Dass die Fifa gerne gross denkt, ist kein Geheimnis. Immer geht noch ein bisschen mehr. Das gilt auch für den jüngsten Wettbewerb des Weltverbands: die U15-WM. Ein gigantischer Anlass. In dieser Woche kämpfen in Aserbaidschans Hauptstadt Baku 189 Nationen um den Titel. Das ergibt 950 Spiele in 6 Tagen.
Gespielt wird auf einem Kleinfeld im Format 8 gegen 8, mit zwei Halbzeiten à 20 Minuten. Zudem scheidet nach der Vorrunde kein Team aus. Stattdessen werden die Mannschaften anhand ihrer Ergebnisse in sechs verschiedene Leistungsstufen eingeteilt.
Festival und Turnier gleichzeitig
«Es ist nicht einfach ein weiterer Jugendwettbewerb», versichert Hannu Tihinen (50) im Gespräch mit Blick. Der frühere FCZ-Captain ist in seiner Funktion als Spitzensport-Experte vor Ort – und kommt aus dem Schwärmen kaum heraus. «Es ist fantastisch. Dieses Turnier zeigt, was die Fifa meint, wenn sie sagt: Wir vereinen die Welt. Viele dieser Jugendlichen sind zum ersten Mal im Ausland. Es ist unglaublich schön zu sehen, wie sie im Athletendorf gemeinsam ihre Zeit verbringen, tanzen und singen.»
Es sei ein richtiges Festival. Eines, bei dem trotz des riesigen Teilnehmerfelds allerdings einige Nationen fehlen – darunter die Schweiz und Deutschland. Über die Gründe wird spekuliert: Hängt der Verzicht damit zusammen, dass einige Länder Fifa-Präsident Gianni Infantino nicht mehr unterstützen? Auf die entsprechende Frage verweist die Fifa auf die jeweiligen Verbände. Der SFV begründete seinen Verzicht mit «sportlichen und technischen Gründen».
Fifa will alle Talente fördern
Kritiker halten ein solches Weltturnier auf dieser Altersstufe für verfrüht. Tihinen räumt ein, dass die Qualitätsunterschiede der Nationen aktuell gross sind. Die Fifa wolle jedoch mit einem gezielten Talentförderprogramm sicherstellen, dass auch Talente aus kleineren Nationen nach dem Turnier die nötige Unterstützung erhalten.
Dafür unterstützt der Weltverband beim langfristigen Aufbau konkurrenzfähiger Nachwuchsstrukturen. Dazu gehören individuelle Beratung, Entwicklungspläne und gezielte Fördermassnahmen. So sollen junge Talente unabhängig von der Grösse ihrer Nation bessere Entwicklungsmöglichkeiten erhalten.
Erinnerung an Tihinens Hackentor
Tihinen selbst hätte gerne an einem solchen Turnier teilgenommen. Mit seinem eigenen Karriereweg sei er dennoch überglücklich – einem Weg, der ihn auch in die Schweiz führte. Zwischen 2006 und 2010 spielte er für den FCZ. Unvergessen bleibt sein Hackentor gegen Milan im San Siro. «Es ist eines der schönsten Tore in der Geschichte der Champions League», findet Tihinen.
Mit Stolz erzählt er, dass solche Hackentricks in Finnland inzwischen als «Hacke von Tihinen» bezeichnet werden. Die Verbindung zum FCZ ist bis heute nicht abgerissen. «Ich verfolge stets die Resultate. Und vor wenigen Tagen war ich auch im Heerenschürli.» Durch sein Engagement bei der Fifa ist Tihinen inzwischen wieder öfter in Zürich. Vorerst gilt seine Aufmerksamkeit aber der U15-WM, die am Freitag ihren allerersten Weltmeister kürt.