«Ist Hediger mit dieser Aufgabe überfordert?»
0:41
Viele offene Fragen beim FCZ:«Ist Hediger mit dieser Aufgabe überfordert?»

Alle Kurven zeigen nach unten
So brutal ist der FCZ-Absturz unter Dennis Hediger wirklich

Der FC Zürich steht vor einer wichtigen Frage: Ist Dennis Hediger (39) der richtige Mann für die kommende Saison? Die Daten sprechen eine deutliche Sprache.
Kommentieren
1/6
Was soll man da noch sagen? Dennis Hediger hat 14 seiner 23 Spiele als FCZ-Cheftrainer verloren.
Foto: keystone-sda.ch
Florian_Raz_Fussball-Reporter_Ringier_1-Bearbeitet.jpg
Florian RazReporter Fussball

Vielleicht findet der FC Zürich in seinen leeren Kassen ja noch ein paar verlorene Franken. Falls ja, sollte er damit dringend ein paar Blumen oder Pralinen kaufen und an die Kantonsrivalen Winterthur und GC schicken. Weil die ihn vor der Peinlichkeit eines Abstiegs bewahren.

Die Saison ist für Zürich dank der Schwäche der Konkurrenz also praktisch beendet. Aber das darf im Home of FCZ niemanden über den Fakt hinwegtäuschen, dass sich die Mannschaft derzeit in einem erbärmlichen Zustand präsentiert.

Der Punkteschnitt eines Absteigers

Die Daten lassen keinen anderen Schluss zu: Der FCZ befindet sich unter Dennis Hediger (39) im freien Fall. Da sind die nackten Resultate. 14 Niederlagen in 23 Matches. 0,91 gewonnene Punkte pro Spiel sind ein Wert, mit dem die Zürcher letzte Saison hinter GC und Yverdon abgestiegen wären.

Aber da sind auch tiefergehende Statistiken, mit denen die Leistung von Teams beurteilt werden. Zum Beispiel der xG-Wert, der die Qualität von Torgelegenheiten misst. Laut diesem haben die Gegner pro Spiel genügend Chancen, um mindestens ein Tor mehr zu schiessen als die Zürcher. Kann mal in einem Spiel passieren. Geschieht es aber über Monate, ist es ein strukturelles Problem. Ein schwerwiegendes.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

Egal, welche Kurve man anschaut: Der FCZ kennt unter Hediger eigentlich nur eine Richtung – runter. Anzahl gespielte Pässe? Runter. Anzahl Schüsse? Runter. Flanken in den Strafraum? Runter. Ah doch, eine Kurve zeigt nach oben: Jene, welche die Chancen der Gegner zählt …

Natürlich darf Hediger für sich in Anspruch nehmen, dass er mit einer Mannschaft arbeitet, die im Winter einen harten Bruch erlebt hat. Er muss ohne die Führungsqualität eines Steven Zuber (34) und ohne den Speed eines Jahnoah Markelo (23) auskommen.

Aber das ändert nichts daran, dass Hediger wie ein Mann auf der Suche nach dem richtigen Rezept wirkt. Erst lässt er unter Anleitung des damaligen Alles-Chefs Milos Malenovic (41) ein ultra-hohes Pressing à la Red Bull spielen. Und wird gnadenlos ausgekontert.

Der Zuzug von Carlos Bernegger (57) als Co-Trainer Anfangs März ist dann ein erster Hinweis darauf, dass Hedigers Unerfahrenheit auch klubintern als Thema erkannt worden ist.

Seit dem Amtsantritt des schweizerisch-argentinischen Doppelbürgers verteidigen die Zürcher wieder deutlich näher am eigenen Strafraum. Nur scheinen sie darüber vergessen zu haben, wo das Tor des Gegners steht. Die richtige Balance jedenfalls hat der FCZ bislang nicht gefunden.

Kurz: Hediger mag dereinst ein grosser Trainer werden. Derzeit aber tritt er wie ein Lehrling auf. Was ja irgendwie von Anfang an zu erwarten war. Seine Uefa-Pro-Lizenz erhält er erst in diesem Sommer. Die Erfahrung als Coach auf Profi-Stufe fehlt ihm. Und das ist seinem Team anzusehen.

Hedigers Peitsche für die Spieler

Dazu kommt sein Umgang mit den miesen Resultaten. Hediger kann gut und überzeugend reden. Er nutzt seine rhetorischen Qualitäten bislang aber vor allem dazu, die eigenen Ideen zu verteidigen und miese Leistungen schönzureden.

Statt öffentlicher Selbstkritik kommt Ende März die Peitsche für die Spieler. Hediger setzt Winterzugang Chris Kablan (31), den siebenfachen Torschützen Matthias Phaëton (26) und Züri-Bueb Bledian Krasniqi (24) mit sieben Liga-Skorerpunkten gegen Thun auf die Tribüne. Die harte Hand funktioniert, wenn das Team grundsätzlich an seinen Trainer glaubt – oder ihn fürchtet. Sonst aber können so öffentliche Massregelungen schnell zur Unruhe in der Kabine führen.

Die Fragen, die der FCZ in den letzten sechs Runden dieser missratenen Saison beantworten muss, lauten also: Glauben die Verantwortlichen, dass Dennis Hediger das Team hinter sich hat? Und sind sie zu 100 Prozent davon überzeugt, dass er schnell genug lernt, um mit ihm in die kommende Saison zu gehen?

Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
32
36
71
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
32
24
59
3
FC Lugano
FC Lugano
32
11
54
4
FC Basel
FC Basel
32
8
53
5
FC Sion
FC Sion
32
13
49
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
32
5
47
7
FC Luzern
FC Luzern
32
3
39
8
Servette FC
Servette FC
32
0
39
9
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
32
-7
39
10
FC Zürich
FC Zürich
32
-17
34
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
32
-27
24
12
FC Winterthur
FC Winterthur
32
-49
19
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen