Bosse schweigen
Auch neben dem Platz gibt der FCB keine gute Figur ab

Nach nur einem Punkt aus drei Spielen und der mangelhaften sportlichen Entwicklung zieht der FCB in dieser Woche die Reissleine und entlässt Trainer Stephan Lichtsteiner. Doch auch neben dem Platz macht der FCB derzeit keine gute Figur.
Kommentieren
1/5
Die FCB-Führung gibt in Sachen Kommunikation in den letzten Wochen keine gute Figur ab.
Foto: Pius Koller
RMS_Portrait_AUTOR_1052.JPG
Christian FinkbeinerStv. Fussballchef

«Man kann nicht nicht kommunizieren.» Bereits im ersten Semester jedes Kommunikationslehrgangs lernt man diesen Grundsatz des österreichisch-amerikanischen Philosophen Paul Watzlawick (†2007). Die Frage lautet darum nicht, ob man kommuniziert. Sondern nur, ob die Kommunikation gelingt.

Eine Frage, mit der sich in diesen Tagen auch der FC Basel beschäftigen muss. Wobei offensichtlich wird, dass bei den Bebbi nicht nur sportlich, sondern auch in Sachen Kommunikation einiges im Argen liegt. Der entlassene Stephan Lichtsteiner (42) trat bei seiner ersten Station als Cheftrainer auf Profi-Stufe intern wie extern in das eine oder andere Fettnäpfchen, weswegen er auch immer wieder kritisiert wurde.

Doch die Klub-Verantwortlichen standen ihrem Cheftrainer in den letzten Wochen in nichts nach. Der sportliche Leiter Valentin Stocker (37) sagte noch am Sonntag nach dem 1:3 gegen Lugano, dass er die Trainerfrage nicht gross kommentieren möchte. «Für mich steht dies nicht zur Debatte im Moment.» Keine 72 Stunden später war Lichtsteiner in Basel Geschichte, wobei letztlich ein kommunikativer Fauxpas des Ex-Nati-Captains das Fass zum Überlaufen gebracht haben soll. Lichtsteiner prophezeite vor der Mannschaft sein Ende als Trainer spätestens in der Nati-Pause.

Teils angekündigte Spieler kamen nie

Auch der neue Technische Direktor Andreas Herrmann (35) und Präsident David Degen (43) haben sich in diesem Sommer kommunikativ nicht mit Ruhm bekleckert. Zwar gaben sie im klubeigenen Podcast offene Einblicke in die Transferaktivitäten, doch die teils angekündigten Spieler kamen nie. Und auf eine erklärende Auflösung warten die Fans bis heute vergebens.

Ebenfalls destabilisierte man den Trainer schon vor dem ersten Anpfiff – ob gewollt oder nicht –, als Degen sagte, er stehe «zu 100 Prozent» hinter dem Trainer, er aber anfügte, dass auch Lichtsteiner «das Geschäft kenne». In den letzten Wochen unterliessen es sämtliche FCB-Verantwortungsträger, den Trainer zu stützen, obwohl sich kritische Medienberichte über Lichtsteiner häuften. Dafür reagierte man mit einem emotionalen Statement, in dem man Blick eine «diffamierende Kampagne» vorwarf.

Und jetzt, nach dem grossen Knall? Anstatt sich öffentlich zu äussern, geht man beim FCB auf Tauchstation. Erst am Sonntag, unmittelbar vor dem Spiel in Luzern, wird sich Stocker den Medien stellen. Dem Interimstrainer Luigi Nocentini (37) und den Spielern wurde quasi ein Maulkorb verteilt. Die wöchentliche Pressekonferenz wurde gestrichen, die Trainings finden hinter geschlossenen Türen statt.

Dabei generiert kein anderer Verein in der Schweiz so viel Publizität wie der FCB, wo regelmässig 25’000 Fans ins Stadion pilgern und der Klub Stadtgespräch ist – unabhängig davon, ob er nun das Double gewinnt wie im Frühjahr 2025 oder sportlich unruhige Zeiten durchläuft wie momentan. Nicht kommunizieren kann man nicht. Der FCB versucht es trotzdem. Und sagt damit über sich selber mehr aus als mit 1000 Interviews.

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
7
13
19
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
8
12
16
3
FC Sion
FC Sion
7
6
15
4
FC Basel
FC Basel
7
0
10
5
FC St. Gallen
FC St. Gallen
7
-2
10
6
FC Luzern
FC Luzern
7
-3
9
7
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
7
-4
8
8
FC Thun
FC Thun
7
-7
7
8
FC Zürich
FC Zürich
7
-7
7
10
FC Vaduz
FC Vaduz
7
-1
6
11
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
7
-3
6
12
Servette FC
Servette FC
6
-4
4
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen