«Wir sind tatsächlich im WM-Halbfinal und kämpfen um eine Medaille. Ich kann gar nicht in Worte fassen, was da gerade geschieht», sagt Andreas Martinsen (35) mit glänzenden Augen. Dabei hat Norwegens Captain in seiner Karriere schon viel erlebt. Er spielte in der NHL (Colorado, Chicago), Schweden, Deutschland und anfangs 2020 auch kurz in der Schweiz für Zug, ehe Covid einen Schlussstrich unter die Saison zog. Danach kehrte Martinsen nach Norwegen zurück. «Meine beiden Töchter kamen ins Schulalter, da machte es Sinn, sich wieder daheim niederzulassen», begründet der Stürmer von Storhamar Hockey.
So bekam er die ganzen Probleme des norwegischen Hockeyverbandes hautnah mit. Im Sommer 2023 war dieser pleite und stellte für den Rest des Jahres sogar den Betrieb der Nationalmannschaft ein – Trainingslager wurden gestrichen, Länderspiele abgesagt, fünf Mitarbeiter entlassen. 2024 kehrte der Verband zwar wieder in den Aktivmodus zurück und nahm dann auch an der WM teil, aber finanziell zu kämpfen hat er bis heute.
In Norwegen eine Randsportart
«In Norwegen gibt es so viele gute Sportler, Eishockey ist eine Randsportart und hat einen schweren Stand. Es gibt bei uns Regionen, in denen zwar viele Menschen leben, aber es nicht mal eine Eisbahn gibt», erklärt Martinsen. In diesem schwierigen Umfeld sind die wundersamen WM-Tage in der Schweiz für das norwegische Eishockey ein Segen, um ein wenig aus dem Schatten der Fussballer, Handballer, Langläufer, Biathleten, Skifahrer und Leichtathleten zu treten.
«Plötzlich reden alle über Eishockey. Sie haben zwar von der Offside-Regel keine Ahnung und sehen den Puck nicht, aber sie sitzen daheim vor dem Fernseher und jubeln mit uns mit», freut sich Martinsen. «Vor einem Jahr haben wir mit einem 1:0-Sieg gegen Ungarn knapp den Abstieg vermieden und jetzt spielen wir um eine Medaille. Das alles ist surreal. Für uns war schon die Viertelfinal-Qualifikation wie ein Weltmeistertitel!»
«Es ist nur ein einziges Spiel»
Dass es im Halbfinal gegen die ungeschlagene und nach Gold lechzende Schweiz schwierig wird, sind sich die Norweger bewusst. «Wir spielen gegen die vermutlich beste Schweizer Mannschaft aller Zeiten vor deren Heimpublikum. Die Schweizer sind schnell, talentiert, stehen füreinander ein und spielen auch hart», sagt Martinsen zwar ehrfürchtig, «aber es ist nur ein einziges Spiel – da gibt es immer eine Chance.»
Die Norweger wollen alles dafür tun, damit sich das Hockey-Fieber in der Heimat noch weiter ausbreitet. Bis unter den Landsleuten auch die Offside-Regeln geläufig sind und alle den Puck sehen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Schweiz | 7 | 32 | 21 | |
2 | Finnland | 7 | 20 | 18 | |
3 | Lettland | 7 | 7 | 12 | |
4 | USA | 7 | 4 | 11 | |
5 | Deutschland | 7 | 1 | 10 | |
6 | Österreich | 7 | -12 | 9 | |
7 | Ungarn | 7 | -24 | 3 | |
8 | Großbritannien | 7 | -28 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Kanada | 7 | 20 | 20 | |
2 | Norwegen | 7 | 11 | 15 | |
3 | Tschechische Republik | 7 | 2 | 13 | |
4 | Schweden | 7 | 11 | 12 | |
5 | Slowakei | 7 | 2 | 11 | |
6 | Dänemark | 7 | -11 | 6 | |
7 | Slowenien | 7 | -12 | 6 | |
8 | Italien | 7 | -23 | 1 |


