«Ziel ist das beste Resultat in der Geschichte der Nati»
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Tami optimistisch vor WM:«Ziel ist das beste Resultat in der Geschichte der Nati»

Das Ende der Ära Tami
Er kam, um nicht zu stören – und ist trotzdem ein Gewinner

Mit dem Aus bei der WM im Viertelfinal endet auch die Amtszeit von Nati-Direktor Pierluigi Tami, der nach sieben Jahren in Pension geht. Was lief gut, was weniger? Seine Bilanz ist trotz einiger Nebengeräusche positiv.
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Pierluigi Tami war sieben Jahre Direktor der Nationalteams im SFV.
Foto: TOTO MARTI

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Pierluigi Tami beendet am 15. Juli seine Tätigkeit beim SFV
  • Seine Ära war die erfolgreichste in der Geschichte des Schweizer Fussballs
  • Die Nati erreichte 2026 das WM-Viertelfinale und verpasste knapp den Halbfinal
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Christian FinkbeinerStv. Fussballchef

Als Murat Yakin (51) am Sonntag in Kansas City noch einmal seinen Frust über das Aus gegen Argentinien rausliess («Wir spielten gegen 70’000 Fans, den Titelverteidiger, den Schiedsrichter und den VAR») und SFV-Präsident Peter Knäbel Bilanz der erfolgreichsten WM der Verbandsgeschichte zog («Wir sind traurig, aber stolz»), sass ganz am Rande des Tisches auch Pierluigi Tami (64).

Der Tessiner, der wie immer in allen drei offiziellen Landessprachen antwortete, hatte sichtlich mit den Emotionen zu kämpfen. Seine Augen waren feucht. Schliesslich war das bittere WM-Aus in der Verlängerung gegen Argentinien auch das letzte Nati-Spiel von ihm in seiner Funktion als Direktor Nationalteams. In wenigen Wochen geht der ehemalige U21-Nati-, GC- und Lugano-Trainer in Rente. «Ich war überzeugt, dass wir ein Riesenresultat erreichen können. Ja, sogar den Final», so Tami. «Ich war so optimistisch.»

Er kam, um nicht zu stören

Am 1. Juli 2019 hatte Tami seinen Job als Nati-Direktor angetreten. Als Folge der Irrungen und Wirrungen rund um die WM 2018 in Russland, als die Doppeladler- und die Doppelbürgeraffäre eine tagelange Debatte auslöste. Doch wer sich erhofft hatte, dass eine bestens vernetzte, kommunikative, aber auch unbequeme und dominante Persönlichkeit aus dem Schweizer Fussball mit einem hohen Ansehen bei den Spielern vom Verband installiert werden würde, sah sich getäuscht. Schon bei seinem ersten öffentlichen Auftritt stellte sich Tami verbal ins Abseits, in dem er sagte: «Ich möchte nicht stören.»

Diese Aussage verfolgte ihn lange in seiner üppig bezahlten Funktion. Sein grosses Glück war, dass das A-Team sportlich immer lieferte. Bereits zwei Jahre später schaffte man es endlich, die Hürde Achtelfinal zu überwinden, als man an der EM 2021 in einem Jahrhundertspiel in Bukarest Weltmeister Frankreich in einer an Dramaturgie nicht zu überbietenden Partie schlug. 2024 wurde das Resultat in Deutschland bestätigt, als man erneut im EM-Viertelfinal erst im Penaltyschiessen scheiterte.

Dazwischen lag der Trainerwechsel, als Tami nach der EM 2021 auf die Schnelle einen Nachfolger für Vladimir Petkovic suchen musste – und ihn in Yakin fand. Die WM-Quali für Katar wurde mit etwas Glück im Direktvergleich mit Italien geschafft. In Doha erreichte die Nati einmal mehr den Achtelfinal, wo sie körperlich angeschlagen gegen Portugal aber mit 1:6 unterging. Ein Wendepunkt für den Nati-Direktor: «Da wussten wir, dass wir nicht weiterkommen werden, wenn wir so weitermachen würden», so Tami. Die Folge: Der Betreuerstab um das A-Team wurde professionalisiert und ausgebaut.

Schlechtes Krisenmanagement

Was in Katar aber mindestens so schwer wog wie das Portugal-Debakel, war die neuerliche mangelhafte Kommunikation rund um das Serbien-Spiel. Der SFV schaffte es wieder nicht, dass die Partie ohne politische Nebengeräusche über die Bühne ging, wobei Xhakas Jubel im Jashari-Shirt als Anlehnung an einen kosovarischen Kriegshelden öffentlich nicht mehr ganz so stark thematisiert wurde wie der Doppeladler-Jubel 2018.

Auch die einzige sportliche Krise im Herbst 2023, in dem das EM-Ticket nur mit Ach und Krach gelöst wurde, meisterte Tami alles andere als souverän. Sein Versuch, Yakin trotz geschaffter EM-Quali zu ersetzen, scheiterte am Votum des Zentralvorstands. Auch bei den Junioren-Teams sieht die Bilanz nicht ganz so rosig aus, auch wenn Tami immer wieder betonte, dass sich unter seiner Ägide U-Teams wieder vermehrt für Endrunden qualifiziert hätten, was unter anderem aber auch an der Aufstockung der Teilnehmerfelder lag.

Ebenfalls ein Tolggen im Reinheft ist der Verlust von Leon Avdullahu und Albian Hajdari, die sich vor einem Jahr gegen die Schweiz und für den Kosovo entschieden haben, wobei man den Verdacht nicht loswird, dass der SFV mit proaktiverem Handeln dies hätte verhindern können. Dass im Falle von Eman Kospo, der 2025 ebenfalls einen Nationenwechsel vollzog (Bosnien-Herzegowina), ein Captain einer Nachwuchs-Auswahl von Pierluigi Tami «noch nie etwas gehört» haben soll, wirft Fragen auf. Dies sind alles auch Gründe, warum neu die übergeordnete Stelle eines Chief Sports Officer geschaffen wird, die Marinko Jurendic (48, Ex-Sportchef FCZ und Augsburg) übernimmt. Jurendic wird zudem als eine erste Amtshandlung Tamis Nachfolger bestimmen.

Erfolgreichste Ära der SFV-Geschichte

Und trotzdem: Tamis Bilanz fällt dank der Erfolge des A-Teams positiv aus. Seine siebenjährige Ära war die erfolgreichste in der Geschichte des Schweizerischen Fussballverbandes. Wie viel der Nati-Direktor dazu beigetragen hat, ist schwierig abzuschätzen – aber er hat sie jedenfalls nicht verhindert. «Ich habe alles geschafft, was ich damals in meinem Kopf hatte. Meine Ideen und meine Visionen habe ich umgesetzt», sagt Tami. Stolz sei er auf die Art von Fussball, welche die Nati spiele. «Flexibel, dominant und aktiv sowie mental, technisch und taktisch stark.» 

Was Tami in Zukunft machen wird, liess er in den letzten Wochen immer offen. Sein Fokus galt voll und ganz seiner letzten Mission, bei der aufgrund einiger Nebengeräusche (u.a. Esta-Gate um Breel Embolo) auch nicht alles perfekt lief, der WM-Halbfinal aber dennoch nur um Haaresbreite verpasst wurde. Mit Tami verlässt kein lauter, aber ein stiller und unprätentiöser Schaffer den Verband. Oft wurde er belächelt, von einigen vielleicht auch unterschätzt. Für die Schlagzeilen jedenfalls sorgten andere. Auch am letzten Tag in Kansas City.

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