Er blüht unter Trainer Weiler auf
Silvan Hefti – vom Aussortierten zum Leader in den USA

Beim HSV aussortiert, in den USA wieder mittendrin: Silvan Hefti hat in Washington einen Neustart gewagt – und unter Trainer René Weiler zurück zu Spielzeit und Selbstvertrauen gefunden. Mit Blick spricht er über seinen Neuanfang.
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Silvan Hefti kommt in Amerika bei D.C. United wieder regelmässig zum Einsatz.
Foto: IMAGO/Imagn Images
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Carlo Emanuele FrezzaReporter Fussball

Bis vor kurzem musste Silvan Hefti (28) untendurch. Beim HSV spielte er zuletzt keine Rolle mehr – nun fühlt er sich auf der anderen Seite der Welt wieder gebraucht. «Es fühlt sich gut an», sagt er im Gespräch mit Blick. Seit Ende Januar steht der Rechtsverteidiger bei D.C. United in Washington unter Vertrag und kommt regelmässig zum Einsatz. Geholt hat ihn ein alter Bekannter aus der Schweiz: René Weiler (52).

«Die letzten Monate in Hamburg waren sportlich eine Enttäuschung. Es gab keine echte Chance auf einen Turnaround. Ich hatte mir das Ende anders vorgestellt», gesteht Hefti. Letztlich habe er den Entscheid der Verantwortlichen aber akzeptiert. Privat habe er sich mit Frau und Kind in der Hansestadt zwar immer sehr wohlgefühlt. Doch die fehlende Spielzeit – und die ersten Gespräche mit Weiler – führten schliesslich zu einem mutigen Schritt. Die Familie entschied sich für einen Neuanfang.

Neue Rolle in neuem Land

«René hat mir vom ersten Telefonat an ein sehr gutes Gefühl gegeben», erzählt Hefti. Der Coach habe ihm einen klaren Plan aufgezeigt: Nach schwierigen Jahren soll D.C. United zurück in die Playoffs geführt werden. «Und ich soll als Leader vorangehen und eine Winner-Mentalität ins Team bringen. Das gefällt mir.»

Nach Stationen in Italien, Frankreich und Deutschland ist Hefti nun in der MLS gelandet – einer Liga, die in Europa nicht das höchste Ansehen geniesst und in der es keine Absteiger gibt. «Für mich ist das kein Karriere-Ausflug», betont er. Zwar liege die Liga technisch und taktisch unter den Top-5-Ligen, auch das Gefälle innerhalb der Teams sei grösser. «Aber es gibt Mannschaften, die auf europäischem Niveau mithalten könnten.»

Hefti geniesst den Kontrast zu Europa

Als Beispiel nennt er Inter Miami: «Das fühlt sich an wie ein Bundesliga-Gegner. Es wäre spannend, zu sehen, wie sie sich in Europa schlagen würden.» Auch im physischen Bereich müsse sich die MLS keineswegs verstecken, sagt Hefti.

Ganz anders ist dagegen das Drumherum. «Die Vermarktung ist komplett anders – hier ist alles stärker auf Events und Stars ausgerichtet.» Besonders eindrücklich war für ihn das Heimspiel gegen Inter Miami und Lionel Messi: «Normalerweise spielen wir vor maximal 20’000 Fans im Audi Field. Für dieses Spiel sind wir ins NFL-Stadion ausgewichen – am Ende waren 72’000 Zuschauer da.»

Die Fankultur sei entsprechend weniger heissblütig als in Europa. Nach intensiven Erfahrungen in Genua, Montpellier und Hamburg geniesst Hefti den Kontrast: «Es ist spannend, dieses amerikanische Lebensgefühl kennenzulernen. Bislang habe ich gute Eindrücke gesammelt.»

«WM-Hype ist noch nicht da»

Von der WM im kommenden Sommer ist in Washington derweil wenig zu spüren. «Der grosse Hype ist noch nicht da. Aber mir wurde gesagt: Wenn es losgeht, dann richtig.» Ob er selbst ein Spiel besuchen wird, ist offen: «In Washington wird nicht gespielt, und während die Liga in dieser Zeit pausiert, muss ich noch meinen Umzug abschliessen.» Klar ist nur: «Ich hoffe, dass die Nati so weit wie möglich kommt» – auch wenn er das als potenzieller Nati-Spieler nicht mehr ganz mit der Fanbrille verfolgt.

Bis zum WM-Start geniesst Hefti seinen Neustart in den USA: «Es macht Spass, wieder regelmässig zu spielen – und mit René, der sehr fordernd ist, auf einem guten Niveau zu arbeiten.»

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