Darum gehts
- Schweiz besiegt Norwegen 6:0 im Halbfinal der Heim-WM in Zürich
- Leonardo Genoni bleibt zum dritten Mal ohne Gegentor im Turnier
- Historischer Erfolg: Schweiz zieht souverän ins Finale der Eishockey-WM ein
Büchsenöffner
Wie stark ist diese Mannschaft? Welchen Einfluss hatte die Fischer-Affäre auf das Selbstbewusstsein? Der Auftakt gegen Weltmeister und Olympia-Sieger USA wird von prinzipiellen Fragen begleitet – bis Pius Suter nach zwei Minuten und drei Sekunden eine belastbare Antwort liefert. Ein Schuss, den man in der ganzen Eishockey-Schweiz hört. Ein Funke, der springt. Ein Tor, das der Mannschaft Flügel verleiht und die Swiss Life Arena im Dreivierteltakt wackeln lässt. Die Schweiz gewinnt 3:1, die Heim-WM ist lanciert.
Die W. Nuss vo Bümpliz
Auf Wunsch von NHL-Star Nico Hischier wird nach Schweizer Siegen (also immer) nicht nur die Nationalhymne, sondern als Supplement auch noch die inoffizielle Nationalhymne gespielt: «W. Nuss vo Bümpliz» von Patent Ochsner, ein Stück Schweizer Folklore und fester Bestandteil der nationalen Pop-Kultur. Der Refrain aus Tausenden Kehlen, die Mannschaft auf der Ehrenrunde, eine Riesensause, die Swiss Life Arena fest in roter Hand. Dabei wird auch das zäheste Lederherz weich, so wie in der Songzeile beschrieben.
Der Charaktertest
Spiele gegen Deutschland sind immer etwas Besonderes, egal, was die Vorzeichen sagen. Für beide Teams ist es das dritte Turnierspiel, aber Deutschland ist nach Niederlagen gegen Finnland und Lettland schon in der Bringschuld. Nach dem ausgeglichenen ersten Abschnitt zündet die Schweiz im zweiten Drittel ein Feuerwerk, schenkt den Deutschen mit teilweise traumhaften Kombinationen und stupender Leichtigkeit fünf Tore ein. Game over. Das 6:1 geht als höchster Sieg gegen den Rivalen seit 1937 (6:0) in die Geschichtsbücher ein. Der Viertelfinal ist damit in trockenen Tüchern, die letzten Zweifel sind beseitigt.
Wer die Glocke läutet
Das Einläuten der Nati-Spiele wird in der Swiss Life Arena als Ouvertüre zum Festakt zelebriert. Ein Ritual, das zum festen Bestandteil des Programms wird, auf den Rängen und vor der Glotze fragt man sich jeweils, wer es denn diesmal sein wird. Vor dem abschliessenden Gruppenspiel gegen Finnland ist es Ski-Superstar Marco Odermatt, der die Arena in Stimmung bimmelt – und wenn sich einer mit Kuhglocken auskennt, dann der Mann mit 54 Weltcup-Siegen. Im Januar wurde ihm in Adelboden die fünfte Sieger-Glocke in Serie überreicht.
Starting Six
Das Verlesen der Startaufstellung (inklusive Torhüter) wird heute nicht mehr einfach auf eine Wandtafel gekritzelt, sondern optisch und akustisch in Szene gesetzt und dann in die Netzwerke geschickt. Bisher war stets Verteidiger Christian Marti dafür zuständig, aber für die Heimweltmeisterschaft liess man sich etwas einfallen. Den Auftakt machte der verletzte Nati-Stammverteidiger Andrea Glauser (ein denkwürdiger Auftritt), vor dem abschliessenden Gruppenspiel gegen Finnland gibt sich Patent-Ochsner-Frontmann Büne Huber die Ehre. Tennislegende Roger Federer ist vor dem Viertelfinal gegen Schweden in der Nati-Garderobe, und vor dem Halbfinal gegen Norwegen verliest Ex-Nati-Trainer Ralph Krueger die Starting Six.
Der Dämon ist besiegt
Wie soll man schwedische Schränke zerlegen? In einem Ernstkampf gelang das zuletzt 2013, in einer K.-o.-Runde noch gar nie. Aber dann: Tennisikone Roger Federer verliest die Startaufstellung und schwingt die Glocke, die Nati besteht den Härtetest. Man gerät zwar erstmals bei diesem Turnier in Rückstand, löst aber auch diese Aufgabe mit Bravour. Die Schweden werden dominiert, physisch an den Rand gedrängt und spielerisch in den Senkel gestellt. Kurz nach Denis Malgins 2:1 erwischt Timo Meier seinen Gegenspieler Sundqvist übel am Knie, die Schiedsrichter übersehen das Vergehen. Zum Ärger der Schweden, die sich an Meier und den finnischen Refs abreagieren. Die Schweiz gewinnt 3:1 und steht im Halbfinal.
Halbfinal – Genoni lässt den Rolladen runter
Halbfinal gegen die robusten Norweger – was man davon halten soll, ist vielen nicht klar. Ist der Aussenseiter auch im Halbfinal für eine Sensation gut? Holen die gar den Knüppel aus dem Sack? Egal. Die Nati zieht ihr Ding durch, spielt auch ohne den gesperrten Timo Meier hart auf den Mann und reisst das Spieldiktat an sich. Christoph Bertschy legt mit dem 1:0 den Schalter um, danach wird die Überraschungsmannschaft des Turniers schrittweise in Einzelteile zerlegt. Leonardo Genoni macht wieder mal zu und bleibt zum dritten Mal an diesem Turnier ohne Gegentor. Norwegen wird mit 6:0 ins Spiel um Bronze geschickt, die Glocke vor dem Spiel hatte Nati-Legende Andres Ambühl geläutet.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Schweiz | 7 | 32 | 21 | |
2 | Finnland | 7 | 20 | 18 | |
3 | Lettland | 7 | 7 | 12 | |
4 | USA | 7 | 4 | 11 | |
5 | Deutschland | 7 | 1 | 10 | |
6 | Österreich | 7 | -12 | 9 | |
7 | Ungarn | 7 | -24 | 3 | |
8 | Großbritannien | 7 | -28 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Kanada | 7 | 20 | 20 | |
2 | Norwegen | 7 | 11 | 15 | |
3 | Tschechische Republik | 7 | 2 | 13 | |
4 | Schweden | 7 | 11 | 12 | |
5 | Slowakei | 7 | 2 | 11 | |
6 | Dänemark | 7 | -11 | 6 | |
7 | Slowenien | 7 | -12 | 6 | |
8 | Italien | 7 | -23 | 1 |

