Knapp dreieinhalb Spiele lang sieht er wie einer der Verlierer dieser Kampagne aus. Er beginnt in Skopje aussen rechts. Dann wird er in Schottland für 27 Minuten im offensiven Mittelfeld gebracht. Gegen Slowenien sind es dann gerade noch drei Minuten aussen links.
Und als Fabian Rieder (24) zu Hause gegen Nordmazedonien wieder in die Startformation rückt, beginnt die Schweizer Nati so schwach, dass Trainer Murat Yakin (52) nach dem Spiel findet: «Die erste Halbzeit? Nein, das besprechen wir gar nicht. Das streichen wir.»
«Mit Glück – gegen den Spielverlauf»
Doch dann gelingt Rieder kurz vor der Pause doch noch so etwas wie der Befreiungsschlag. Einerseits für die Mannschaft, die mit einer unverhofften Führung in die Pause darf. «Mit Glück – gegen den Spielverlauf», wie Yakin kritisch anmerkt. Andererseits für sich selber. Weil nicht nur das Team, sondern auch Rieder danach in Halbzeit zwei befreiter aufspielt.
«Wir waren alle in der ersten Halbzeit einen Schritt zu spät, ich eingeschlossen. Da tat es richtig gut, dass ich da mal den richtigen Riecher hatte», sagt Rieder nach Spielschluss über sein 1:0. Ein Treffer, der ihm mit freundlicher Unterstützung der überforderten Nordmazedonier gelingt.
«Trotzdem war es nicht das einfachste Tor», findet Rieder, «der Winkel war eng, aber ich konnte den Ball gut über den Torwart lupfen.»
Es ist ihm bei dieser Schilderung anzusehen, wie gut ihm das persönliche Erfolgserlebnis tut. Es reicht ihm damit zwar nicht gleich auf die Seite der Gewinner dieses Zusammenzugs. Aber er weiss nach dem Spiel zumindest, dass er nicht weiteres Land verloren hat im Kampf um Minuten in dieser Mannschaft.
«Meine beste Position ist auf der Doppel-Sechs»
Allerdings wird an diesem Dienstag in Luzern eines auch klar: Die Position, auf der sich Rieder zuletzt endlich als Leistungsträger in der 1. Bundesliga etabliert hat, wird er in der Nati so schnell nicht ausfüllen dürfen.
Rieder spielt beim FC Augsburg derzeit im defensiven Mittelfeld. Und fühlt sich dort pudelwohl. «Wenn ich ehrlich bin, ist meine beste Position schon auf der Doppel-Sechs», sagt er in Luzern nach dem Spiel.
Dumm für ihn, dass Yakin dort überhaupt keinen Handlungsbedarf sieht. Auf die Frage nach Rieders Chancen auf einen Einsatz im Zentrum antwortet der Nati-Trainer mit einer Gegenfrage: «Muss ich jetzt alle Sechser aufzählen, die mir zur Verfügung stehen?» Und stellt dann klar: «Solange ich genügend Optionen habe, wird Fabian nicht auf der Sechs spielen.»
Begründung: Rieder wäre mit der Aufgabe im Nationalteam laut Yakin «unterfordert», weil er in der Nati zu statisch spielen müsste: «Er braucht Laufvolumen. Er hat in den Spielen unglaubliche Sprintwerte.»
«Letztlich spielen wir für unser Land»
Da bringt es Rieder wenig, wenn er auf seine Qualitäten hinweist: «Ich gehe gerne in die Zweikämpfe, ich habe gerne den Ball am Fuss, ich starte Läufe in die Tiefe, die den Gegner vor Probleme stellen.»
Für Yakin hat sich Ardon Jashari (24) in dieser Nations League im Zentrum etabliert. An Remo Freuler (34) gibt es sowieso kein Vorbeikommen. Und dann ist da ja noch Granit Xhaka (34). Der grosse Abwesende, von dessen baldiger Rückkehr im Team eigentlich alle überzeugt sind.
Heisst für Rieder: Er muss an Positionen und Einsatzminuten nehmen, was er bekommt. Was er auch tun will. «Ich kann mich sehr gut in den Dienst des Teams stellen», sagt er dazu, «letztlich spielen wir für unser Land. Das ist das Wichtigste.»
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