ZSC feuert Coach
Warum Bayer gehen musste – und wie die Trainersuche nun läuft

Die Entlassung von Marco Bayer ist keine Überraschung. Um sich auf Risikospielchen einzulassen, sind die Ansprüche der ZSC Lions zu hoch.
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Marcel AllemannReporter Eishockey

Am 28. April 2025 war Marco Bayer am Zürcher Frühlingsumzug Sechseläuten, bei dem der ZSC mit dem Pokal mitlief, als Meistertrainer der gefeierte Mann. Herzen und vor allem Blumen flogen ihm zu.

Fast auf den Tag genau ein Jahr später lernt der 53-jährige Dübendorfer die andere Seite des Trainergeschäfts kennen. Am Montagvormittag ist er von den ZSC Lions gefeuert worden.

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Marco Bayer muss seinen Platz an der Bande der ZSC Lions räumen.
Foto: keystone-sda.ch

Es war eine Entlassung mit Ansage, und dabei geht es nicht nur um das klare 1:4-Ausscheiden in den Playoff-Halbfinals gegen Davos. Die ganze Saison war ein Krampf. Nach zwei schweren Krisen im Herbst, in denen Bayer bereits angezählt wurde, fanden die ZSC Lions zwar resultatmässig wieder in die Spur zurück. Überzeugend und ihrem Potenzial entsprechend traten sie jedoch viel zu selten auf. Der Meisterblues konnte da als Argument irgendwann auch nicht mehr herhalten. Dafür sind die Erwartungen im Verein zu gross.

Erfolgreicher und erfrischender Crawford-Erbe

Die ZSC Lions hatten zwei Möglichkeiten. Sie gehen mit Bayer in sein zweites Vertragsjahr, hoffen auf Besserung, müssen dann aber im Herbst vielleicht einsehen, dass es eine Hängepartie bleibt, und sich von ihm trennen. Oder sie machen jetzt einen sauberen Schnitt und bekommen die Zeit, ohne Hektik einen neuen Coach zu suchen. Die Zürcher haben sich für die zweite Möglichkeit entschieden. «Wir glauben, dass es neue Impulse braucht», sagt Sportchef Sven Leuenberger (56).

Bayer stieg an Weihnachten 2024 für den aus gesundheitlichen Gründen überraschend abgetretenen Marc Crawford (65) vom Trainer von Farmteam GCK Lions zum grossen ZSC auf. Er verwaltete das Erbe des Kanadiers grandios, führte die Mannschaft zum Champions-League-Triumph und zur Wiederholung des Meistertitels, wirkte dabei mit seiner Art auch sehr erfrischend. Die Erfolge waren unter diesen besonderen Umständen ein Produkt des Miteinanders, Bayer holte die Teamleader und das Umfeld der Mannschaft mit ins Boot, alle standen zusammen und schafften das. Eine harte Hand war da nicht nötig.

Bayer konnte nicht sein, was es gebraucht hätte

Doch in dieser Saison, etwas gesättigt von den vielen Erfolgen, funktionierte dieses Miteinander nicht mehr so prächtig. Die ZSC Lions hätten in einigen Phasen eine knallharte und anerkannte Autorität wie Crawford gebraucht, welche die Finger schonungslos in die Wunden legt, der Mannschaft regelmässig die Meinung geigt und dabei auch Dezibel-Grenzen überschreitet. Diese konnte Bayer nicht sein, das wäre nicht authentisch gewesen.

Bayer zu entlassen, hat Leuenberger geschmerzt. Die beiden kennen sich seit vielen Jahren. Leuenberger hat Bayer 2015 als Assistenztrainer nach Bern geholt und 2023 als Headcoach zu den GCK Lions. «Es ist ein trauriger Tag», sagt der Sportchef. Bayer habe gefasst, aber sehr enttäuscht auf seine Absetzung reagiert.

Paterlini ist der letzte Schweizer Trainer

Als Schweizer Trainer in diesem Business zu bestehen, ist anspruchsvoll. Nach aktuellem Stand gibt es mit Thierry Paterlini (51) bei den SCL Tigers nächste Saison nur noch einen einheimischen Coach in der National League. Wenn Bayer in der Zukunft an einem anderen Ort trotz seines Erfolgsausweises und seinen wertvollen Erfahrungen bei den ZSC Lions nicht wieder eine neue Chance erhalten sollte, wäre dies kein gutes Zeichen für die nationale Trainergilde.

Bei den ZSC Lions ist naheliegend, dass ihr nächster Trainer Englisch als Muttersprache beherrscht, einen nordamerikanischen Pass hat und viel Autorität ausstrahlt. Damit sind sie in der Vergangenheit am besten gefahren. «Wir müssen offen sein», sagt derweil Leuenberger. Es gehe für ihn erst mal darum, zu evaluieren, wer frei sowie interessiert sei, und ob noch Bewerbungen von Kandidaten eintreffen, die man nicht auf dem Schirm habe. «An einem anderen Punkt sind wir noch nicht», so Leuenberger. Ein Zeitfenster hat er sich nicht gesetzt, aber vor den Sommerferien will er den neuen Mann schon haben. Was ihm entgegenkommt: In zweieinhalb Wochen beginnt in Zürich die WM und einige potenzielle Kandidaten oder deren Agenten werden ihm quasi frei ins Haus geliefert.

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