Die Fahrer sind sich einig: «Wer am Wochenende vor Mittag aufwacht, bekommt Probleme!» Ocon (30): «Um 13.45 Uhr klingelte der Wecker!» Früher gestand Nico Rosberg (41, Weltmeister 2016): «Ich verbrachte viele Nächte mit den Kollegen in den Discos. Vor fünf Uhr sollte man hier nicht ins Bett gehen. Sonst fällt man aus dem Rhythmus.»
Frühstück um 14 Uhr
Die lokalen Startzeiten bei Jahrestemperaturen um 30 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit klären auf: Sprint-Qualifikation ist am Freitag um 20.30 Uhr. Der Sprint beginnt am Samstag um 17 Uhr, die GP-Qualifikation startet dann um 21 Uhr. Am Sonntag geht es hier um 20 Uhr auf die 62 Runden. Die meisten Teams servieren das Frühstück um 14 Uhr. Vor 22.30 Uhr gibt es kein Abendessen.
Da geniesst man am Sonntag in der Schweiz den Nachtspuk gemütlich um 14 Uhr bei Kaffee und Kuchen. Die erwartete Spannung mit den 19 Kurven würde gratis serviert. Einen klaren Favoriten hat man noch nicht ausgemacht.
Mercedes hat ein Problem
Sicher ist nur, dass der Vorjahressieger Russell (28) wegen des fünften Motorwechsels von ganz hinten starten muss. Mit einem Mercedes, der vor fünf Tagen in Malaysia mit den vielen Upgrades noch nicht überzeugen konnte.
Die Frage bleibt: Bekommt der «neue» Mercedes hier nochmals eine Chance, oder wird das Auto wieder zurückgebaut? Zum Glück für die erfolgsverwöhnten Silberpfeil-Chefs können beide WM-Titel kaum noch verspielt werden.
Bottas mit dem Velo – Audi mit Lackierung
Den ersten Lorbeerkranz verdiente sich Valtteri Bottas (36), der nach Malaysia mit dem Velo über 400 Kilometer nach Singapur zurückspulte. Auch ein Hitzetraining.
Bei Audi versucht man es im Fahrerlager mit Gratis-Eis für alle. Und auch auf der Strecke will das Team aus Hinwil auffallen. Man liess für das Auto und die Rennoveralls ein blaues Extra-Design anfertigen, das unter dem Flutlicht besonders spektakulär zum Vorschein kommt. Wichtig wäre allerdings, dass Bortoleto (21) und Hülkenberg (39) endlich wieder einmal ohne Zwischenfälle und Fehler über die Runden kommen.
Briatore wurde gesperrt
Zur Erinnerung an den ersten GP hier am Äquator 2008. Massa (45, Ferrari) stand zum 14. Mal auf der Pole-Position. Das chaotische Rennen erlebte den ersten Höhepunkt nach wenigen Minuten: Piquet Junior (41) löste (auf Renault-Teambefehl von Briatore , jetzt Alpine) eine Gelbphase aus, um so Teamleader Alonso (45) den Sieg zu ermöglichen.
Später nannte man den absichtlichen Unfall von Piquet (ein Dreher hätte genügt) das «Crashgate». Piquet kam nie mehr auf die Beine, Briatore (76) wurde fünf Jahre gesperrt und Alonso schwört noch heute: «Ich habe nichts gewusst!»
Massa ist selber schuld
Felipe Massa, der die WM in Brasilien später um einen Punkt gegen Hamilton (41, McLaren-Mercedes) verlor, kämpfte monatelang vor Gericht, um die Streichung des GP von Singapur 2008. So hätte er den Titel geholt.
Einfacher wäre es allerdings gewesen, wenn Massa 2008 aus seiner Pole-Position nicht einen 13. Rang gemacht hätte. Er war bei seinem Boxenstopp zu schnell davongerast und hatte den ganzen Benzinschlauch abgerissen und mitgeschleppt. Dieser selbst verschuldete Zwischenfall kostete Massa die nötigen zwei Punkte.