Darum gehts
- SC Freiburg entwickelt sich zu einem der reichsten Vereine Europas
- Eigenkapitalquote bei 80 Prozent
- Kein Klubnetzwerk auch aus Image-Gründen
Die Aussage war nur halb im Witz gemeint. Vielleicht sollte der Schweizerische Fussballverband künftig seine Ausbildungsgelder lieber an den SC Freiburg schicken, meinte ein Schweizer Funktionär hinter vorgehaltener Hand. Und nicht an die Klubs der Super League. Schliesslich machen sich die Deutschen mit der Ausbildung von Mittelfeldmann Johan Manzambi (20) und Innenverteidiger Bruno Ogbus (20) gerade mehr um den Schweizer Nachwuchs verdient als mancher einheimische Profiverein.
In Freiburg würden sie das Geld sicher nehmen. Wirklich nötig haben es die Breisgauer allerdings nicht.
Der nur scheinbar kleine, aber immer noch bescheiden auftretende SC Freiburg hat sich nämlich klammheimlich zu einem der reichsten Vereine Europas entwickelt. Der Finaleinzug in die Europa League wird diese Entwicklung zumindest nicht bremsen.
Europas Elite macht Verluste – Freiburg Gewinne
Natürlich tauchen die Freiburger nie auf, wenn der «Football Benchmark»-Report die 32 wertvollsten Vereine Europas auflistet. Der SCF hat nicht einen theoretischen Markenwert von mehreren Milliarden Franken. Dafür hebt er sich in etwas anderem von den dort aufgeführten Klubs ab. Diese machen im Schnitt pro Jahr 480 Millionen Franken Verlust. Die Freiburger dagegen weisen seit Jahren Gewinne aus.
150 Millionen Franken hat der SCF derzeit auf der Seite. Das macht bei null Franken Bankschulden eine Eigenkapitalquote von 80 Prozent. Damit liegen die Freiburger in einer Studie der Hochschule St. Gallen weltweit auf Rang 11 von 226 Vereinen. Und das ohne Grossinvestor.
Die TV-Gelder in der Bundesliga helfen. Knapp 57 Millionen Franken hat der SCF in der eben abgelaufenen Saison erhalten. Dazu kommen die gestiegenen Einnahmen seit der Eröffnung des neuen Stadions im Oktober 2021.
Die Kassen sind so gut gefüllt, dass sich die Süddeutschen sogar Gedanken über ein Abenteuer gemacht haben. Gemäss Blick-Informationen dachte man in Freiburg zumindest mal darüber nach, einen Schweizer Profiverein zu übernehmen. Als Farmteam, um junge Spieler zu entwickeln.
Gegen den Kauf sprach dann allerdings nicht zuletzt das eigene Image. Der SC Freiburg als Kopf eines internationalen Klubnetzwerks? Das würde dann doch nicht passen zum Image des kleinen, knuffigen Vereins, den alle irgendwie mögen. Und dessen Hauptsponsor bei jedem Heimspiel die Fahrräder ums Stadion zählen lässt – um danach pro Velo 1 Euro an einen guten Zweck zu spenden.
