EM-Out, Knieprobleme, Rückkehr
FCZ-Heimkehrerin Bühler spricht offen über ihr Seuchenjahr

Luana Bühler hat ein schwieriges letztes Jahr hinter sich. Die Luzernerin spricht mit Blick über ihre Verletzungen, ihre Hochs und Tiefs und die Rückkehr in die Schweiz. Mit dem FCZ will sie noch einmal angreifen und sich dort auch wieder für die Nati empfehlen.
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Foto: Sven Thomann
Rückkehrerin Luana Bühler über ihr schwieriges letztes Jahr

Darum gehts

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Christian FinkbeinerStv. Fussballchef

Luana Bühler (30) ist zurück. Nach fünf Jahren in der deutschen Bundesliga bei Hoffenheim und drei Jahren bei Tottenham Hotspur in der englischen Women's Super League hat die Verteidigerin ihre Zelte im Ausland abgebrochen und kehrte in diesem Sommer in die Schweiz zum FC Zürich zurück. Nach einem Jahr zum Vergessen wegen gesundheitlicher Probleme will die 61-fache Internationale in der AWSL sportlich wieder Fuss fassen und ihre Ausland-Erfahrungen der jüngeren Generation weitergeben.

Das gefällt ihr besser als Tore schiessen
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FCZ-Rückkehrerin Luana Bühler:Das gefällt ihr besser als Tore schiessen

Persönlich haben Bühler die Jahre in Heidelberg und London geprägt. «Ich habe sicherlich eine grössere Offenheit und Akzeptanz gegenüber Menschen und anderen Lebensstilen entwickelt.» Andere Länder und Kulturen kennenlernen zu dürfen, mache einem dankbarer und achtsamer. «Man sieht, wie privilegiert man als Fussballerin ist. Und man lernt die Schweiz noch mehr schätzen – die Natur, die Zuverlässigkeit, die Sicherheit, Freunde und Familie.»

Zuletzt stand Bühler drei Jahre bei Tottenham unter Vertrag.
Foto: PA Images via Getty Images

Auch fussballerisch durfte sie andere Kulturen kennenlernen. «In Deutschland ist das Ganze mannschaftsorientierter und taktischer geprägt, in England wird mehr individuell gearbeitet.» Bühler hat aber auch die Schattenseiten des Business kennengelernt. An der Heim-EM 2025 wurde sie drei Tage vor dem Eröffnungsspiel in Basel gegen Norwegen von Pia Sundhage aus dem Kader gestrichen, weil sie aufgrund von Knieproblemen nicht 100 Prozent fit war. Bei Tottenham kam sie aufgrund der chronischen Entzündung des Knies nicht mehr zum Einsatz, worauf sich der Klub entschied, den in diesem Sommer auslaufenden Vertrag nicht mehr zu verlängern.

Die Heim-EM konnte Bühler nur als Zuschauerin verfolgen.
Foto: TOTO MARTI

Trotzdem schaut Bühler positiv auf ihr England-Abenteuer zurück. «Alles, was ich mir durch meinen Wechsel zu Tottenham erhofft habe, hat sich erfüllt. Und einmal in London zu leben, war eine coole Lebenserfahrung.» Auch an den EM-Sommer 2025 hat sie schöne Erinnerungen, auch wenn der Traum von der Teilnahme im letzten Moment platzte. «Der ganze Event war so viel grösser als meine persönliche Situation», so die Luzernerin. «Als ich jung war, hätte ich es mir nicht erträumen lassen, dass wir einmal zu Hause in einem vollen Stadion spielen können und die Leute ein Nati-Shirt tragen.» Auch wenn sie selbst nicht auf dem Platz stand, sog sie die Emotionen und die Begeisterung, welche das Team im Land auslöste, in sich auf.

Drei Jahre hat Bühler in London gelebt.
Foto: TOTO MARTI

«Der Druck, die Leute mitzureissen und kleine Mädchen und Jungen zu begeistern, war fast grösser als gute Resultate zu erzielen», sagt Bühler. Dies gelang der Nati mit ihren beherzten und teils dramatischen Auftritten. «Viel besser hätten wir es uns nicht ausmalen können», so Bühler. Was sie am meisten beeindruckte, war, wie sich das Team innerhalb der Vorbereitung gewandelt hatte. «So etwas habe ich noch nie erlebt. Diesen Entwicklungsschritt innerhalb von drei bis vier Wochen mitzuerleben, hat sehr viel Spass gemacht.» Letztlich musste sie kurz vor dem Turnier aber trotzdem über die Klinge springen.

Für die Nati spielte Bühler 61 Mal.
Foto: TOTO MARTI

Als Mensch gereift

Bühler kehrte nach dem EM-Sommer nach London zurück. Doch ganz zur Ruhe kam das Knie nie, eine langwierige Entzündung war die Folge, an ein Comeback war nicht zu denken. Trotzdem will sie die Zeit nicht missen. «Eine Verletzung bringt immer Herausforderungen mit sich – körperlich, aber vor allem auch mental», sagt Bühler. Gleichzeitig habe sie rückblickend die Zeit als wichtige Phase ihrer persönlichen Entwicklung erlebt. «Wenn Fussball normalerweise einen so grossen Teil des Lebens bestimmt und plötzlich wegfällt, beginnt man sich automatisch mit anderen Fragen auseinanderzusetzen: Wer bin ich neben dem Fussball? Was gibt mir sonst noch Halt und Energie?»

Eine langwierige Knieentzündung setzte Bühler die letzte Saison ausser Gefecht.
Foto: Sven Thomann

Für Bühler lag darin auch eine Chance. Sie begann bewusster, sich ein breiteres und stabileres Grundgerüst ausserhalb des Sports aufzubauen – mit ihrem persönlichen Umfeld, beruflichen Perspektiven und Interessen abseits des Fussballs. «Ich glaube, genau diese Dinge machen einen langfristig nicht nur als Mensch stabiler, sondern helfen einem auch als Sportlerin. Wenn nicht das gesamte Wohlbefinden von der eigenen Leistung oder davon abhängt, ob man gerade spielen kann, gibt einem das eine ganz andere Stabilität.»

Durch die schwierige Situation bei Tottenham reifte der Entscheid, in diesem Sommer in die Schweiz zurückzukehren. Sie, die mit fünf Geschwistern in Altishofen LU aufgewachsen ist, kehrt in die Nähe ihrer Familie zurück. Im Herbst zieht sie in ihr Eigenheim, womit sie sich einen kleinen Lebenstraum erfüllt. Auch wenn es mit mehreren Vereinen Gespräche gab, entschied sich Bühler letztlich für den FCZ. «Das Projekt tönt sehr spannend. Und ich will dem Klub etwas zurückgeben. Denn ohne den FCZ wäre ich niemals Profi geworden.»

Mit dem FCZ will Bühler an frühere Erfolge anknüpfen.
Foto: Sven Thomann

2017 war Bühler nach Zürich gekommen, um ihr BWL-Studium voranzutreiben, ehe sie ein Jahr später bereits in die Bundesliga wechselte. Ein Anruf aus Hoffenheim veränderte ihr Leben. Die damalige Nati-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg und zukünftige FCZ-Trainerin hatte die Verteidigerin vermittelt. Aus der «Lust auf ein Abenteuer» wurden fünf Jahre Hoffenheim, wo sie Freundschaften fürs Leben knüpfte. Danach folgte der Umzug nach London. Das Highlight: der Cupfinal mit Tottenham gegen Manchester United 2024 im Wembley.

Nun ist Bühler zurück in der Schweiz, wie ihre langjährigen Nati-Kolleginnen Ramona Bachmann, Sandrine Gaillard oder Meriame Terchoun. «Nun hat man endlich das Gefühl, dass auch hier etwas passiert, auch wenn natürlich alles noch eine Spur schneller gehen könnte», sagt Bühler. Seit ihrem letzten Spiel in der AWSL hat sich viel getan. Gerade beim FCZ ist die Infrastruktur dank des Umzugs ins «Home of FCZ» kein Vergleich mehr wie vor acht Jahren. «Damals war unser Kraftraum im Keller bei abgeschrägtem Dach, unser Trainer Dorjee Tsawa war auch gleichzeitig noch der Athletiktrainer und eine Physiotherapeutin war nicht immer verfügbar.»

Brasilien 2027 als grosses Ziel

Bühler ist nicht zurückgekehrt, um ihre Karriere ausklingen zu lassen. «Es ist ein interessantes Projekt beim FCZ mit vielen sehr jungen, aber talentierten Spielerinnen, die noch Unterstützung brauchen», so Bühler, die einen Zweijahresvertrag unterschrieben hat. Ihre Ambitionen sind klar: «Wir wollen an die Erfolge von früher anknüpfen. Ich will mit dem FCZ noch einmal eine Trophäe gewinnen.»

Bereits in der Saison 2017/18 spielte Bühler in Zürich.
Foto: Sven Thomann

Auch das Thema Nati hat die 61-fache Internationale noch nicht ad acta gelegt, zumal der SFV nicht gerade ein Übermass an Verteidigerinnen mit internationalem Format hat. Mit dem neuen Nati-Trainer Rafel Navarro (40) steht Bühler in losem Kontakt. Dank Losglück sind die Chancen intakt, dass sich die Nati für die WM 2027 in Brasilien qualifiziert. «Ein weiteres WM-Spiel würde ich schon nehmen», sagt Bühler mit einem Augenzwinkern. 2023 in Neuseeland spielte sie im Startspiel gegen die Philippinen durch, ehe sie von einer Verletzung gestoppt wurde.

Noch muss sich Bühler aber gedulden. Denn noch immer befindet sie sich im Reha-Prozess, aufgrund dessen sie mehr als ein Jahr lang keine Partie mehr bestreiten konnte. Ihr bislang letztes Spiel machte sie im Juni 2025 bei der EM-Hauptprobe gegen Tschechien in Winterthur. Auch wenn sich Bühler danach sehnt, auf den Platz zurückzukehren, weiss sie, dass sie nichts überstürzen darf. Immerhin: Im Trainingslager kurz vor dem Saisonstart kehrte sie erstmals seit langem wieder in ein Teamgefüge zurück, was auch für ihr Wohlbefinden sehr wichtig war. Läuft alles nach Plan, dürfte Bühler in ein paar Wochen ins Mannschaftstraining einsteigen. Das Comeback auf dem Platz ist im Spätherbst geplant, forciert wird aber auch vonseiten des Klubs nichts.

Bühler beim Fotoshooting mit Blick im Dezember 2024.
Foto: TOTO MARTI

Auch neben dem Fussball hat Bühler viele Pläne. Im Herbst gedenkt die studierte Betriebswirtschafterin in einem kleinen Pensum als Finanzbuchhalterin einzusteigen, zudem möchte sie im nächsten Semester ihr Masterstudium mit der Masterarbeit abschliessen. Auch die Ausbildung als Trainerin treibt sie voran, momentan ist sie am A-Diplom, weswegen sie gelegentlich auch nach England zurückkehren muss. Bühler kann sich gut vorstellen, später beruflich dem Fussball erhalten zu bleiben. In welcher Funktion ist offen. Der Fokus liegt momentan aber noch immer klar auf der eigenen Fussballkarriere. «Zuerst muss ich einmal wieder richtig Fuss fassen in der Schweiz.»

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Axa Women’s Super League 26/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Grasshopper Zürich
Grasshopper Zürich
2
10
6
2
FC Zürich
FC Zürich
2
4
6
3
FC Basel
FC Basel
2
3
6
4
Servette FC Chenois
Servette FC Chenois
1
3
3
5
FC St. Gallen 1879
FC St. Gallen 1879
2
-2
3
6
FC Rapperswil-Jona
FC Rapperswil-Jona
2
-3
3
7
FC Luzern
FC Luzern
2
-2
0
8
BSC Young Boys
BSC Young Boys
1
-2
0
9
Yverdon Sport FC
Yverdon Sport FC
2
-4
0
10
FC Aarau
FC Aarau
2
-7
0
Playoffs
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