Darum gehts
- Maskottchen-Kuh Cooly begeistert bei der Heim-WM 2026 in Zürich und Fribourg
- Cooly-Darsteller aus Kanada bleiben anonym, strenge Maskottchen-Regeln
- Cooly wiegt 7 kg, maximal 40 Minuten pro Einsatz erlaubt
Sie animiert die Fans, lässt sich von Schwingerkönig Christian Stucki auf den Rücken legen, ist für jeden Spass zu haben, das begehrteste Fotosujet und dadurch automatisch auch ein Social-Media-Star. Das alles, ohne ein Wort zu sagen, denn sie spricht nicht. Die Heim-WM 2026 ist Cooly und umgekehrt.
Schon an der WM 2009 war die Kuh der Publikumsliebling. Und lebt seither ein intensives Maskottchen-Leben.
Geboren wird Cooly im April 2008, ein Jahr vor der Heim-WM 2009. Damals wurde für die von der WM-Vermarktungsagentur Infront über einen Zeitraum von zwei Jahren designte Sportkuh einen Namen gesucht. In einer Ausschreibung setzt sich Cooly, der Vorschlag des Seeländer Hockeyfans Robert Guenin, gegen 2213 Mitkonkurrenten durch. Im Final sticht sie Milchström, Muh, Checky und Pucky aus.
Vom Eis auf die Tartanbahn und zurück
Am Turnier in Bern und Kloten erobert Cooly die Herzen der Massen, die Plüschtiere, Tassen und Schlüsselanhänger sind schnell ausverkauft. Für gewöhnlich haben solche Maskottchen-Tierchen lediglich eine kurze Lebensdauer von einem Grossanlass, doch bei Cooly ist alles anders. Die Veranstalter der Leichtathletik-EM 2014 sind begeistert von der Kuh und kaufen die Rechte an ihr. Cooly erlebt die erste Wiedergeburt. Sie zeigt, dass sie auch im Sommer auf der Höhe ist, versucht sich sogar im Hochsprung und jubelt mit Mujinga Kambundji. Das Publikum ist erneut hin und weg. Auch bei Weltklasse Zürich, anderen Sportveranstaltungen und Kinderhilfsprojekten ist Cooly immer wieder im Einsatz.
Als dann die Schweiz den Zuschlag für die Eishockey-WM 2020 erhält, wird auch Cooly sogleich wieder ins Boot geholt. Die Kultkuh darf zwar im Vorfeld den Anlass eifrig promoten, muss dann allerdings wie alle passen, als die WM wegen Covid abgesagt wird. Stattdessen geht in der Folge die WM 2026 an die Schweiz, und für das OK ist rasch klar, dass Cooly Verpasstes nachholen darf. Mittlerweile 18 Jahre alt, somit volljährig und auch in der Digitalisierung angekommen. Etwa auf dem Stadionwürfel, auf dem Cooly mit treuherzigem Blick die Strafen der Bösewichte auf dem Eis verkündet.
Cooly-Darsteller bleiben anonym
Doch wer steckt hinter dem physischen Cooly oder – besser ausgedrückt – in ihr drin? Während es beispielsweise bei der Leichtathletik-EM noch Schweizer waren, sind es an der Hockey-WM vier kanadische Profis, die zusammen mit ihren zwei Betreuern eingeflogen wurden und sich die Spiele in Zürich und Fribourg jeweils aufteilen. Ihre Namen sind streng geheim, nicht mal ihr Geschlecht wird verraten, dem Maskottchen-Kodex entsprechend dürfen Cooly-Darsteller auch keine Interviews geben.
Bekannt ist, dass diese aus der in Québec beheimateten Maskottchen-Vollservicefirma Créations Animation Mascottes stammen und die Funktion als Teilzeitjob neben ihrem üblichen Beruf ausüben. Wer denkt, dass sie dann einfach jeweils ins Cooly-Kostüm schlüpfen und überall, wo es gerade passt, nach Lust und Laune etwas Rambazamba machen, liegt falsch. Es gibt für sie einen durchgetakteten Plan für jeden Spieltag. Damit Cooly aber dennoch flexibel bleibt und auf spannende Ereignisse reagieren kann, existiert ein Cooly-Chat, in dem man sich austauscht und Anpassungen vornimmt.
Nach 30 Minuten braucht Cooly eine Pause
Begleitet wird sie von mehreren Volunteers, als eine Art Bodyguard schauen diese, dass niemand übergriffig wird. Sabine Marolf, die vom WM-OK für die Cooly-Crew verantwortlich ist, staunt immer wieder, über welch gute Menschenkenntnis die Darsteller verfügen: «Sie spüren zum Beispiel sofort, welche Kinder ängstlich und welche zugänglich sind und passen ihr Verhalten entsprechend an.» Dabei sehen sie ihre Umgebung lediglich durch ein schwarzes Stoffgitter im Maul der Kuh.
Die Cooly-Darsteller werden wie Künstler behandelt. Sie haben Verträge, dort steht unter anderem auch drin, dass sie eine eigene Garderobe bekommen und was dort für sie bereitstehen muss. Ähnlich, wie man das bei Musikern im Rahmen von Konzerten kennt. Cooly darf nur 30 bis allerhöchstens 40 Minuten aufs Mal im Einsatz sein, dann bekommt sie eine Pause, bevor wieder der nächste Auftritt erfolgt.
Wie weiter mit Cooly nach der WM?
Das schreibt nicht etwa die Gewerkschaft der Schweizer Kühe vor; mehr ist in diesem sieben Kilogramm schweren Kostüm, in dem es ordentlich heiss wird, schlicht nicht machbar. Was die Kultkuh gar nicht mag, ist Regen, dann geht sie nicht ins Freie, sonst wird das Kostüm durch die Nässe noch schwerer. Cooly sein ist auch so schon ein Hochleistungssport.
Ob Cooly nach ihrer zweiten Hockey-WM dann abdanken und auf einer hübschen Weide den Ruhestand geniessen wird? In Planung ist gemäss Besitzer Infront derzeit nichts. Trotzdem ist es kaum vorstellbar, dass Cooly einfach so verschwindet. Dafür ist diese Kuh zu bekannt und beliebt. In der Schweiz ist derzeit die Olympia-Bewerbung 2038 ein Thema. Cooly als Olympionikin – das wäre doch noch mal ein Ziel. Zum 30. Geburtstag.

