«Das ist wie ein grosses U-Boot»
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Blick-Reporter vor Ort:«Das ist wie ein grosses U-Boot»

Blick besucht Schweizer WM-Tempel
Dieses Stadion ist ein Objekt des Wahnsinns

Der Star ist das Stadion! Okay, beim 4:1 gegen Paraguay waren das auch die US-Boys. Doch wie ist das Stadionerlebnis in diesem Sofi in Los Angeles, dem teuersten Stadion der Welt, in welchem wir am kommenden Donnerstag gegen Bosnien spielen?
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Im zweiten WM-Spiel wartet mit dem SoFi Stadium in Los Angeles die teuerste Arena der Welt auf die Nati.
Foto: VCG via Getty Images

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Alain KunzReporter Fussball

Es ist eine bombastische Party in den Farben des Star-Spangled Banners. Das Bier (20 Dollar für 7 Deziliter!) fliesst in Strömen. Wenn das US-Team ein Tor schiesst, meint man, das Stadion werde in seinen Grundfesten erschüttert.

Meint man aber bloss, denn das gewaltige Ding, in welchem die Amis gegen die bedauernswerten Paraguayer eine grosse Show abziehen, wird sich mit Sicherheit keinen Millimeter bewegen. Es ist ein Objekt des Wahnsinns, dieses Sofi-Stadium, benannt nach dem Finanzdienstleister Social Finance. Für die Dauer der WM heisst es ganz banal Los Angeles Stadium. Als es im September 2020 eröffnet wurde, hatte es 5,5 Milliarden Dollar verschlungen. Somit ist es das teuerste Stadion der Welt!

Vor dem Spiel: Es läuft die Eröffnungsfeier von Gastgeberland USA. Die dritte nach denjenigen in Mexiko und Kanada. Katy Perry begeistert mit dem zehnjährigen norwegischen Wunderkind Tius Luka, ebenso wie US-Rapper Future mit Sängerin Tyla. Die meisten Plätze sind noch leer. Die Menschen reihen sich in serpentinenartig vor den Foodständen angebrachten Absperrungen ein. Es sieht genauso aus wie bei der Immigration an den US-Flughäfen.

80 Millionen Pixel sorgen für Farbe

Und egal, wo man gerade ist – die Szenerie wird immer von der Videowand dominiert. Wobei Wand ein komplett unangebrachtes Wort ist. Vielmehr handelt es sich um einen Infinity Screen, um es auf Neudeutsch auszudrücken. Das Videomonstrum erinnert an ein U-Boot, das am Stadiondach aufgehängt ist. Es ist oval, zeigt 80 Millionen Pixel an und verfügt über 260 Lautsprecher. Um all die Bildschirmoptionen zu nutzen, die das Ding bietet, muss man entweder George Lucas heissen (war auch im Stadion) oder eine Spezialausbildung «Infinity Screens» gemacht haben.

«Awesome», findet Casper aus Riverside im Uncle-Sam-Kostüm das Stadion, in welchem die beiden NFL-Teams Los Angeles Rams und Los Angeles Chargers beheimatet sind. 2028 findet die Olympia-Eröffnungsfeier hier statt, wie auch die Schwimmwettbewerbe. Auch das wieder ein Gigantismus sondergleichen. Es werden über dem Feld temporäre Schwimmbecken errichtet. Die Zuschauerkapazität wird bei rund 40'000 liegen, auch das natürlich bisher unerreicht.

WC-Anlagen beeindrucken

Zeit für den musikalischen Star-Spangled Banner. Die US-Hymne. Es ist nicht so laut, wie man erwarten dürfte, wenn rund 65'000 – die Kapazität liegt bei 70'000 – aus vollen Kehlen mitsingen. «Over the land of the free and the home of the brave.»

Als das Spiel beginnt, nimmt der Lärmpegel dramatisch ab. Wie wenn sich die Amerikaner auf eine Sportart konzentrieren, die sie eigentlich nicht so richtig verstehen. Schliesslich muss das teuer erstandene Futter verschlungen werden, damit es von den Freien und Tapferen dem Verdauungstrakt zugeführt werden kann. Und ja: Die 70'000 mussten vor den Toiletten nirgends anstehen.

Natürlicher Wind als PR-Gag

Gewisse Dinge, welche die Betreiber versprechen, sind allerdings eher PR-Gags. So die Küstenbrise, welche für Abkühlung sorgen soll. Tut sie. Aber bei jedem oben offenen Stadion pfeift der Wind durchs Gebälk. Und wie die Fans näher ans Spielfeld gebracht werden sollen, erschliesst sich einem auch nicht ganz. Wie das geht, da sind die Engländer nach wie vor die Referenz. Näher als hautnah geht nicht.

Faszinierend sind hingegen die Dach-Paneelen. Viele von ihnen können geöffnet werden, um für die nötige Belüftung des Rasens zu sorgen. Das ist für die NFL weniger relevant, weil da auf Kunstrasen gespielt wird. Bei der WM mit ihren Hybridrasen aber spielt es eine Rolle. Und die Paneele verteilen das einfallende Licht gleichmässig. Es gibt also auch mittags um 12 Uhr keine Licht- und Schattenseite. Aber wenn man in einem überdachten Stadion von einer Outdoor Experience spricht wie die Betreiber, dann fehlen einem schon etwas die Worte. Denn das ist es definitiv nicht.

Journalisten-Plätze hermetisch abgedichtet

Und was ist mit den Journalisten? Die sitzen weit oben und müssen sich keine Gedanken darüber machen, nahe bei den Cornerfahnen zu sein. Zumindest eine sehen sie aus ihren Press boxes nicht. Diese sind hermetisch abgedichtet. Kein bisschen Atmosphäre dringt da durch. Und wenn man am falschen Ort in dieser Box sitzt, so in der Nähe der Klimaanlage, friert man, wie so oft in den USA. Wie kommt einem das vor? Nun wie ein Imax-Kino, nur muss man selbst für den Sound zum Erlebnis sorgen. Oder wie eine gute Stube mit überdimensionalem TV mit dem Ton auf null.

Was verbürgt ist: Das Sofi ist gigantisch! Von der Fläche her das grösste der Welt mit rund 280'000 Quadratmetern. Wenn man das Stadion in den oberen Wandelhallen einmal umrundet und dabei ein paar Fotos macht, dauert das gut und gerne eine halbe Stunde. Ohne Kritik der Fans kommt solch ein Monumentalding erwartungsgemäss nicht davon. Viele bemängeln die fehlende Atmosphäre. Aber das war nicht am USA-Match. Und noch mehr sagen: «Sch*** auf das Schicki-Micki- und Gimmicks-Zeugs. Gebt uns lieber bezahlbare Tickets!» Für das Nati-Spiel gegen Bosnien findet man noch Tickets ab rund 200 Franken. Ist das noch erschwinglich? So oder so wird das Stadion kaum voll sein. Und das Erlebnis wird kaum so grossartig sein wie bei USA gegen Paraguay. Sofi hin, L.A. Stadium her.

In diesen Stadien spielt die Nati an der WM
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