Darum gehts
- Nach Fischer-Entlassung: Jan Cadieux übernimmt Nati und blickt auf WM-Vorbereitung
- Roman Josi schrieb Brief, sprach aber zuvor ehrlich mit Cadieux
- WM-Start in drei Wochen, Kaderplanung und Spielstil fast unverändert
Jan Cadieux, wie haben Sie die letzte Woche erlebt?
Jan Cadieux: Für die ganze Mannschaft und natürlich auch für mich persönlich war es eine grosse Überraschung. Niemand hat erwartet, dass so etwas geschehen könnte. Es hat viele Emotionen mit sich gebracht und war anfangs schwierig. Doch mittlerweile schauen wir nach vorne und konzentrieren uns auf die Dinge, die wir kontrollieren können. Das heisst: die tägliche Arbeit, sodass wir bestmöglich vorbereitet die WM angehen können.
Wie haben Sie die Mannschaft nach diesem Knall erlebt?
Es war in diesem Moment ein Schock, den niemand kommen sah. Und es gab auch unterschiedliche Meinungen über das, was geschehen ist, so wie es in jeder Familie bei einem Ereignis dieser Art vorkommt. In den ersten beiden Tagen war das alles sehr anspruchsvoll, aber jetzt sind wir diese Woche wieder neu zusammengekommen und haben Lust darauf, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Zu Beginn dieser Woche ist dann aber der Brief von Roman Josi, der Patrick Fischer zurückmöchte, aufgetaucht. Wie gehen Sie damit um?
Roman und ich haben kein Problem miteinander. Bevor er diesen Brief verfasste, hat er mich am Freitag angerufen. Wir hatten ein sehr gutes und ehrliches Gespräch, Roman hat sich absolut professionell verhalten. Er ist einer dieser grossen Leadertypen. Wir möchten immer, dass diese die Emotionen mit den Fans teilen, aber sie haben auch andere Emotionen. Nach zehn Jahren mit «Fischi», der riesige Verdienste hat, sind solche Emotionen für mich verständlich. Die Spieler haben das Recht, ihre Meinung mitzuteilen. Doch bei allen Diskussionen, die ich mit den Spielern hatte, zeigte sich, dass auch alle nach vorne schauen wollen. Sie wollen in den nächsten drei Wochen etwas aufbauen, um in bestmöglicher Verfassung in die WM steigen zu können.
Was macht Sie so zuversichtlich, dass Josis Brief jetzt keinen Keil in die Mannschaft treibt und diese in ein Pro-und-Kontra-Fischer-Lager spaltet?
Diese Jungs sind enorm stolz, dass wir eine WM in unserem Land spielen können, und wollen dafür alles geben. Wenn man intern streitet, hilft es manchmal auch, weiterzuwachsen. Wir sprechen viel über Ehrlichkeit in der Kabine und dass jeder sagen soll, was er denkt. Das haben wir in verschiedenen Team-Meetings getan. Ich bin absolut davon überzeugt, dass die Spieler das Beste für die Schweiz wollen und ihr Ego dafür auf der Seite lassen. Am Ende geht es genau darum.
Wie leben Sie persönlich mit der neuen Rolle?
Ich hatte mich darauf vorbereitet, die Mannschaft am 1. Juni zu übernehmen. Es ist nun ein bisschen schneller gegangen und eine Herausforderung – das Leben stellt uns aber immer wieder vor Herausforderungen. Man kann sich vor diesen fürchten oder diese annehmen und das Beste daraus machen. Mein Weg ist der Letztere, weil es diese Jungs verdient haben. Ich habe die Emotionen erlebt, welche die Spieler in den ersten zwei Tagen nach «Fischis» Entlassung begleitet hat. Das Einzige, was ich tun möchte, ist, für diese Mannschaft alles zu geben.
Was für ein Eishockey wird die Schweiz spielen an der WM? Ein Fischer-Eishockey oder Cadieux-Eishockey?
Wir werden das Beste von beidem nehmen und unseren Werten treu bleiben. Wir müssen auch zuerst schauen, wie das finale WM-Kader ausschauen wird. Es gibt vielleicht ein paar Dinge, die ich ein wenig anpasse. Aber viel wechseln werde ich nicht. Ich war auch schon in den letzten zwei Jahren im Trainerstaff der Nati, habe gesehen, wie wir gearbeitet haben und wie erfolgreich wir da waren. Es braucht nicht viele Änderungen.
Jan Cadieux (46) ist kanadisch-schweizerischer Doppelbürger und der Sohn der Trainerlegende Paul-André Cadieux (1947 - 2024). Er ist in Davos geboren, spielte zunächst im Nachwuchs von Fribourg, wechselte aber als Junior für fünf Jahre nach Nordamerika. Nach seiner Rückkehr bestritt er als Stürmer für Lugano, Servette und Fribourg insgesamt 651 NLA-Spiele. Seine Trainerkarriere begann Cadieux zunächst bei der U20 von Fribourg. 2017 zog er zu den Ticino Rockets weiter. Ab 2019 war Cadieux bei Servette unter Vertrag. Zunächst als Assistenztrainer, im November 2021 wurde er nach der Entlassung von Patrick Emond Headcoach. 2023 führte Cadieux Servette zum ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte und in der Folgesaison zum Champions-League-Triumph. An Weihnachten 2024 wurde er bei den Genfern entlassen. Seit letztem Sommer arbeitet Cadieux für den Verband, zunächst als Headcoach der U20-Nati. Im Dezember wurde öffentlich, dass er Patrick Fischer ab nächster Saison bei der A-Nati beerben wird. Durch die Entlassung von Fischer steht der Schweiz-Kanadier schon an der Heim-WM 2026 in der Verantwortung.
Jan Cadieux (46) ist kanadisch-schweizerischer Doppelbürger und der Sohn der Trainerlegende Paul-André Cadieux (1947 - 2024). Er ist in Davos geboren, spielte zunächst im Nachwuchs von Fribourg, wechselte aber als Junior für fünf Jahre nach Nordamerika. Nach seiner Rückkehr bestritt er als Stürmer für Lugano, Servette und Fribourg insgesamt 651 NLA-Spiele. Seine Trainerkarriere begann Cadieux zunächst bei der U20 von Fribourg. 2017 zog er zu den Ticino Rockets weiter. Ab 2019 war Cadieux bei Servette unter Vertrag. Zunächst als Assistenztrainer, im November 2021 wurde er nach der Entlassung von Patrick Emond Headcoach. 2023 führte Cadieux Servette zum ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte und in der Folgesaison zum Champions-League-Triumph. An Weihnachten 2024 wurde er bei den Genfern entlassen. Seit letztem Sommer arbeitet Cadieux für den Verband, zunächst als Headcoach der U20-Nati. Im Dezember wurde öffentlich, dass er Patrick Fischer ab nächster Saison bei der A-Nati beerben wird. Durch die Entlassung von Fischer steht der Schweiz-Kanadier schon an der Heim-WM 2026 in der Verantwortung.
Haben Sie unter Umständen eine andere Vorstellung als Patrick Fischer, wer im WM-Kader dabei sein soll?
Das ist das Schöne unter Coaches. Wir werden nicht alle immer gleicher Meinung sein. Darüber haben wir schon früher immer gesprochen und dieser Austausch war stets wichtig. Diesen Austausch wird es jetzt auch mit meinen Assistenten geben. Sie werden mich vielleicht ebenso fordern, indem sie nicht die gleiche Idee wie ich haben. Am Ende bin ich dann dafür verantwortlich, dass ich den meiner Meinung besten Kader für die WM nominiere.
Kommt als zusätzlicher Assistent noch jemand wie beispielsweise Luca Cereda in den Trainerstab dazu?
Das ist eine Diskussion, die wir derzeit führen. Nachdem, was wir letzte Woche zusammen erlebt haben, ist es vielleicht schwierig, noch jemanden zusätzlich dazuzunehmen, der sich einbringen kann, aber diese ganze Dynamik nicht direkt miterlebt hat. Wir werden sehen und dies in den kommenden Tagen entscheiden.
Aufzeichnung des Gesprächs im Rahmen der Medienkonferenz mit Jan Cadieux.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Österreich | 0 | 0 | 0 | |
1 | Finnland | 0 | 0 | 0 | |
1 | Deutschland | 0 | 0 | 0 | |
1 | Großbritannien | 0 | 0 | 0 | |
1 | Ungarn | 0 | 0 | 0 | |
1 | Lettland | 0 | 0 | 0 | |
1 | Schweiz | 0 | 0 | 0 | |
1 | USA | 0 | 0 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Kanada | 0 | 0 | 0 | |
1 | Tschechische Republik | 0 | 0 | 0 | |
1 | Dänemark | 0 | 0 | 0 | |
1 | Italien | 0 | 0 | 0 | |
1 | Norwegen | 0 | 0 | 0 | |
1 | Slowakei | 0 | 0 | 0 | |
1 | Slowenien | 0 | 0 | 0 | |
1 | Schweden | 0 | 0 | 0 |

