Am späten Freitagabend befindet sich Jan Cadieux (46) in der Tissot Arena in Biel auf einem kleinen Interview-Marathon, die TV-Stationen wollen ihn nach den zwei Testländerspielen gegen Ungarn befragen. Auf dem Rückweg streckt ihm ein Bub eine Cap und einen Stift entgegen, er will das Autogramm des neuen Nati-Trainers. «Wo genau soll ich unterschreiben?», entgegnet Cadieux und bevor er zur Tat schreitet, fragt er nochmals nach: «Hier?»
Die Szene sagt viel aus über das neue Leben von Jan Cadieux. Nach dem spektakulären Rauswurf von Patrick Fischer (50) steht er plötzlich im Fokus – und versucht, nach hektischen Hockey-Tagen alles richtig zu machen. Mit Bedacht vorzugehen, in keine Fettnäpfchen zu treten, keine neuen Baustellen aufzutun, aber trotzdem offen zu sein und authentisch zu bleiben. Es gelingt dem schweizerisch-kanadischen Doppelbürger.
Eine neue Szenerie für Cadieux
Nati-Stürmer Tristian Scherwey (34) hat es als «Ausnahmezustand» beschrieben, als Fischer während des Zusammenzugs in der Vorwoche in der Slowakei abgesetzt wurde und Cadieux übernommen hat. Anderthalb Monate früher als geplant und unter extremen Umständen stieg er vom Assistenten zum Chef auf. Zunächst war Cadieux ein Trainer-Phantom, denn gesagt hat er keinen Ton, da der ganzen Delegation in der Slowakei ein Maulkorb verpasst wurde. Bevor Cadieux am letzten Mittwoch in Biel erstmals vor die Medien trat, wurde er auch noch mit einem Brief von NHL-Star Roman Josi (35) konfrontiert, der Fischer zurückwollte, was für neue Unruhe sorgte. Es gibt wahrlich einfachere Starts in einen neuen Job.
Cadieux steht dann am Mittwochmittag im überfüllten Medienraum des EHC Biel, vor ihm zahlreiche Kameras. In der zweiten, dritten und vierten Reihe dahinter stehen die Journalisten und löchern ihn. Eine Szenerie, die er so noch nie erlebt hat. Abwechslungsweise auf Französisch, Deutsch und Italienisch parliert der ehemalige Servette-Meistertrainer.
Kein Schattenmann von Fischer
Er spricht von einem Schock für die Mannschaft, von hochemotionalen Tagen und davon, wie schwierig es für alle war. Er erzählt von intensiven Teammeetings, von unterschiedlichen Meinungen, wie wichtig es war, dass jeder diese vorbringen konnte. Er zeigt Verständnis für das Vorpreschen von Josi, sagt dass dieser, als grosser Leader, dazu berechtigt sei und sich absolut professionell verhalten habe. Cadieux versucht Dampf aus dem Kessel zu nehmen, was ihm nicht schlecht gelingt. Würden das alle beim Hockeyverband so hinkriegen, hätte dieser einige Probleme weniger.
Cadieux lässt aber auch durchblicken, dass er nicht als Schattenmann von Fischer in die Heim-WM gehen will, sondern seine eigene Note reinbringen möchte. Sei es beim System, wo er einige Dinge leicht anpassen will. Sei es bei der Nomination der Spieler, wo er womöglich nicht die exakt gleichen berücksichtigen wird, wie es sein Vorgänger getan hätte.
Dampf aus dem Kessel nehmen
Beim «Fall Bichsel» bleibt er jedoch voll auf der Fischer-Linie und sagt, dass dieser bis zur Heim-WM für die Nati gesperrt bleibe, dies sei ein Mehrheitsentscheid gewesen. So nimmt er nochmals Dampf aus dem Kessel, obwohl Cadieux den NHL-Aufsteiger Lian Bichsel gut gebrauchen könnte, wenn dieser verfügbar würde. Denn mit den derzeit verletzten Andrea Glauser, Michael Fora und dem in den NHL-Playoffs engagierten Janis Moser könnten gleich drei Stammverteidiger an der WM fehlen.
Das aktuelle Aufgebot
Goalies: Stéphane Charlin (Servette), Leonardo Genoni (Zug), Kevin Pasche (Lausanne).
Verteidiger: David Aebischer (Lugano), Tim Berni, Giancarlo Chanton, Simon Le Coultre (alle Servette), Niklas Blessing (Biel), Dominik Egli (Frölunda), Tobias Geisser (Zug), Fabian Heldner (Lausanne), Romain Loeffel (Bern).
Stürmer: Sven Andrighetto, Nicolas Baechler (beide ZSC Lions), Lorenzo Canonica (Lugano), Gaëtan Haas (Biel), Fabrice Herzog, Grégory Hofmann, Sven Senteler (allle Zug), Ken Jäger (Lausanne), Dario Meyer (Kloten), Miles Müller (Ambri), Théo Rochette (Lausanne), Dario Rohrbach (SCL Tigers), Tristan Scherwey (Bern), Jonas Taibel (SCRJ Lakers), Calvin Thürkauf (Lugano).
Spiele
16. April: Slowakei – Schweiz 3:1
17. April: Slowakei – Schweiz 3:4
23. April: Schweiz – Ungarn 6:1
24. April: Schweiz – Ungarn 6:1
30. April: Schweden – Schweiz 18.00 in Jönköping (Euro Hockey Tour)
2. Mai: Schweiz – Finnland 12.00 in Budweis (Euro Hockey Tour)
3. Mai: Tschechien – Schweiz 16.00 in Budweis (Euro Hockey Tour)
7. Mai: Finnland – Schweiz 15.00 in Ängelholm (Euro Hockey Tour)
9. Mai: Schweden – Schweiz 16.00 in Ängelholm (Euro Hockey Tour)
10. Mai: Schweiz – Tschechien 12.00 in Ängelhom (Euro Hockey Tour)
Das aktuelle Aufgebot
Goalies: Stéphane Charlin (Servette), Leonardo Genoni (Zug), Kevin Pasche (Lausanne).
Verteidiger: David Aebischer (Lugano), Tim Berni, Giancarlo Chanton, Simon Le Coultre (alle Servette), Niklas Blessing (Biel), Dominik Egli (Frölunda), Tobias Geisser (Zug), Fabian Heldner (Lausanne), Romain Loeffel (Bern).
Stürmer: Sven Andrighetto, Nicolas Baechler (beide ZSC Lions), Lorenzo Canonica (Lugano), Gaëtan Haas (Biel), Fabrice Herzog, Grégory Hofmann, Sven Senteler (allle Zug), Ken Jäger (Lausanne), Dario Meyer (Kloten), Miles Müller (Ambri), Théo Rochette (Lausanne), Dario Rohrbach (SCL Tigers), Tristan Scherwey (Bern), Jonas Taibel (SCRJ Lakers), Calvin Thürkauf (Lugano).
Spiele
16. April: Slowakei – Schweiz 3:1
17. April: Slowakei – Schweiz 3:4
23. April: Schweiz – Ungarn 6:1
24. April: Schweiz – Ungarn 6:1
30. April: Schweden – Schweiz 18.00 in Jönköping (Euro Hockey Tour)
2. Mai: Schweiz – Finnland 12.00 in Budweis (Euro Hockey Tour)
3. Mai: Tschechien – Schweiz 16.00 in Budweis (Euro Hockey Tour)
7. Mai: Finnland – Schweiz 15.00 in Ängelholm (Euro Hockey Tour)
9. Mai: Schweden – Schweiz 16.00 in Ängelholm (Euro Hockey Tour)
10. Mai: Schweiz – Tschechien 12.00 in Ängelhom (Euro Hockey Tour)
In den beiden Länderspielen in Biel gegen Ungarn, in denen die erwartet klaren Siege eingefahren werden, sieht man an der Bande einen engagierten Jan Cadieux. Nach Spiel eins zeigt er sich unzufrieden über gewisse Nachlässigkeiten, bei Spiel zwei hat ihm der Gesamtauftritt besser gefallen. Nachdem er seine medialen Pflichten an diesem Freitagabend hinter sich hat, steht ihm noch ein schwerer Gang bevor. Er hat noch Einzelgespräche mit jenen Spielern zu führen, welche den Cut in die nächste WM-Vorbereitungswoche nicht mehr schaffen.
Viel zu gewinnen, ist verzwickt
Es sind Gespräche, die für jeden Nationaltrainer schwierig, für Cadieux noch neu und aufgrund der Umstände noch eine Spur schwieriger sind. «Sich von Spielern zu verabschieden, die bei den aussergewöhnlichen Momenten letzte Woche dabei waren, ist sehr emotional», sagt er. Am Montag wird dann auch die Öffentlichkeit erfahren, mit welchen Spielern er die nächsten Aufgaben im Rahmen der WM-Vorbereitung anpackt.
Noch anspruchsvoller als diese Prozesse wird für ihn dann die WM. Liefert die Mannschaft ab, wird es in der Wahrnehmung vieler das Erbe von Fischer sein. Liefert sie nicht ab, war Cadieux nicht in der Lage, dieses zu verwalten. Dieser Mann hat sich mit dem Feuerlöscher in der Hand auf eine Mission eingelassen, bei der es verzwickt ist, viel zu gewinnen.
