Bewegende Schicksale
ZSC-Legende trainiert während WM Flüchtlinge in Trainingscamp

Hier trainiert die Welt: Im Nachwuchscamp der SCL Tigers jagen junge Flüchtlinge gemeinsam mit Schweizer Talenten dem Puck nach. Mittendrin: Hockey-Legende Mathias Seger und Teenager mit bewegenden Schicksalen.
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Petar DjordjevicRedaktor Sport

Eishockey-Legende Mathias Seger macht den Trainer, zwei Sozialpädagoginnen sind grösstenteils für das Programm neben dem Eis verantwortlich und Gastspieler aus dem Iran, dem Libanon und der Ukraine laufen auf. Das gemeinsame Trainingslager der SCL Young Tigers und der Red Bull Akademie aus München und Salzburg ist nicht wie jedes andere.

Flüchtlinge zaubern mit ZSC-Legende auf dem Eis
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Trainingslager in Langnau:Flüchtlinge zaubern mit ZSC-Legende auf dem Eis

«Coubertin meets Dunant» steckt hinter dieser etwas spezielleren Hockey-Woche und gewährt Blick, die Teilnehmenden einen Tag lang zu begleiten. Die gemeinnützige Stiftung hilft jungen Athleten mit Flüchtlingshintergrund dabei, sich in der Schweiz zu integrieren. Dabei steht Sport im Mittelpunkt.

Vier Teilnehmer aus der Ukraine

Seit vier Jahren gehören Maxim Schewtschenko (17), Maxim Haman (19), Nikita Kasanzew (20) und Hlib Dsiubenko (20) zu den Athleten der Stiftung. Die Ukrainer flüchteten nach dem Beginn des Kriegs in ihrem Heimatland in die Schweiz – teilweise ohne Eltern. Alle spielten bereits in der Ukraine Eishockey. Jetzt gehen sie hierzulande ihrer Leidenschaft nach und sind am United Camp – so heisst das Trainingslager in Langnau – dabei. Nach der abgeschlossenen Einheit auf dem Eis um 10 Uhr erklärt Nikita Kasanzew gegenüber Blick, wieso er sich mittlerweile nicht mehr auf seine Spielerkarriere fokussiert.

Der Ukrainer Hlib Dsiubenko wohnt seit 2022 in der Schweiz, wo er Hockey spielt.

«Ich habe gemerkt, dass es nicht ganz für das höchste Level reicht», sagt der Ukrainer und ergänzt: «Ich lasse mich jetzt als Trainer ausbilden und bin Assistent bei den Thurgau Young Lions.» Gleichzeitig absolviert Kasanzew die Handelsschule in Kreuzlingen, wo er in zwei Jahren das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis zum Kaufmann erlangen will. Lukas Hammer ist beim Gespräch in der Trainergarderobe dabei. Er leitet das Trainingslager und ist bei «Coubertin meets Dunant» für Projekte und das Fundraising zuständig.

Die Stiftung bringt die Zahnräder in Bewegung

«Klar wollen wir, dass unsere Athleten sportlich möglichst weit kommen. Uns ist aber auch klar, dass der Sprung in den Profisport nicht immer klappt.» Die Stiftung ebne den Athleten in erster Linie den Weg, in der Schweiz Fuss zu fassen, indem man ihnen durch den Sport eine möglichst optimale Integration ermöglicht. Dies geschehe meist in enger Zusammenarbeit mit den Vereinen und den Trainern. «Wir haben ein grosses Netzwerk und verfügen darüber hinaus über das Bürokratie-Know-how, das notwendig ist, wenn man als Flüchtling in die Schweiz kommt und Sport auf höchstem Niveau betreiben möchte.»

Die Spieler warten auf die nächsten Aufgaben fürs Training.
Foto: Raphaël Dupain

Doch bevor dieser Prozess überhaupt in Gang kommt, muss Vertrauen zu den Athleten aufgebaut werden. Das ist nicht immer einfach, wie Hammer sagt: «Du musst dir vorstellen, du kommst in ein völlig fremdes Land, traust dich das erste Mal aus der Asylunterkunft raus – und solltest schnell einen Verein oder eine Trainingsmöglichkeit finden. Meist wirst du nicht mit offenen Armen empfangen. Und dann kommt jemand von einer Stiftung und erzählt dir, dass er dich unterstützen will.» So benötige «Coubertin meets Dunant» oft mehrere Anläufe, bis das Vertrauen da ist.

Gäste aus dem Libanon und Iran

Mittlerweile ist es 11 Uhr, die zweite Einheit auf dem Eis ist vorbei und Mathias Seger gesellt sich in die Trainergarderobe dazu. Er hat zusammen mit dem ehemaligen SCL-Spieler Jörg Reber und SCL-Nachwuchschef Philipp Bohnenblust das Training geführt. Auf dem Eis stehen neben Langnaus Nachwuchstalenten auch Spieler aus dem Libanon sowie dem Iran. «Ja, das ist sicher speziell», sagt Seger gegenüber Blick. «Wir befinden uns so in einer Bubble und kommen im Alltag kaum mit Flüchtlingen in Kontakt. Daher ist es gut, dass die Jungs hier auch von anderen Realitäten etwas mitnehmen können.»

Mathias Seger ist in der Schweiz eine Hockey-Legende und unterstützt die Stiftung mit Einsätzen als Trainer.
Foto: Raphaël Dupain

Während die Ukrainer durch «Coubertin meets Dunant» am United Camp dabei sind, hat der internationale Eishockey-Verband IIHF den Spielern aus dem Nahen Osten die Teilnahme am Trainingslager ermöglicht. Beim gemeinsamen Mittagessen erzählen die beiden Libanesen Marc Abboud (19) und Karl Andraos (20), dass sie bereits früh mit Hockey in der einzigen Eishalle in ihrem Heimatland begonnen haben. Das Gebäude wird nun seit Jahren nicht mehr betrieben. Deshalb mussten sie auf Rollschuhe ausweichen. Am United Camp wieder auf dem Eis stehen zu können, erfüllt beide mit Freude.

Das Highlight in Fribourg

Nach dem Mittagessen macht sich die gesamte Truppe auf zum Highlight des Tages. In der BCF Arena in Freiburg erleben alle Teilnehmer des Trainingslagers zwei WM-Spiele live im Stadion. Eine Premiere für fast alle. Im Teambus der SCL Tigers auf dem Weg nach Freiburg erzählen die beiden Iraner, wie sie zum Hockey kommen. Während Arjan Arzani (20) aktuell in Kanada lebt und den Sport durch sein soziales Umfeld kennenlernt, ist Younes Nail (17) bereits im Iran vom Eisschnelllauf auf Hockey umgestiegen.

Auf die Frage, was die beiden aus der Schweiz und dem Trainingslager mitnehmen, antworten sie einstimmig: «Ganz viele neue Freunde». Beide möchten einmal mit der iranischen Nationalmannschaft an einer WM auflaufen. Jetzt nehmen sie zuerst den Rest des Trainingslagers in der Schweiz in Angriff.

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Eishockey-WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
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TD
PT
1
Schweiz
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4
18
12
2
Finnland
Finnland
3
9
9
3
Österreich
Österreich
4
-2
9
4
USA
USA
4
-1
5
5
Ungarn
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0
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3
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Deutschland
4
-10
1
8
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3
-12
0
Playoffs
Abstieg
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Tschechische Republik
Tschechische Republik
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5
10
2
Kanada
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3
Slowakei
Slowakei
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Norwegen
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Schweden
4
7
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Slowenien
Slowenien
4
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3
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