Die Nati hat turbulente Wochen hinter sich
Embolo-Panne, Feueralarm und die grosse WM-Befreiung

Die Nati ist dank des Siegs gegen Bosnien & Herzegowina praktisch sicher in der K.o.-Phase. Doch der Start in die WM verlief alles andere als geschmeidig und war durch viel Nebengeräusch geprägt. Nach dem Auftakt-Frust soll nun die WM-Lust folgen.
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Besonders im Fokus beim harzigen Start in die WM: Captain Granit Xhaka.
Foto: TOTO MARTI

Keine Stunde ist am Donnerstag nach dem Sieg der Nati gegen Bosnien & Herzegowina vergangen. In den Katakomben des WM-Stadions von Los Angeles ist die Erleichterung bei der SFV-Verbandsspitze spürbar. Präsident Peter Knäbel gratuliert Murat Yakin zum Sieg, auch Vize-Präsident Sandro Stroppa, ZV-Mitglied Marco Di Palma und Generalsekretär Robert Breiter sind bester Laune. Die Stimmung ist aufgeräumt. Die Nati ist nach dem Holperstart gegen Katar (1:1) im Turnier angekommen und hat die Quali für die K.o.-Phase praktisch geschafft – trotz vieler Nebengeräusche. Blick schaut auf turbulente zweieinhalb Wochen zurück:

Sonntag, 31. Mai: Alles ist in Butter

Im letzten WM-Test auf Schweizer Boden schlägt die Nati dank einer starken ersten Halbzeit Jordanien diskussionslos 4:1. Auch Breel Embolo trifft gegen den WM-Neuling. Es gibt keine Verletzte. Die Stimmung ist gut. Und Murat Yakin sagt, sie hätten aus der Vergangenheit gelernt: «Es gibt keine Nebengeräusche.»

Dienstag, 2. Juni: Embolo bleibt stehen

Die Nati-Spieler besammeln sich am Flughafen Kloten zum Abflug in die USA. Als Letzter trifft Breel Embolo ein. «Wenn er da ist, sind alle da», sagt jemand aus dem Nati-Umfeld und lacht. Zwei Stunden später ist die heile Nati-Welt gestört, Embolo wird der Abflug verweigert, sein vor einem Jahr beantragtes und bewilligtes Esta reicht den amerikanischen Behörden nicht mehr. Der Grund: seine Verurteilung vor Gericht, die im April rechtskräftig geworden ist.

Mittwoch, 3. Juni: Embolo muss auf die Botschaft

Zuerst ist von einer schnellen Lösung die Rede, doch dem ist nicht so. Der Nati-Stürmer muss in Bern auf der US-Botschaft antraben und ein Visum beantragen. Hinter den Kulissen wird intensiv telefoniert, die Fifa und die Schweizer Botschaft in Washington D.C. werden involviert. Derweil ist die Nati in San Diego angekommen. Gregor Kobel ist guter Laune. Zum Fall Embolo sagt er mit einem Schmunzeln: «Breel ist nicht das erste Mal zu spät.» Mehr als Kobels Worte interessieren jene von Adrian Arnold, dem Medienchef des SFV. Der Verband ist sich keiner Schuld bewusst: «Wir würden die entsprechende Frage beim Esta-Antrag auch heute noch mit Nein beantworten.»

Donnerstag, 4. Juni: Heisse Drähte

Der Fall Embolo zieht sich in die Länge. Bei Präsident Knäbel läuft das Telefon heiss, die Verbandsspitze setzt alle diplomatischen Hebel in Bewegung, damit Embolo so schnell wie möglich in die USA reisen kann. Am späten Abend sickert in der Schweiz durch, dass der Mittelstürmer grünes Licht erhalten hat und am Freitag nachfliegen kann – mit 72 Stunden Verspätung. Teammanager Damien Mollard und Nati-Direktor Pierluigi Tami holen den Stürmer am Flughafen in Los Angeles ab. Bei der Ankunft im Teamhotel gibt es zuerst eine Umarmung von Trainer Murat Yakin.

Samstag, 6. Juni: Verpatzte Hauptprobe

Die WM-Hauptprobe gegen Australien geht ohne Embolo, der nach der langen Reise geschont wird, mit einem 1:1 in die Hose. Nach einem guten Start geht bei der Nati vor allem nach der Pause nicht mehr viel. Captain Granit Xhaka ärgert sich und hebt den Mahnfinger: «Wenn wir so spielen, fahren wir nach drei Spielen nach Hause.»

Sonntag, 7. Juni: Nachtschwärmer und Doppeladler

Xhakas kernige Worte hallen nach. Zum schwachen Auftritt kommt hinzu, dass auch Nebenschauplätze zum Thema werden. In den sozialen Medien taucht ein Video auf, in dem einige Nati-Spieler in der Nacht auf Sonntag in einem Club in San Diego feiern. Und beim Besuch des Baseball-Spiels der San Diego Padres machen Xhaka und Ricardo Rodriguez den Doppeladler, als das Team in einer Werbepause auf dem grossen Bildschirm im Stadion eingeblendet wird.

Montag, 8. Juni: Feueralarm

Im Nati-Camp herrscht Aufruhr. Nicht wegen der Nebenschauplätze, sondern weil in der Nähe des Basiscamps ein Buschfeuer ausgebrochen ist. Der Nati-Staff wird aufgefordert, dass jeder ein Day-Pack bereithalten soll, falls der Nati-Tross für 48 Stunden evakuiert werden müsste. Die Chancen stehen 50:50 für eine Evakuierung des Teamhotels – die Fifa hat bereits eine Alternative bereit für einen Umzug. Doch dazu kommt es nicht. Die Feuerwehr, Helikopter und Löschflugzeuge erledigen den Job und der Wind dreht in die richtige Richtung: Glück gehabt.

Dienstag, 9. Juni: Der Präsident nimmt Stellung

Seit einer Woche ist die Nati in den USA, doch irgendwie ist der Wurm drin. Peter Knäbel nimmt im Blick-Interview Stellung. Zur Doppeladler-Geste sagt er: «Unsere Spieler bringen Biografien, Familiengeschichten und Emotionen mit – das gehört zu ihnen. Gleichzeitig ist klar: Wenn sie für die Schweiz spielen und auf dem Platz stehen, steht dieses Trikot im Zentrum.»

Mittwoch, 10. Juni: Schlangen-Alarm

Nach dem Feuer-Alarm folgt der Schlangen-Alarm. Zwei Mitglieder des SFV-Staffs entdecken in unmittelbarer Nähe des Golfplatzes der Hotelanlage, in der die Nati residiert, eine Schlange. Die Tiere sind in Kalifornien nichts Aussergewöhnliches. Schlangenfänger Bruce Ireland (61) sagt gegenüber Blick: «In dieser Umgebung hat es überall Schlangen – es kann sein, dass im Gebüsch neben uns zehn davon sind.»

Freitag, 12. Juni: Sprüche-Feuerwerk

Am Tag vor dem Katar-Spiel scherzen Murat Yakin und Captain Granit Xhaka um die Wette. Als der Nati-Coach von Blick auf die vielen Nebengeräusche angesprochen wird, antwortet er: «Ihr habt den Schlangen-Alarm vergessen und natürlich den Feuer-Alarm.» Die Journalisten bräuchten ja etwas zum Schreiben, sonst würde es langweilig werden. «Wir sind im Showbusiness und geben auch in dieser Hinsicht das Beste», so Yakin, während Xhaka neben ihm sitzt und breit grinst. 

Samstag, 13. Juni: K.o.-Schlag in der 94. Minute

Der WM-Fehlstart ist perfekt. Weil die Nati in Santa Clara gegen den Underdog zahlreiche Chancen nicht nutzt. Und weil sie – auch wegen fragwürdiger Wechsel von Yakin – in der Schlussphase die Kontrolle des Spiels aus der Hand gibt und in der 94. Minute den Ausgleich kassiert. Xhaka wählt vor dem Mikrofon erneut deutliche Worte. «Vielleicht sind wir nicht so weit, wie wir gemeint haben. Wir müssen mit beiden Beinen auf den Boden kommen.» Der Captain kritisiert auch die Einwechselspieler. Auch wenn er keine Namen nennt, dürfte seine Kritik vor allem auf Johan Manzambi abgezielt haben.

Sonntag, 14. Juni: Kater-Stimmung und Familienbesuch

Im Nati-Camp geht es zur Sache. Im Teamhotel wird der enttäuschende Katar-Auftakt besprochen, dabei spart Captain Granit Xhaka nicht mit Kritik, was in den kommenden Tagen noch Thema werden wird. Die Ersatzspieler müssen zum Training – und die Einheit hat es in sich. Am Abend kriegen die Spieler frei, einige Angehörige sind von San Francisco nach San Diego mitgereist.

Montag, 15. Juni: Angespannte Stimmung

Die Stimmung im Schweizer Lager ist im Keller. War zwei Wochen zuvor noch alles Friede, Freude, Eierkuchen, ist jetzt etwas Feuer im Dach. Sogar der sonst eher wortkarge Ruben Vargas sagt, dass die Mannschaft zu dem zurückfinden müsse, was sie neben einer effizienten Offensive und einer sattelfesten Abwehr während der WM-Quali ebenfalls ausgezeichnet habe: «Der Zusammenhalt. Wir müssen als Gruppe zusammenbleiben.»

Dienstag, 16. Juni: Der Captain im Fokus

Die angespannte Stimmung täuscht nicht. Im Fokus steht erneut Granit Xhaka. Mehrere Quellen berichten Blick von Spielern innerhalb der Nati, die aufgrund seiner Ansagen verunsichert sein sollen oder sich nicht wohlfühlen würden. Dabei gehen die Einschätzungen von zu viel Negativität, die die Stimmung im Team beeinträchtigte, bis zu einer «toxischen Richtung». Der Captain selbst ist noch nicht in WM-Form, wie auch Manuel Akanji und Breel Embolo nicht, Xhakas Stellvertreter als Captain.

Mittwoch, 17. Juni: Freuler spricht Klartext

Remo Freuler bestreitet gegen Bosnien & Herzegowina sein 90. Länderspiel und sagt, dass jedes sein letztes an einer WM sein könnte. «Deshalb will ich das so lange wie möglich hinauszögern.» Angesprochen auf die Unruhe im Team sagt er: «Man muss Dinge ansprechen können. Wenn man damit ein Problem hat, ist man im Fussball am falschen Ort.» In den Tagen zuvor gibt es mehrere Gespräche innerhalb des Teams. Murat Yakin ist gesundheitlich angeschlagen, die US-amerikanische Klimaanlage macht ihm zu schaffen.

Donnerstag, 18. Juni: Xhakas Reaktion und Jubelgeste

Die Nati reagiert mit einer klaren Leistungssteigerung auf den Knorz-Auftakt. Yakin findet seine Intuition wieder, wartet bis nach der Trinkpause, bis er die Joker Manzambi und Vargas bringt, die das Spiel entscheiden. Xhaka sorgt vom Penaltypunkt für die Schlusspointe und reagiert mit einer Jubelgeste auf die Berichterstattung um seine Person, indem er die rechte Hand auf und zu macht. Danach sagt er im Interview mit SRF, dass ihn der Blick-Artikel getroffen hätte: «Ich würde lügen, wenn es da rein und da raus geht. Es tut weh.» Doch das Wichtigste ist: Mit vier Punkten ist die Nati praktisch durch.

Freitag, 19. Juni: Kein freier Tag für Matchwinner

Die Stimmung ist nach dem 4:1 gegen Bosnien auf einem neuen Höhepunkt. Trotz zwei Toren gibt es für Matchwinner Johan Manzambi allerdings keinen freien Tag. Um 11 Uhr steht er mit den restlichen Ersatzspielern bereits wieder auf dem Platz in San Diego. Am Abend haben die Spieler frei, viele Familien sind in den Süden Kaliforniens mitgereist. Über die ganze Stadt verteilt gehen Spieler mit ihren Liebsten Abendessen. Mit dieser Energie im Rücken will man jetzt den Gruppensieg; die Jagd nach der erfolgreichsten WM der Geschichte ist nach einem komplizierten Start ins Turnier so richtig lanciert.

Noch näher dran an der Schweizer Nati

Füge jetzt die Fussball-Nati deinen Teams hinzu, um nichts mehr zu verpassen. 

WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Mexiko
Mexiko
2
3
6
2
Südkorea
Südkorea
2
0
3
3
Tschechien
Tschechien
2
-1
1
4
Südafrika
Südafrika
2
-2
1
K.o.-Phase
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kanada
Kanada
2
6
4
2
Schweiz
Schweiz
2
3
4
3
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
2
-3
1
4
Katar
Katar
2
-6
1
K.o.-Phase
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Brasilien
Brasilien
2
3
4
2
Marokko
Marokko
2
1
4
3
Schottland
Schottland
2
0
3
4
Haiti
Haiti
2
-4
0
K.o.-Phase
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
USA
USA
2
5
6
2
Australien
Australien
2
0
3
3
Paraguay
Paraguay
2
-2
3
4
Türkei
Türkei
2
-3
0
K.o.-Phase
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
2
7
6
2
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
2
0
3
3
Ecuador
Ecuador
0:0
2
-1
1
4
Curacao
Curacao
0:0
2
-6
1
K.o.-Phase
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Niederlande
Niederlande
2
4
4
2
Schweden
Schweden
2
0
3
3
Japan
Japan
1
0
1
4
Tunesien
Tunesien
1
-4
0
K.o.-Phase
Gruppe G
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Neuseeland
Neuseeland
1
0
1
2
Iran
Iran
1
0
1
3
Belgien
Belgien
1
0
1
4
Ägypten
Ägypten
1
0
1
K.o.-Phase
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Uruguay
Uruguay
1
0
1
2
Saudi Arabien
Saudi Arabien
1
0
1
3
Spanien
Spanien
1
0
1
4
Kap Verde
Kap Verde
1
0
1
K.o.-Phase
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Norwegen
Norwegen
1
3
3
2
Frankreich
Frankreich
1
2
3
3
Senegal
Senegal
1
-2
0
4
Irak
Irak
1
-3
0
K.o.-Phase
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Argentinien
Argentinien
1
3
3
2
Österreich
Österreich
1
2
3
3
Jordanien
Jordanien
1
-2
0
4
Algerien
Algerien
1
-3
0
K.o.-Phase
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kolumbien
Kolumbien
1
2
3
2
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
1
0
1
3
Portugal
Portugal
1
0
1
4
Usbekistan
Usbekistan
1
-2
0
K.o.-Phase
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
1
2
3
2
Ghana
Ghana
1
1
3
3
Panama
Panama
1
-1
0
4
Kroatien
Kroatien
1
-2
0
K.o.-Phase
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