Darum gehts
- Stephan Lichtsteiner nach 226 Tagen als FCB-Trainer entlassen, 27 Spiele geleitet
- Kuriose Aussagen und sportliche Misserfolge führten zu wachsender Kritik im Klub
- Vertrag bis 2029, aber nach 7 Monaten beendet, 3 Niederlagen zum Start
Was als Langzeitprojekt angekündigt wurde, ist nach nur 226 Tagen gescheitert: Obwohl Stephan Lichtsteiner beim FCB einen Vertrag bis 2029 gehabt hätte, wird er nach 27 Partien bereits entlassen – eine Chronologie des Scheiterns.
Vorstellung als Trainer
Als Spieler war Stephan Lichtsteiner fast allen Schweizer Fussballfans ein Begriff: Jahrelang beackerte der Aussenverteidiger für Juventus und in der Schweizer Nati die Aussenbahn. Als Trainer ist er allerdings ein Novize. Nachdem er im Nachwuchs beim FCB tätig war, übernahm Lichtsteiner beim 1.-Liga-Klub Wettswil-Bonstetten. Obwohl er sich zuvor noch nicht auf höherer Ebene beweisen konnte, war er bei seiner Anstellung trotzdem optimistisch: «Ich bin relativ schnell zum Entschluss gekommen, dass ich das Angebot annehmen will, und bereit bin für die grosse Aufgabe.» Auch der damalige FCB-Sportchef Daniel Stucki war zuversichtlich, erwähnte zum Beispiel, dass auch Pep Guardiola mit nur sehr wenig Erfahrung gleich bei Barcelona angeheuert hatte.
Happiges Startprogramm
Bereits in den ersten Tagen als FCB-Coach bezahlte Lichtsteiner Lehrgeld. Zuerst kämpfte der FCB in der Europa League gegen Viktoria Pilsen ums Weiterkommen, dann folgte Lichtsteiners Debüt in der Liga und zum Abschluss noch der Cup-Viertelfinal gegen St. Gallen. Alle drei Schlüsselspiele gingen verloren. Allerdings muss man zur Verteidigung von Lichtsteiner erwähnen, dass er keine Zeit für eine Vorbereitung hatte. Trotzdem wurde bereits ein erstes Mal Kritik an seiner Person laut.
Hitzige Temperaturen im März
Auch nach dem missglückten Start in die Profi-Trainerkarriere blieben die Resultate lange wechselhaft. Zwar gab es Anfang Februar einen Sieg gegen den Erzrivalen aus Zürich, danach verlor man aber wieder zwei von drei Partien und holte nur ein Remis. Gerade als sich dann eine Trendwende mit zwei Siegen ankündigte, folgte ein blamables Auswärtsspiel in St. Gallen. Die Basler brachten keinen Fuss vor den anderen und gingen «nur» 0:3 unter. Das Resultat hätte deutlich höher ausfallen können. Lichtsteiner nannte nach dem Spiel einen kuriosen Grund für den schwachen Auftritt: die hohen Temperaturen. «Es war relativ warm», erklärte der Trainer. Wenige Tage später rechtfertigte er seine Aussage. Er habe auch andere Gründe genannt und: «Man hat mich falsch verstanden oder wollte mich falsch verstehen. Vielleicht ist es nicht so schlecht, in Zukunft weniger zu sagen.» Für Häme sorgte seine Bemerkung allemal.
Rückendeckung von Degen
Weil die Basler nur gegen die Kellerkinder der Liga gewinnen konnten, verpassten sie den Europacup und damit das Minimalziel. Die Enttäuschung bei Lichtsteiner, den Spielern, den Fans und auch der Klubführung war enorm. Nichtsdestotrotz erhielt er von Präsident David Degen Rückendeckung und eine Jobgarantie: «Wir gehen mit Stephan Lichtsteiner in die neue Saison.» Doch im Saisonendspurt machte der Luzerner ein neues Problemfeld auf: Captain Xherdan Shaqiri kam nur noch zu Teileinsätzen.
Brandrede an Pressekonferenz
Präsident Degen hielt sein Wort: Lichtsteiner stand auch zu Beginn der neuen Saison an der Seitenlinie der Basler – die Probleme aber blieben die alten. Zwar glückte der Saisonauftakt gegen Servette, doch nur eine Woche darauf verlor man gegen Lausanne. Shaqiri kam nur zu einem Teileinsatz, Stürmer Albian Ajeti musste ab da von der Bank oder der Tribüne aus zuschauen, ehe er Ende August an Lugano verliehen wurde. Dazwischen sorgte Lichtsteiner selbst aber für Aufsehen. An einer Pressekonferenz sagte der Luzerner: «Wir haben kein Team, das zum Gewinnen gemacht ist, sondern um es zu entwickeln.» Eine Aussage, die sowohl intern als auch extern für Verwirrung sorgte.
Damit aber noch nicht genug: Basel gewann gegen die Thuner B-Elf mit 4:2. Trotzdem teilte Lichtsteiner nach dem Spiel in Richtung eines Blick-Reporters aus: «Es wird viel Negatives berichtet. Man ist immer darauf aus, Negativität in den Klub zu bringen. Mein Team und ich haben etwas mehr Respekt verdient.» Blick argumentierte sachlich mit Statistiken und Fakten, trotzdem reagierte der FCB auf die Berichterstattung und sprach unter anderem von einer «diffamierenden Kampagne». Blick berichtete schon da, dass Lichtsteiner sowohl in der Führungsetage als auch in Teilen der Mannschaft den Rückhalt verloren habe. Nur wenige Spiele später ist Lichtsteiner seinen Job los.
Entlassung nach Stärkung
Dabei begann eigentlich die beste Phase unter Lichtsteiner. Im Cup gab man sich gegen Underdog Courtételle keine Blösse, tags darauf kam der grosse FC Barcelona ins Joggeli. Zwar verlor man gegen das spanische Starensemble, zeigte aber trotzdem eine ordentliche Leistung. Danach folgte ein Sieg gegen den FCZ. Auch in die englische Woche ging man mit einem Erfolgserlebnis. Obwohl man den Start gegen die Offensivgewalt aus Bern verpasst hatte, drehte man auf und holte ein Unentschieden.
Danach ging es aber wieder bergab. Gegen Sion gab man eine 1:0-Führung aus der Hand, genauso wie gegen Lugano. Der sportliche Leiter Valentin Stocker stellte sich nach der Niederlage gegen Lugano noch hinter Lichtsteiner: «Die Trainerfrage möchte ich jetzt nicht gross kommentieren. Für mich steht es nicht zur Debatte im Moment. Für mich ist wichtig, wie die Mannschaft performt. Mit den letzten beiden Spielen können wir nicht zufrieden sein, mit denjenigen vorher aber schon. Als Verein muss man sich nicht jeden Tag diese Frage stellen.»
Am Schluss war es trotzdem das letzte Spiel unter Lichtsteiner. Seine Entlassung hat er aber auch selbst mitzuverantworten. Lichtsteiner hat am Mittwochmorgen der Mannschaft gesagt, dass er bis zum Beginn der Nati-Pause nicht mehr Trainer sein werde. Auch diese Aussage sorgte für grosse Verwunderung und man entschied, die Reissleine zu ziehen – es war der letzte, entscheidende kommunikative Fehltritt von Lichtsteiner.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 6 | 13 | 18 | |
2 | BSC Young Boys | 7 | 12 | 15 | |
3 | FC Sion | 6 | 3 | 12 | |
4 | FC St. Gallen | 6 | 1 | 10 | |
5 | FC Basel | 7 | 0 | 10 | |
6 | FC Luzern | 7 | -3 | 9 | |
7 | FC Thun | 6 | -6 | 7 | |
8 | FC Zürich | 7 | -7 | 7 | |
9 | FC Vaduz | 7 | -1 | 6 | |
10 | FC Lausanne-Sport | 7 | -3 | 6 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 6 | -5 | 5 | |
12 | Servette FC | 6 | -4 | 4 |

