GP Brasilien mit vielen Fragezeichen
Das Ferrari-Pulverfass – und die Angst vor dem Horror-Crash

Die hohen Temperaturen sind für die Formel 1 nicht das Problem, es ist das unsichere Wetter hier auf 800 Meter Höhe in Interlagos. Zudem ist viel Chaos hinter den Kulissen angesagt.
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Frédéric Vasseur hat den Laden bei Ferrari zunehmend nicht mehr im Griff.
Foto: Lukas Gorys
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Roger BenoitFormel-1-Experte

Willkommen zum 20. WM-Lauf. Wo die 77. Saison zu Ende geht, ist offiziell immer noch nicht bekannt. Katar/Abu Dhabi oder doch Imola am 6. Dezember. Die FIA muss sich trotz der instabilen Lage im Nahen Osten endlich entscheiden.

Unterschrieb Leclerc als Nummer 1?

Bei Ferrari wäre eine Rakete gestartet, wenn es stimmt, dass Charles Leclerc (28) tatsächlich eine «Vorteilsklausel» im Vertrag hat. Dann hätte Lewis Hamilton (41) als Nummer 2 unterschrieben. Was er natürlich nie getan hätte.

Auch für Fred Vasseur, der in Mexiko wieder mal jegliche Souveränität an den Boxen vermissen liess, wird die Luft dünner. Er hat den Laden kaum mehr im Griff. Noch nie fiel seine rote Vorschau auf ein Rennen so mager aus: «Mexiko hat gezeigt, dass wir in die richtige Richtung unterwegs sind, was die Leistung betrifft. Wir müssen in Brasilien unsere Möglichkeiten maximal nutzen!» Aha, damit Hamilton nachher nicht mehr sagen kann: «Mein Teamkollege fährt nur für sich!»

Camara debütiert in der Heimat

Bei Haas hat man den «Fall Ocon» wie erwartet gelöst: Der Franzose ist weg. So kommt der Brasilianer Rafael Camara (21), Leader der Formel 2, daheim zu seinem Formel-1-Debüt vor dem offiziellen Einstieg 2027.

Und Ryo Hirakawa, der in Mexiko als Zehnter gleich im ersten Rennen punktete? Der fährt am Wochenende in Monza, um mit dem Schweizer Buemi und Hartley im Toyota Langstrecken-Weltmeister zu werden.

Was sind schon 83 WM-Punkte?

Wirbel dagegen beim WM-Fünften Racing Bulls. Das B-Team der Bullen will den WM-Neunten Liam Lawson (24) trotz 83 WM-Punkten (!) loswerden. Der Neuseeländer soll in früheren Jahren seine Leistung nicht gebracht haben.

Jetzt will man offenbar wieder neues Blut: Nikola Tsolov (19), Zweiter der Formel 2, soll als bulgarischer Nationalheld auch den Red-Bull-Markt in Osteuropa wieder richtig ankurbeln. Merke: 83 WM-Punkte sind nicht immer ein Garantieschein.

Horrorbilder des Jahres

Die 4,309 km lange Interlagos-Piste, wo bereits sechsmal die WM entschieden wurde, bietet den Platz für schwere Unfälle. Davon kann der Einheimische Gabriel Bortoleto (22) in seiner Rookie-Saison 2025 auf Sauber ein Lied singen.

Er verlor vor einem Jahr hier in der ersten Kurve der letzten Runde des Sprintrennens das Hinwiler Auto. Bortoleto hatte Glück, dass er aus den Tausenden von Wrackteilen unverletzt aussteigen konnte.

Doch damit war sein Horror noch nicht zu Ende. Beim GP knallte der Brasilianer gleich nach dem Start mit Stroll zusammen und landete in der Mauer. Jetzt hofft der Audi-Pilot Bortoleto vor der gesamten Familie, dass auch die Schutzengel im Notfall wieder aktiv sind.

Nicos Crash mit Hamilton

Sein Teamkollege Nico Hülkenberg (39) war vor einem Jahr mit dem neunten Platz glücklicher. Doch der Deutsche macht trotz seiner grossen Erfahrung von 268 Rennen immer noch zu viele kleine Fehler.

So schoss er in Mexiko nach dem Neustart Bearman im Haas aus dem Rennen, kassierte eine Zehn-Sekunden-Strafe, die er an den Boxen absass. Das Ende der Punkteträume. 2012 hatte Hülkenberg (Force India-Mercedes) hier in Interlagos den Führenden Hamilton (McLaren-Mercedes) aus dem Rennen genommen und wurde nach einer Durchfahrtsstrafe noch Fünfter. Lewis: «Nico weiss immer, wo er seinen ersten GP-Sieg verschenkt hat!»

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