal zehn Minuten geben, um eine Reaktion zu zeigen.» Das geht in die Hose – zwischen Wiederbeginn und Doppelwechsel fällt das zweite, entscheidende FCZ-Tor.
19 Schüsse in 45 Minuten reichen bloss für 1 Tor
Kleiner Lichtblick aus Luzerner Sicht: In der letzten halben Stunde haben sie Chancen für mindestens zwei Treffer. 19 Schüsse in 45 Minuten sind eindrücklich. Aber damit sind wir schon beim nächsten Problem: Bei den meisten Abschlüssen scheitern die Luzerner am eigenen Zitterfüsschen. Vor allem Nando Toggenburger (22) dürfte mit mulmigem Gefühl zur Videoanalyse antraben.
Vorn nervenschwach, hinten naiv: So ist es schwierig, um in den Top 6 mitzuspielen. Trotzdem findet Portmann: «In der Entwicklung geht es grundsätzlich vorwärts.» Wie sehr das stimmt, werden die nächsten Spiele zeigen. Die Gegner heissen Sion, YB, Basel und Lugano. In ihren ersten Spielen gegen diese Teams haben die Luzerner 14 Tore kassiert und 1 Punkt gewonnen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 10 | 24 | 28 | |
2 | BSC Young Boys | 11 | 17 | 25 | |
3 | FC Sion | 10 | 6 | 19 | |
4 | FC Zürich | 11 | -3 | 17 | |
5 | Servette FC | 11 | 2 | 16 | |
6 | FC St. Gallen | 11 | -4 | 16 | |
7 | FC Basel | 10 | -3 | 13 | |
8 | FC Luzern | 11 | -6 | 12 | |
9 | FC Thun | 10 | -10 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 11 | -1 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 10 | -13 | 8 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 10 | -9 | 6 |