Darum gehts
- Marinko Jurendic wird ab August SFV-CSO
- Feierte 2022 als Sportchef mit dem FCZ den Meistertitel
- 70 Prozent der SFV-Nachwuchsspieler können für andere Länder spielen
Was Blick Anfang Juni schon publik gemacht hat, ist jetzt offiziell. Marinko Jurendic (48) wird der neue Super-Boss im Schweizerischen Fussballverband (SFV). Der frühere Sportchef des FC Zürich und des Bundesligisten Augsburg trägt ab Mitte August als Chief Sports Officer (CSO) die Gesamtverantwortung für den Bereich Sport. Dazu gehören die drei heutigen Direktionen Männer-Nationalteams, Frauenfussball und Fussballentwicklung.
Die neu geschaffene Stelle, die im Organigramm auf selber Stufe wie Generalsekretär Robert Breiter angesiedelt ist, war erst dank einer Statutenänderung an der Delegiertenversammlung Ende Mai möglich geworden. Jurendic wird direkt SFV-Präsident Peter Knäbel unterstellt sein. «Mit ihm gewinnen wir exakt jene Persönlichkeit, die grosse Fachkompetenz mit hoher Glaubwürdigkeit sowie einen reichhaltigen Erfahrungsschatz für den Schweizer Fussball vereint. Er kennt den SFV und die Herausforderungen wie die nach der erfolgreichen WM gestiegenen Ansprüche des modernen Fussballs bestens», wird Knäbel in der Medienmitteilung des SFV zitiert.
Bereits einmal beim SFV
Für Jurendic ist es eine Rückkehr in die Schweiz und zum SFV. Schon einmal arbeitete er für den Verband – als Stürmertrainer und von 2012 bis 2017 als Assistent des Technischen Direktors, was bis 2014 der heutige SFV-Präsident Peter Knäbel (59) war. Ein erstes Mal hatten sich die Wege der beiden 2002 in Winterthur kurz gekreuzt, als der Spieler Jurendic nach dem Aufstieg in die Super League mit Thun zum FCW gewechselt war.
Nach seiner Spielerkarriere arbeitete der ausgebildete Lehrer und spätere Jus- und BWL-Student zuerst in der Privatwirtschaft. Ab 2014 wurde Jurendic Trainer des SC Kriens, später trainierte er auch den FC Aarau, wo er aber nach weniger als einem Jahr entlassen wurde. Danach folgte der Wechsel in den FCZ-Nachwuchs, ehe er 2020 vom Präsidentenpaar Canepa zum Sportchef befördert wurde.
Beim FCZ baute Jurendic zusammen mit André Breitenreiter die Mannschaft auf, die 2022 den Meistertitel gewann. Danach folgte der persönliche Aufstieg zum Bundesligisten Augsburg, wo er im Mai 2025 trotz eines Transferüberschusses von 45 Millionen Euro gehen musste. In den letzten Monaten war Jurendic bei Vereinen aus den europäischen Top-Ligen im Gespräch, letztlich entschied er sich aber für die Stelle beim SFV. Jurendic gilt als akribischer Arbeiter, der sich gerne mit Strategiethemen und Prozessen beschäftigt.
«Die Position des CSO bietet die grosse Chance, die sportlichen Bereiche enger zusammenzuführen, zu verbinden und eine gemeinsame sportliche Ausrichtung über alle Stufen hinweg zu entwickeln», so Jurendic. «Unser Anspruch muss es sein, die besten Voraussetzungen für die Entwicklung unserer Talente und für den nachhaltigen Erfolg des Schweizer Fussballs zu schaffen. Das funktioniert, wie wir bei der WM gerade erleben durften, nur im Teamplay.»
Doppelbürger-Thematik und Tami-Nachfolge
Geboren ist Jurendic im ehemaligen Jugoslawien, wo er im heutigen Bosnien-Herzegowina bei seinen Grosseltern aufwuchs, ehe er mit neun Jahren seinen Eltern in die Zentralschweiz folgte. Er ist schweizerisch-kroatischer Doppelbürger und kennt daher die Problematik der in der Schweiz aufwachsenden Spieler mit ausländischen Wurzeln.
Laut des abtretenden Nati-Direktors Pierluigi Tami (64) haben rund 70 Prozent der aktuellen Nachwuchs-Internationalen im SFV die Option, für mehrere Länder zu spielen. Ein Thema, das im Spätsommer 2025 für Schlagzeilen sorgte, weil sich mit Leon Avdullahu, Albian Hajdari (beide Kosovo) und Eman Kospo (Bosnien) gleich mehrere in der Schweiz ausgebildete Spieler gegen den SFV entschieden hatten.
Vorerst gilt es für Jurendic aber erste Personalien zu klären. Am dringendsten ist die Nachfolge von Tami als Direktor der Nationalmannschaften. Der Tessiner geht in wenigen Wochen in Rente. Auch die Stellen des Leiters Ressort Nachwuchsentwicklung und des U20-Nati-Trainers müssen nach den Abgängen von Marc Hottiger und Gian-Luca Privitelli neu besetzt werden.
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