Eigentlich ist Ramona Bachmann (35) seit dem Winter zurück in der Schweiz. Im Januar gelang den YB‑Frauen der Transfer‑Coup, und sie holten die wohl bekannteste und womöglich beste Schweizer Fussballerin aller Zeiten aus den USA zurück in die Heimat.
Doch so richtig zurückgekehrt ist sie bisher nicht. Nach ihrer schweren Knieverletzung, die sie sich kurz vor der Heim-EM im vergangenen Sommer zuzog, gab die Stürmerin erst in dieser Woche bei einem Testspiel gegen Como (2:1) ihr emotionales Comeback. Nun steht die Saison vor der Tür und damit auch das lang ersehnte Pflichtspiel-Debüt der Ausnahmekönnerin aus Malters LU.
Blick trifft Ramona Bachmann wenige Tage vor dem Saisonstart im Bauch des Stadion Wankdorf in Bern. Sie kommt gerade vom Mannschaftstraining und begrüsst den Blick-Reporter gut gelaunt.
Blick: Wie geht es Ihnen?
Ramona Bachmann: Mir geht es sehr gut, danke. Besser als noch vor der Verletzung.
Kommende Woche startet YB in die neue Saison. Sie haben seit mehr als einem Jahr kein Pflichtspiel mehr bestritten. Wie fit sind Sie?
Ich bin so fit, wie man nach einem Kreuzbandriss sein kann (lacht). Ich habe viel investiert und viel gearbeitet. Mit 35 Jahren braucht es bei einem Kreuzbandriss nochmals deutlich mehr, um zurückzukommen, als wenn du 22 bist. Ich freue mich unglaublich darauf, mein Comeback auf dem Platz schon bald auch in einem Pflichtspiel zu geben.
Was heisst das konkret? Wann sehen wir Sie wieder auf dem Feld?
Ich glaube, ich bin schon für die Champions-League-Quali vom kommenden Mittwoch bereit. Aber natürlich limitierte Minuten. Ich bin noch nicht in Topzustand, weil mir Spielminuten noch fehlen. Zum Meisterschaftsstart bin ich aber sicher bereit für ein paar Minuten, die ich dann hoffentlich nach und nach steigern kann.
Es wird gleichzeitig auch ihr Debüt für die YB-Frauen sein. Und ihr erstes Spiel für einen Schweizer Klub seit 19 Jahren. 2007 verabschiedete sich Bachmann als 16-jähriges Mädchen ins Ausland – und ging auf Welttournee. Nach Stationen in Schweden, Deutschland, England, den USA und Frankreich ist die Pionierin des Schweizer Frauenfussballs nun zurück in der Schweiz.
Sie haben viel gesehen im Fussball, haben in grossen Stadien und grossen Spielen gespielt. Was wollen Sie in der Schweizer Liga noch erreichen?
Es ist sicher eine Umstellung. Aber meine Motivation ist gross. Zum einen war es meine erste grosse Verletzung, von der ich mich zurückkämpfen musste. Und zum anderen bin ich zurück in der Schweiz. Hier hat alles begonnen. Ich möchte meinem Heimatland etwas zurückgeben. Es ist eine neue Liga für mich. Ich habe hier noch keine Titel gewonnen, das motiviert mich. Das Ziel ist klar: Wir wollen Titel gewinnen.
Was kann man von Ramona Bachmann nach der Verletzung erwarten? Welche Erwartungen haben Sie an sich selbst?
Ich glaube, das ist für mich die grösste Challenge. Ich bin die, die am meisten von mir erwartet. Mir ist aber bewusst, dass ich eine schwierige Zeit hinter mir habe und ich nicht mehr direkt das erwarten kann, was ich vor zwei Jahren erwartet habe. In erster Linie liegt mein Fokus auf meiner Gesundheit und dem Spass am Fussball. Dann performe ich automatisch gut. Ich werde aber sicherlich einige Spiele brauchen.
Nicht nur körperlich hat die 35-Jährige eine schwere Zeit hinter sich. Auch mental ging es der Fussballerin nicht gut. Letztes Jahr öffnete sie sich und sprach öffentlich über ihre psychischen Probleme und Panikattacken. Ende 2024 holte sie sich in einer Klinik professionelle Hilfe.
Sie haben offen über Ihre mentalen Probleme geredet. Wie geht es Ihnen diesbezüglich?
Mir geht es sehr gut. Ich bin seither extrem weit gekommen. Diese Auszeit nach der Verletzung konnte ich auch dafür nutzen. Ich konnte herunterfahren, es wurde nicht mehr ständig von mir verlangt, zu leisten. Seit 18 Jahren wurde mein Körper fast jeden Tag ans Limit gepusht. Irgendwann war es zu viel. Ich habe die Symptome drei Jahre lang ignoriert. Jetzt konnte ich mir diese Auszeit geben.
Sie sprachen damals von Panikattacken und weiteren Symptomen. Haben Sie das überstanden oder einfach gelernt, damit umzugehen?
Es ist etwas von beidem. Man lernt schon, damit umzugehen. Ich habe jetzt seit fast einem Jahr keine Symptome mehr, keine Panikattacken. Aktuell bin ich an einem sehr guten Punkt. Auch die Medikamente konnte ich nach langer Zeit endlich absetzen. Durch die Medikamente habe ich zwischenzeitlich zugenommen. Darum bin ich umso glücklicher, dass ich sie absetzen konnte und jetzt mental und physisch an einem so guten Punkt bin.
Im Fussball ist eine solche Offenheit über mentale Probleme eher selten. Haben Sie dafür positives Feedback erhalten?
Ich habe ganz viel Feedback bekommen. Das hat unglaublich viel in mir ausgelöst. Noch mehr, als wenn mir jemand sagt, dass ich fussballerisch sein Vorbild sei. Mir war klar, dass ich an die Öffentlichkeit wollte. Denn als es mir schlecht ging, hätte mir genau das geholfen. Ich habe viel recherchiert, und es war schwierig, jemanden zu finden, der das Gleiche durchgemacht hat. Also wollte ich Betroffenen helfen, denn mit dieser Offenheit kann man Leben retten.
Ramona Bachmann wurde am 25. Dezember 1990 in Malters LU geboren. Nach ihrer Zeit im Ausbildungszentrum Huttwil brach sie mit 16 die Lehre bei der Post ab, setzte voll auf die Karte Fussball und wechselte als Profi in die schwedische Liga zu Umea, wo sie 2008 an der Seite der Brasilianerin Marta den Champions-League-Final erreichte. Später spielte sie u. a. auch für Rosengard, Wolfsburg, Chelsea und PSG, wird in Schweden, Deutschland und England Meister. Nach einem Abstecher in den USA kehrte sie im Januar 2026 in die Schweiz zurück und wechselte zu YB. Für die Nati bestritt Bachmann 153 Länderspiele (60 Tore) und nahm mit der Schweiz an zwei WM- (2015, 2023) und zwei EM-Endrunden (2017, 2022) teil. Kurz vor der Heim-EM zog sie sich einen Kreuzbandriss im linken Knie zu, womit sie das Turnier verpasste. Bachmann ist seit 2023 mit der Französin Charlotte Baret verheiratet, die im Mai 2025 den gemeinsamen Sohn Luan Maël geboren hat.
Ramona Bachmann wurde am 25. Dezember 1990 in Malters LU geboren. Nach ihrer Zeit im Ausbildungszentrum Huttwil brach sie mit 16 die Lehre bei der Post ab, setzte voll auf die Karte Fussball und wechselte als Profi in die schwedische Liga zu Umea, wo sie 2008 an der Seite der Brasilianerin Marta den Champions-League-Final erreichte. Später spielte sie u. a. auch für Rosengard, Wolfsburg, Chelsea und PSG, wird in Schweden, Deutschland und England Meister. Nach einem Abstecher in den USA kehrte sie im Januar 2026 in die Schweiz zurück und wechselte zu YB. Für die Nati bestritt Bachmann 153 Länderspiele (60 Tore) und nahm mit der Schweiz an zwei WM- (2015, 2023) und zwei EM-Endrunden (2017, 2022) teil. Kurz vor der Heim-EM zog sie sich einen Kreuzbandriss im linken Knie zu, womit sie das Turnier verpasste. Bachmann ist seit 2023 mit der Französin Charlotte Baret verheiratet, die im Mai 2025 den gemeinsamen Sohn Luan Maël geboren hat.
Gab es auch direkten Kontakt zu anderen Betroffenen?
Ja, extrem viel sogar. Über Social Media, aber auch im echten Leben. Ein Athlet kam beispielsweise auf mich zu und fragte mich, ob ich mit ihm einen Kaffee trinken komme, weil es ihm psychisch unglaublich schlecht ging. Das sind Dinge, die mir unheimlich viel bedeuten. Wenn du einer Person helfen kannst, indem du einfach von deinen Erfahrungen erzählst, hat das nochmals eine ganz andere Bedeutung.
Ramona Bachmann und ihre französische Ehefrau Charlotte Baret sind 2025 Eltern geworden. Sohn Luan Maël erblickte im Mai das Licht der Welt. Die kleine Familie wohnt seit Bachmanns Rückkehr in die Schweiz in Bern.
Sie sind seit etwas mehr als einem Jahr Mutter. Wie läuft es zu Hause?
Es läuft sehr gut. Es ist natürlich eine sehr strenge Zeit. Aber durch meinen Kreuzbandriss hatte ich genügend Zeit, um für meinen Sohn und meine Frau da zu sein. Er wächst und ist sehr zufrieden. Mir hat es sehr viel gegeben in dieser Zeit der Verletzung. Ich konnte nach Hause kommen, abschalten und nicht daran denken, dass ich verletzt bin. Ich konnte mit meinem Sohn spielen, und diese Momente haben mir unglaublich viel gegeben.
Was hat sich grundsätzlich verändert, seit Sie Mutter sind?
Man realisiert einfach, dass es Grösseres gibt als den Fussball. Ich hätte diese Verletzung nicht so gut annehmen können, wenn mein Sohn noch nicht auf der Welt gewesen wäre. Ich kann mich noch an den Moment erinnern, als es passiert ist. Ich war sehr traurig und habe meine Frau angerufen. Dann hat sie mir aber meinen Sohn gezeigt, und er lächelte in die Kamera. Dann merkt man, dass es eben Wichtigeres gibt als Fussball.
Wie lebt es sich in der Schweiz?
Für meine Frau ist es etwas eine Challenge, aufgrund der Sprache. Aber sie gibt sich extrem viel Mühe. Sie lernt Deutsch und hat einen Job. Der Anfang ist schwer, aber es ist ein Prozess. Sie fühlt sich mittlerweile sehr wohl. Das macht es auch für mich einfacher.
153 Länderspiele hat Ramona Bachmann bereits auf dem Buckel. Damit ist sie hinter Ana Maria Crnogorcevic (35, 182 Länderspiele) die Spielerin mit den zweitmeisten Nati-Spielen aller Zeiten. Seit ihrem Kreuzbandriss kurz vor der Heim-EM im vergangenen Sommer gehörte sie nicht mehr zum Nati-Kader.
Kommendes Jahr ist die WM in Brasilien. Wie fest ist die Nati noch ein Thema für Sie?
Die Nati habe ich immer im Hinterkopf. Ich will meine Nati-Karriere natürlich nicht mit einem Kreuzbandriss beenden. Aktuell liegt mein Fokus aber klar auf der Gesundheit. Ich möchte wieder meinen früheren Fitnesszustand erreichen. Das schaffe ich nur mit Spielen, und es wird einige Monate dauern. Bis dahin setze ich mich nicht unter Druck. Aber Brasilien wäre sicherlich kein schlechter Abschluss (lacht).
Nati-Spielerin Geraldine Reuteler wechselt zu Arsenal
Stehen Sie mit Trainer Rafel Navarro im Austausch?
Ja, wir haben sehr gute Gespräche geführt. Ich habe ihm die Situation ehrlich erklärt, und wir sehen das ziemlich gleich. Er sagte mir auch, dass es fussballerisch für ihn keine Frage sei. Ich habe ihm gesagt, dass ich mich melden werde, sobald ich bereit bin, für die Nati zu spielen. Ich finde ihn einen tollen Trainer. Er hat sich auch sofort bei mir gemeldet, als er Coach wurde. Das sagt sehr viel über ihn als Trainer und Mensch aus. Auch der Fussball, den er spielt, spricht mich sehr an.
Welche Rolle nehmen Sie im Team der YB-Frauen ein?
Ich will auch ein Vorbild sein. Wir haben viele junge Spielerinnen, die am Anfang stehen und von einer Karriere im Ausland träumen. Ich kann ihnen da sicher viel weitergeben und helfen.
Als Sie im Winter nach Bern gekommen sind, sprach der Verein auch davon, dass man Ihnen die Chance gibt, nach der Karriere hier in einer anderen Rolle zu bleiben. Hat sich da bereits etwas Konkretes ergeben?
Zu einem Teil ja. Ich konnte vor allem beim Coaching reinschauen. Das kannte ich bereits, und ich weiss, dass es mir Spass macht. Zu einem späteren Zeitpunkt kann ich noch in andere Bereiche schauen, wie Scouting oder Talentförderung. Da geht es darum, herauszufinden, was mich am meisten anspricht.
Ist Ramona Bachmann als Trainerin nach der Karriere also eine Option?
Es ist sicherlich etwas, was ich im Hinterkopf habe. Doch es wäre für mich halt wieder der Lifestyle, den ich jetzt schon 18 Jahre gehabt habe. Du hast nie ein Wochenende frei. In der Zeit der Verletzung habe ich es extrem genossen, mal ein Wochenende frei zu haben. Es war das erste Mal in meinem Leben. Schlussendlich habe ich aber dennoch extrem viel Wissen und Erfahrung, die ich als Coach weitergeben könnte. Aber ich möchte schauen, ob es noch weitere Optionen gibt, die mich ansprechen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | BSC Young Boys | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Aarau | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Basel | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Luzern | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Rapperswil-Jona | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC St. Gallen 1879 | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Zürich | 0 | 0 | 0 | |
1 | Grasshopper Zürich | 0 | 0 | 0 | |
1 | Servette FC Chenois | 0 | 0 | 0 | |
1 | Yverdon Sport FC | 0 | 0 | 0 |