Die EM-Qualifikation endet für die U21-Nati im Albtraum. Auf die 1:5-Klatsche in Island folgt am Dienstagabend eine 1:7-Demontage in Frankreich. Damit haben sich die Hoffnungen auf ein EM-Ticket via Playoffs innert kürzester Zeit in Luft aufgelöst. Dabei hatte Trainer Alex Frei (47) noch vor wenigen Tagen gesagt, es wäre «fast schon doof, wenn man eine solch gute Ausgangslage verspielen würde».
Auch von einem «Charaktertest» hatte Frei gesprochen. Das knallharte Verdikt lautet nun: nicht bestanden. «Es ist klar, wir sind alle sehr enttäuscht. Die Quali haben wir in Island verloren und nicht gegen Frankreich», erklärt der U21-Coach auf Blick-Anfrage. Rückblickend schmerzt allerdings auch die Pleite gegen Luxemburg vor einem Jahr, als noch Sascha Stauch auf der Trainerbank sass.
Schlechter als Zeidler bei GC
Frei ist erst seit Februar im Amt. Nach einem gelungenen Start ist es ihm allerdings nicht gelungen, das gesetzte Ziel zu erreichen. «Die sieben Monate als U21-Nationaltrainer waren auch für mich ein grosses Learning. Wir werden gewisse Dinge für die nächste Kampagne nun adaptieren», sagt er.
Der bittere Abschluss dieser Qualifikation erhöht nun auch den Druck auf Frei. Zwölf Gegentore in zwei Spielen und die verpasste EM sind eine ernüchternde Bilanz. Im Klubfussball kann eine solche Serie schnell in einer Entlassung münden. Das zeigt das jüngste Beispiel bei GC: Peter Zeidler (64) musste zuletzt nach zwei Spielen und zehn Gegentoren gehen.
Tami sieht Qualität der Liga als Problem
Eine Entlassung von Frei ist beim SFV aber kein Thema. «Es gibt keine Trainerdiskussion», lässt Pierluigi Tami auf Blick-Anfrage ausrichten. «Wir werden – wie immer nach einer Kampagne – eine fundierte Analyse machen, um herauszufinden, warum wir uns nicht qualifiziert haben, damit wir es in Zukunft besser machen können.»
Bereits am Dienstagabend hatte der Tessiner der sportlichen Führung Rückendeckung gegeben. «Ein Versagen ist es nicht. Die U21 hat immer zwei Ziele: Zum einen die Qualifikation für die EM. Zum anderen möglichst viele Spieler in die A-Nationalmannschaft zu bringen», erklärte Tami gegenüber RSI. Während man das erste verpasst hat, könne man sich mit dem zweiten aber durchaus glücklich schätzen.
Trotzdem ist Tami durch das Scheitern der U21 nachdenklich gestimmt. «Ich habe immer gesagt, dass die U21 ein Spiegelbild unserer Liga ist, weil die meisten in der Super League spielen. Dass unsere Klubs international inzwischen nur noch in der Conference League vertreten sind und nicht mehr in der Champions League oder Europa League, sollte uns mit Blick auf die Qualität unserer Liga also zu denken geben.» Einfach werde sich dieses Problem nicht lösen lassen. «Es ist ein weiterer Punkt von vielen, die uns im Schweizer Fussball Sorgen bereiten sollten.»
«Alex ist ein Zulieferer»
Neben Tami äusserte sich am Dienstagabend auch A-Nati-Coach Murat Yakin (52) zur U21. «Es ist schade, dass sie die EM verpasst hat. Aber man muss es auch richtig einschätzen», betont der Nati-Trainer. Es sei nicht einfach, wenn wichtige Spieler plötzlich nicht mehr zur Verfügung stünden. Damit spricht er unter anderem Sascha Britschgi, Zachary Athekame und Winsley Boteli an, die in diesem Zusammenzug für die A-Nati statt für die U21 im Einsatz standen.
«Alex ist da ein Zulieferer, und das weiss er auch. Das haben wir miteinander besprochen», erklärt Yakin. Der Zeitpunkt sei nun einmal gekommen, um das Trio möglichst gut in die A-Nati einzubauen. «Das Timing kann man nicht immer bestimmen, und das hat jetzt natürlich für sie gepasst.»
Verpasste Chance
Weniger gut hat es für Frei und seine U21 gepasst. Wie 2025 wird die älteste Nachwuchs-Nati auch 2027 nicht an eine EM fahren. Wie wichtig ein solches Turnier für die Entwicklung der Spieler sein kann, zeigt die letzte Teilnahme. 2023 nutzten heutige Nati-Stars wie Dan Ndoye, Zeki Amdouni, Fabian Rieder und Aurèle Amenda die grosse Bühne als Sprungbrett.
Der aktuelle U21-Jahrgang muss sich nun umso mehr in seinen Klubs profilieren. Spieler wie Andrej Vasovic, Cheveyo Tsawa, Bruno Ogbus oder Roggerio Nyakossi haben das Potenzial dazu. Doch die grosse Bühne der U21-EM bleibt ihnen diesmal verwehrt. Eine verpasste Chance – und eine, aus der der Verband, die Spieler und ihr Trainer nun ihre Lehren ziehen müssen.