Darum gehts
- Bedia steht nun bei 16 Toren – Essende bleibt bei null
- Dennoch steht Letzterer dem Liga-Torschützenleader vor der Sonne
- Wie eine elegante Lösung von Seoane nun aussehen könnte
Niemand hat beim YB-Remis gegen Servette (1:1) mehr Zweikämpfe geführt als Chris Bedia (30). Nur: Der Stürmer ist Ersatz und stempelt erst in der 55. Minute ein! Gleich viele Zweikämpfe verbuchen Essende, der durchspielt, und Monteiro, der für Bedia aus dem Spiel geht. Die drei kommen auf 12, alle anderen im Team auf weniger Duelle um den Ball.
Stürmer weisen in der Statistik oft hohe Zweikampfwerte auf. Doch das Beispiel soll zeigen: Bedia fehlt nicht deshalb in der YB-Startelf, weil einzig seine Skorerpunkte hoch wären und alle anderen Werte im Keller. Nein, der Toptorschütze der Liga (16 Treffer) hat auch ausserhalb des gegnerischen Strafraums Einfluss aufs Spiel. Zwei defensive Tacklings gehen zudem auf sein Konto. Und allgemein bringt er beim Spiel gegen Servette frischen Wind rein.
Essende legt sich 90 Minuten lang ins Zeug, agiert aber oft noch unglücklich (beim Treffer zum vermeintlichen 2:1 kurz vor Schluss steht er im Abseits). Bedia hingegen schafft Zählbares: 13 Minuten nach der Einwechslung holt das Schlitzohr den Penalty heraus, den er zum 1:1 gleich selber versenkt. Und hier taucht es wieder auf, das Bedia-Grinsen, als er zum Jubeln abdreht.
Essende wenigstens defensiv besser? Seoane winkt ab
Das Grinsen des Goalgetters macht das YB-Rätsel nur noch grösser. Warum erhält Null-Tore-Mann Samuel Essende (28) im YB-Sturm weiterhin den Vorzug vor dem Liga-Toptorschützen? Verschiedene Theorien sind denkbar, wie jene einer möglichen YB-Transferstrategie um den treffsicheren, aber nicht unangefochtenen Stürmer.
Ein Faktor, der für Essende sprechen könnte: Der neue Millionen-Transfer aus der Bundesliga arbeitet auch stark nach hinten. Das wird durch eine Szene belegt, in der Essende nahe am eigenen Strafraum mithilft, einen Ball zurückzuerobern. Doch so einfach ist es nicht. Denn laut YB-Trainer Gerardo Seoane (47) ist die defensive Mitarbeit kein Essende-Pluspunkt: «Bei Standardsituationen sind beide Stürmer oft im eigenen Sechzehner anzutreffen. Ansonsten verteidigen sie meistens auf der letzten Linie und pressen den Gegner. Das machen beide.»
Was dann? Rätselraten. Klar wird nun, dass Seoane bald eine elegante Lösung aus dem Ärmel schütteln könnte. Bei der Einwechslung von Bedia gegen Servette muss nämlich nicht Essende vom Platz, sondern Monteiro. Bedia und Essende stürmen für die letzte gute halbe Stunde gemeinsam. «Man hat heute gesehen, dass sie auch zusammen spielen können», sagt Seoane nach dem Match. Ob das in der nun anstehenden Meisterrunde und im Kampf um die letzten Europa-Chancen auch von Beginn an möglich ist? «Das ist sicherlich eine Möglichkeit. Ja, warum nicht», antwortet der Coach auf die Nachfrage von Blick.
Der Schalk ist Bedia ins Gesicht geschrieben
Seoane erklärt: «Heute war die Umstellung auf zwei Stossstürmer eine gute Möglichkeit, weil Servette in der ersten Halbzeit mit den Aussenverteidigern unser Flügelspiel sehr gut kontrolliert hat und wir deshalb oft zu verfrühten Flanken griffen.» Je nach Gegner könne er erneut darauf zurückgreifen.
Selbst wenn es Seoane gelingen sollte, dem grossen Stürmer-Rätsel mit einer YB-Doppelspitze den Wind aus den Segeln zu nehmen: Die Gründe, warum Essende Bedia so klar vor der Sonne steht, wären immer noch nicht geklärt. Für die ungewöhnliche Hierarchie muss es welche geben. Dies verrät allein schon das schelmische Grinsen, das Bedia vor dem Gang zur Ersatzbank und nach dem Spiel in den Katakomben des Wankdorfs im Gesicht hat.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 32 | 36 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 33 | 24 | 60 | |
3 | FC Lugano | 33 | 12 | 57 | |
4 | FC Basel | 32 | 8 | 53 | |
5 | FC Sion | 33 | 16 | 52 | |
6 | BSC Young Boys | 33 | 5 | 48 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 33 | 3 | 40 | |
2 | Servette FC | 33 | 0 | 40 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 33 | -10 | 39 | |
4 | FC Zürich | 33 | -18 | 34 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 33 | -25 | 27 | |
6 | FC Winterthur | 33 | -51 | 19 |
