Foto: zVg

Wo Napoleon einst scheiterte
Ex-YB-Spieler Blum findet in Waterloo sein Glück

Der Abgang von YB-Eigengewächs Lewin Blum aus Bern erfolgte nicht in perfekter Harmonie. Jetzt hat der Roggwiler sein neues Glück dort gefunden, wo es Napoleon einst verliess: In Waterloo bei Charleroi.
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Alain KunzReporter Fussball

Der lokale Fussballklub gehört nicht zur Beletage des belgischen Fussballs. Der Royal Racing Club aus Waterloo spielt in der 1. Provinzliga Wallonisch-Brabant. Bekannt ist aber das Städtchen mit seinen 30'000 Einwohnern. Weil dort Napoleon seine zweite und letzte grosse Niederlage gegen England/Preussen erlitt und danach verbannt wurde.

Sprungbrett Jupiler League

Das wurde auch Lewin Blum (24) irgendwie, als am Ende einer radikalen Kaderaussiebung das Eigengewächs seinen Herzensklub YB letzten Sommer verliess. Allerdings mit Destination Charleroi in eine stärkere Liga als unsere, die belgische Jupiler League. «Diese Meisterschaft ist geil! Du spielst jedes Weekend gegen Top-Gegner. Und es ist ein Riesen-Sprungbrett in die Top-fünf-Ligen.» Ardon Jashari, der letzten Sommer von Brügge zur AC Milan wechselte, kann da als Beispiel dienen. «Aber auch aus Charleroi schaffen es regelmässig Spieler», schwärmt Lewin Blum.

Stillgelegte Hochöfen und Schutthalden

Und was hat das alles mit Waterloo zu tun? «Ich lebe im Städtchen Waterloo, eine halbe Stunde entfernt von Charleroi.» Die grösste Stadt Walloniens, also des französischsprachigen Teils von Belgien, ist eine deindustrialisierte Industriestadt, die dominiert wird von stillgelegten Hochöfen und Schutthalden. «Düster, und ja, nicht ganz so sauber wie in der Schweiz», wie Blum festgestellt hat. Sie wurde 2008 von der holländischen Zeitung «De Volkskrant» zur hässlichsten Stadt der Welt erkoren. Was zu einem seltsamen Touristen- und Filmkulissen-Boom führte. Und die Fussballstars kriegen täglich ihr Gratis-Sightseeing durch Charleroi. Weil ihr Trainingsgelände gerade saniert wird, müssen sie sich im Stadion umziehen und fahren im Car einmal quer durch die 200’000-Einwohner-City.

Ultras begleiten den Teamcar von Charleroi

In dieser Umgebung also spielt der Royal Charleroi Sporting Club, der aktuell 10. von Belgien. Die Kulisse im Stade du Pays de Charleroi ist bescheiden. Im Schnitt kommen gut 7000 Fans. «Es ist schon nicht dieselbe Stimmung wie in Bern», erzählt Blum. «Auch weil die Fankultur irgendwie anders ist hier. Die Kurven sind in der Schweiz definitiv besser.» Dabei sind die Belgier deutlich fussballverrückter als die Schweizer. Blum nennt ein Beispiel: «Vor unserem Cup-Rückspiel bei Union Saint-Gilloise begleiteten die Fans den Teambus zu Fuss auf dem Kilometer bis zur Autobahn. Mit Pyros, Fahnen und Gesängen. Das war eindrücklich.» Allein: Genützt hat es nichts. Union gewann 4:1.

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Lewin Blum (r.): volle Pulle in Belgiens Jupiler League, hier gegen Genks Patrik Hrosovsky.
Foto: imago/Belga

Ohnehin ist die Saison von Charleroi schwierig. Zu Beginn schnell eine Serie von drei Siegen. Dann vier Niederlagen. Später gar fünf Siege de Suite. Und nun vier Niederlagen. Bei den drei letzten war Blum Ersatz. «Mit dem algerischen Nationalspieler Kevin van den Kerkhof habe ich einen starken direkten Konkurrenten. Mal hat er die Nase vorn, mal ich. Vielleicht steigen nun meine Chancen wieder.»

Blum gibt Nati-Traum nicht auf

Beim bitteren 1:2 am letzten Sonntag in Westerlo kommt Blum in der 79. Minute rein. In der Nachspielzeit gelingt dem Gastgeber das 2:1. Und das Tor für Charleroi schiesst ausgerechnet Konkurrent Van den Kerkhhof. Und so muss sich Blum gedulden, bis er die 1000. Einsatzminute in der Jupiler League feiern kann. Er steht bei 924.

Und so sagt Blum: «Ein bisschen mehr Minuten würde ich mir wünschen.» Das hat einen Hintergrund. Als Blum bei Charleroi vorgestellt wurde, sagte er, er sei auch hier, um sich seinen Traum zu verwirklichen: in der Nati zu spielen. «Das ist und bleibt mein Kindheitstraum», sagt er jetzt. Einmal war er bisher auf Pikett, das war im März 2024, nachdem er im November zuvor in der Champions League das 2:0 für YB gegen Roter Stern Belgrad gemacht hatte. Gesprochen habe damals aber niemand vom Verband mit ihm. «Mein Name stand einfach auf der Liste. Mehr nicht.» Und so datiert sein letzter Kontakt zum SFV aus der U21-Nati-Zeit. «Um eine Chance zu haben, muss ich unbestrittener Stammspieler sein und mehr Minuten sammeln als die fünfzig Prozent, die ich aktuell habe. Vorher muss ich gar nicht darüber nachdenken.»

Blum: «Ein Sommer in Waterloo wäre sicher cool ...»

Ein bisschen mehr denkt er hingegen darüber nach, wo es Ende Saison hingehen soll. Zieht Charleroi die Kaufoption? «Ich würde gerne den Sommer hier erleben», sagt der gebürtige Roggwiler. Waterloo sei klein, sauber, ruhig, pittoresk. «Ich wohne mit Freundin Natalia in einem netten Einfamilienhaus aus Stein. So wie jene in England. Nahe des Napoleon-Löwenhügels. Megacool! Und die meisten Spieler leben hier, weshalb wir viel zusammen unternehmen. Im Sommer wäre das sicher cool.» Sowohl im mondänen Brüssel wie auch in der Hafenstadt Antwerpen ist man in weniger als einer halben Stunde.

Blum erklärt seinen YB-Abgang

Ob Charleroi Blum behalten will, weiss er noch nicht. «Ich rede viel mit den Verantwortlichen. Sie sagen mir, sie seien sehr zufrieden. Ich wäre jedenfalls nicht unglücklich, würden sie die Option ziehen. Mir gefällt es hier.» Was bedeuten würde: Blum kehrt Ende Saison nicht zurück zu YB. Zumal sein Abgang im Sommer schräg war. Zachary Athekame hatte dem Local Boy den Rang als Nummer eins abgelaufen. Blum, der zuvor immer gespielt hatte, fand sich auf der Ersatzbank wieder – und begann, sich umzuschauen.

«Auch weil ich den Schritt ins Ausland immer auf dem Plan gehabt habe.» Dann wurde Athekame zur AC Milan verkauft. Doch statt nun doch auf Blum zu setzen, holte YB Ryan Andrews. Überdies war Saidy Janko von einer Verletzungssaison zurück. «Die Analyse war klar: Auf der Tribüne wollte ich keineswegs landen. So wurde es Zeit für einen Neustart.» Und einen Abgang in Groll, weil Blum doch irgendwie zu diesem gezwungen wurde? Weil die Wertschätzung gefehlt hat? «Nein, nein. Ich bin YB extrem dankbar. Das ist mein Herzensklub und wird es immer bleiben. Und, ganz ehrlich, ich hatte ja auch stagniert.»

In den letzten Wochen war Blums Beziehung zu YB leidvoll. Aber nicht seinetwegen, sondern wegen dem, was er am TV zur Kenntnis nehmen und was er von seinen Berner Kumpels mit anhören musste. Nach der Schlappe in Sion geht das Leiden weiter. Auch jenes aus dem fernen Waterloo.

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