Darum gehts
Es hat nicht sollen sein. Der SC Freiburg und Johan Manzambi (20) verlassen den Europa-League-Final als Verlierer. Statt Freudentränen fliessen Tränen der Enttäuschung – auch bei Bruder Holly Manzambi (29), der gemeinsam mit den beiden Schwestern, der Mutter, einigen Cousins und dem Berater für diesen besonderen Abend nach Istanbul gereist ist.
«Natürlich ist die Enttäuschung gross. Ein Europacup-Final zu verlieren, tut weh. Aber ich bin stolz auf ihn, weil er alles auf dem Platz gelassen hat», sagt der ältere Bruder des Nati-Juwels zu Blick.
Lange werde Johan nicht an der Niederlage zu knabbern haben, glaubt er. Und tatsächlich bestätigt das der Genfer wenig später in der Mixed Zone gleich selbst: «Heute Nacht und morgen. Dann geht das Leben weiter.»
Die Anekdote vom Heimdebüt in Freiburg
Genau diese Mentalität zeichne ihn seit je her aus, erklärt Holly Manzambi. Johan habe früh verstanden, dass wahre Champions nach Rückschlägen sofort wieder aufstehen und noch härter arbeiten müssen, um sich weiterzuentwickeln. Ausserdem habe er sich nie auf Erfolgen ausgeruht.
Dazu erzählt sein Bruder eine besondere Anekdote: «An dem Tag, an dem er erstmals im Europapark-Stadion ausgerechnet gegen Bayern München gespielt hat, sassen wir gemeinsam im Auto. Ich fragte ihn: ‹Wie fühlst du dich? Das ist doch unglaublich – du hast gegen Bayern gespielt.›»
Johans Antwort überraschte ihn: «Normal.» Holly hakte nach: «Wie kannst du sagen, dass das normal ist? Das ist doch eines deiner Ziele, einer deiner Träume.» Doch Johan entgegnete: «Nein, das ist nicht mein Ziel.» Also fragte Holly nochmals nach. «Und dann sagte er: ‹Ich will in der Champions League spielen.›» Danach sei er nach Hause und habe sich das Spiel nochmals angeschaut, um seinen Einsatz zu analysieren.
Der Drang nach Verbesserung
Für Holly ist das nur eines von vielen Beispielen, die den besonderen Ehrgeiz seines Bruders zeigen. «Er will immer mehr und sich ständig verbessern. Das war schon immer so.» Dazu passe auch, dass Johan nie nur ein einziges Idol gehabt habe. Stattdessen habe er versucht, sich von den unterschiedlichsten Spielern etwas abzuschauen. Das habe auch dazu geführt, dass Johan selbst in kleinsten Details ständig nach Optimierung sucht. «Vor ein paar Monaten kam er plötzlich auf mich und seinen Berater zu und fragte, ob er sich einen Privatkoch engagieren soll.»
Abseits des Platzes sei er trotz des ganzen Hypes aber derselbe geblieben. «Er ist noch immer der Johan von früher. Für sich selbst ist er ein ganz normaler Mensch und nichts Besonderes», sagt sein Bruder. Einer, der extrem wissbegierig sei, schon früh wusste, dass er Fussballer werden will – und der auch ein bisschen abergläubisch ist. «In der Kabine zieht er immer zuerst den rechten Socken an», erzählt Holly lachend. Solche festen Abläufe würden ihm helfen, fokussiert zu bleiben.
«Es war wirklich so»
Mit dem ganzen Rummel um seine Person gehe er deshalb erstaunlich ruhig um – egal ob vor einem riesigen Spiel wie dem Europa-League-Final oder bei den zahlreichen Transfergerüchten rund um seine Zukunft. «Dass heute überall von ihm gesprochen wird, hat er sich auf dem Platz verdient», sagt sein Bruder. Von seinem Weg werde ihn das nicht abbringen. «Er wollte dem Klub im Final unbedingt etwas zurückgeben für die unglaubliche Unterstützung der letzten Jahre. Er wollte Freiburg ein grosses Geschenk machen. Leider hat es nicht ganz gereicht.»
Auch diese Niederlage werde ihn nicht aus der Bahn werfen – genauso wenig wie frühere Rückschläge in seiner Karriere. «Wir als Familie wussten immer, dass er es schaffen wird. Das klingt vielleicht absurd, aber es war wirklich so.» Entsprechend gross sei heute der Stolz innerhalb der Familie.
Manzambi träumt vom WM-Titel
Eine besondere Szene erlebten die Manzambis erst kürzlich zu Hause. «Meine Schwester kaufte Panini-Sticker – und plötzlich hielt sie Johans Bild in den Händen. Mein Neffe sammelt die Sticker ebenfalls. Als wir sein Bild gesehen haben, war das schon speziell. Da merkt man plötzlich, wie weit der Weg eigentlich war und lässt alles nochmals Revue passieren.»
Das nächste grosse Ziel ist für Johan Manzambi nun die WM mit der Schweiz. «Wir haben eine sehr gute Mannschaft und wollen möglichst weit kommen», sagt er. «Und natürlich wäre es wunderschön, wenn wir den Pokal holen könnten.» Ein Triumph mit der Nati würde die Enttäuschung von Istanbul nicht nur vergessen machen – sondern alles nochmals in eine ganz andere Dimension rücken.
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