Powerranking der Swiss League
Kummer löst Basels Kummer – keine Pizza bei Thurgau

Sierre kopiert den ZSC, in Basel setzen sie auf Kummer und sparen Geld, Chur hat ein Problem mit der Disziplin und Arosa bewegt sich zwischen Kanterniederlagen und wertvollen Siegen. Hier kommt das neue Blick-Powerranking der Swiss League.
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Marcel AllemannReporter Eishockey

1. (Vormonat 1.) Sierre

Als ZSC der Swiss League zieht der Titelverteidiger seine einsamen Kreise an der Spitze und hat erst einmal verloren. 5,5 Tore schiessen die Walliser im Schnitt pro Partie, mit Noah Berthoud und Tyler Higgins (je 35 Strafminuten) stellen sie aber auch die beiden meistbestraften Spieler der Liga. Es wird also in allen Belangen Spektakel geboten. Man kann davon ausgehen, dass die Dominanz des Kaders im Hinblick auf die nächste Saison, wenn Sierre den Aufstieg anstrebt, noch grösser wird. Trainer und Mitbesitzer Chris McSorley ist schliesslich nicht dafür bekannt, halbe Sachen zu machen. Die Grabenhalle soll bis dahin als Übergangslösung fit für den Erhalt einer Lizenz in der National League gemacht werden, ehe ab 2030 oder 2031 die neue Valais Arena bezogen werden kann und Sierre noch grösser träumen kann.

Tyler Higgins kann ordentlich zulangen.
Foto: Pascal Muller/freshfocus

2. (3.) Visp

Die Oberwalliser haben in jedem Spiel gepunktet – auch bei den drei bisherigen Niederlagen gegen Sierre (3:4 n. P.), Basel (0:1 n. V.) und im September gegen die GCK Lions (3:4 n. V.) nahmen sie etwas Zählbares mit. Visp spielt unter Ex-Lugano-Trainer Luca Gianinazzi ein grundsolides Eishockey, lässt mit einem Schnitt von 1,6 die wenigsten Gegentore der Liga zu, verfügt über das beste Boxplay und stellt mit Juho Markkanen den stärksten Goalie (Abwehrquote 94,71 Prozent). Der langjährige Ajoie-Star Jonathan Hazen hat sich als Ersatzausländer (Vertrag vorerst bis Dezember) für den verletzten Adam Brodecki nahtlos eingefügt und lässt immer wieder seine Klasse aufblitzen.

Ajoie-Legende Jonathan Hazen sorgt jetzt in Visp für Glanzlichter.
Foto: Pascal Muller/freshfocus

3. (9.) La Chaux-de-Fonds

Der sanfte Umbruch im Team, der vom neuen Trainer Thomas Rhodin orchestriert wird, gestaltete den Saisonstart schwierig. Doch zuletzt sind die Neuenburger in Fahrt gekommen: Sie feierten fünf Siege in Folge und bezwangen dabei als einziges Team auch Leader Sierre (2:1). Zudem liegt noch einiges an Potenzial brach: Der neue Ausländer Riley Damiani ist aktuell mit 4 Toren und 4 Assists lediglich die Nummer 44 der SL-Skorerliste. Letzte Saison in der höher einzustufenden DEL buchte er für Augsburg immerhin 18 Tore und 12 Assists. Zuletzt zeigte aber auch der siebenfache NHL-Spieler der Dallas Stars (1 Tor, 1 Assist in der Saison 2021/22) eine aufsteigende Tendenz.

Spielte einst in der NHL, aber in der Swiss League hatte Riley Damiani Anlaufschwierigkeiten.
Foto: Pascal Muller/freshfocus

4. (2.) Basel

Die Basler sind glänzend aus den Startblöcken gekommen und legten eine Serie von sechs Siegen in Folge hin, ehe sie auch wieder das Gefühl von Niederlagen (insgesamt drei) kennenlernten. Doch dafür gibt es eine plausible Erklärung: Zuletzt musste Basel auf nicht weniger als neun Stammspieler verzichten – darunter die beiden Ausländer Brett Supinski und Jakob Stukel, die bereits seit einem Monat fehlen. Das Geld, um sich auf dem wenig berauschenden ausländischen Temporärmarkt Ersatz zu beschaffen, sparte man sich. Während Supinski vor der Rückkehr steht, wird es bei Stukel noch einen Moment länger dauern. Da trifft es sich gut, dass Routinier Dario Kummer eine Topsaison spielt und mit bereits 9 Toren und 12 Assists der beste Schweizer Skorer der Liga ist.

Dario Kummer befindet sich in einer blendenden Verfassung.
Foto: Martin Meienberger/freshfocus

5. (10.) Olten

Vor einem Monat zogen wir an dieser Stelle über die Solothurner her: In einem an Arbeitsverweigerung grenzenden Auftritt hatte der EHC Olten gerade gegen Visp mit 2:11 verloren. Die fünfte Niederlage in Folge war der Tiefpunkt eines miserablen Saisonstarts, und man musste sich grosse Sorgen um den Job von Trainer Christian Wohlwend machen. Doch in der Folge schaffte Wohlwend mit seinen Jungs die Kehrtwende, fuhr fünf Dreier ein und verlor nur noch gegen Liga-Krösus Sierre – Respekt! Mit Liga-Topskorer Guillaume Asselin, Stanislav Horansky und Jayce Hawryluk befinden sich mittlerweile nicht weniger als drei Oltner in den Top 6 der SL-Skorerliste. Trotz dieses Aufschwungs verzichtet der EHC Olten erneut auf ein Aufstiegsgesuch, weil die wirtschaftlichen Kriterien aufgrund des aktuellen Defizits nicht erfüllt werden können. Überraschend kommt das nicht.

Guillaume Asselin ist als Ligatopskorer ein Hauptgrund für den Aufschwung bei Olten.
Foto: Zamir Loshi/freshfocus

6. (7.) Thurgau

Den schlechten Saisonstart (vier Niederlagen aus den ersten fünf Spielen) haben die Thurgauer zwar hinter sich gelassen, indem sie mit drei Siegen in Folge einen Zwischenspurt einlegten, aber so richtig in die Gänge kommt das Überraschungsteam der letzten Saison trotzdem nicht. Es scheint kein Zufall zu sein, dass die Thurgauer mit bislang lediglich 84 Strafminuten das anständigste Team der Liga sind – im Gegensatz zum Vorjahr wirkt alles ein wenig bieder. Man müsse mehr dorthin, wo es wehtue, forderte Trainer Anders Olsson kürzlich in der «Thurgauer Zeitung» und meinte dazu: «Wenn du eine Pizza willst, musst du in die Pizzeria.» Der neue kanadisch-japanisch-australische Ausländer Zach Okabe scheint zudem ein arger Fehlgriff zu sein: 3 Tore, 2 Assists und Rang 86 in der Skorerliste sind sehr dünn.

Zach Okabe (v.) muss sich gegen Oltens Rolands Naglis behaupten.
Foto: Zamir Loshi/freshfocus

7. (5.) Chur

Der 5:1-Sieg nach 0:1-Rückstand am Samstag gegen Bellinzona muss für die Bündner eine riesige Erleichterung gewesen sein. Denn sie befinden sich in einer schwierigen Phase, die nach Korrekturen verlangt: Mit bereits 217 gesammelten Strafminuten sind die Churer das undisziplinierteste Team der Liga. Dazu stellen sie auch noch das mit Abstand schwächste Unterzahlspiel – in der Summe ist das eine teuflische Mischung. Dafür läuft im Hintergrund gerade einiges: Die Churer träumen nicht nur von einem neuen Stadion, sondern auch von einem Leistungszentrum, das den gesamten Sport in Graubündens Hauptstadt vereint. In vier bis fünf Jahren soll ein detailliertes, von Privatinvestoren getragenes Projekt auf dem Tisch liegen.

Der EHC Chur (hier langt Luca Wyss zu, m.) leistet sich zu viele Strafen.
Foto: Zamir Loshi/freshfocus

8. (6.) Arosa

Die Aroser sind eine spezielle Truppe. Sie schiessen im Schnitt nur 1,9 Tore, was der Minuswert der Liga ist. Dafür kassieren sie durchschnittlich 5,1 Gegentreffer, was den Höchstwert darstellt und bei Kanterniederlagen wie dem 3:10 gegen Olten, dem 0:8 gegen Sierre oder dem 1:7 gegen La Chaux-de-Fonds auch nicht weiter erstaunt. Trotzdem schaffen es die Bündner, gelegentlich Siege gegen die direkte Konkurrenz aus Bellinzona und Küsnacht (GCK Lions) einzustreuen und so im Rennen um einen Playoff-Platz zu bleiben. Aber klar: Die junge Equipe von Trainer Rolf Schrepfer muss sich rasant entwickeln und schnell zulegen, sonst gehören die Träume von den Top 8 dann rasch ins Reich der Fantasie.

Für den EHC Arosa (hier versucht Sören Aebi bäuchlings Oltens Manuel von Rohr zu stoppen) ist es auch in der zweiten Saison nach dem Wiederaufstieg schwierig.
Foto: Martin Meienberger/freshfocus

9. (4.) Bellinzona

Wir hatten vor einem Monat noch über die Tessiner gestaunt, als sie vier ihrer ersten sechs Spiele gewannen. Doch seither sind die Snakes wieder auf dem harten Boden der Realität gelandet: Die letzten sieben Partien gingen allesamt verloren. Allerdings lässt sich die Mannschaft von Nicola Pini nie – wie beispielsweise Arosa – abschlachten; vier dieser sieben Niederlagen resultierten mit bloss einem Tor Unterschied. Noch hält sich Bellinzona auf Rang 8, was die erstmalige Playoff-Qualifikation bedeuten würde. Doch hinter ihnen wittern durch den Einbruch der Tessiner auch Arosa und die GCK Lions ihre Chance.

Die Bellinzona-Hintermannschaft um Goalie Alessandro Beglieri sieht sich wieder vermehrt mit Gegentoren konfrontiert.
Foto: Claudio De Capitani/freshfocus

10. (8.) GCK Lions

Während die ZSC Lions in der National League von Sieg zu Sieg stürmen und fast schon uneinholbar an der Spitze liegen, ist ihr Farmteam derzeit das Sorgenkind der Organisation. Obwohl die GCK Lions höchstens zwischendurch mal Verteidiger Nino Niedermann für den ZSC abstellen müssen, da dieser kaum Verletzte beklagt, finden sie als Team den Tritt nicht: Zuletzt kassierten sie fünf Niederlagen in Folge. Möglicherweise ist dies die Folge davon, dass die Zürcher weniger Routiniers als Leitwölfe für die Jungen im Kader haben als in früheren Jahren. Und mit zwei Söldnern auf den Rängen 67 (Villiam Haag) und 116 (Kirill Tyutyayev) der Skorerliste kommt derzeit auch vom Ausländer-Duo viel zu wenig.

Nino Niedermann darf gelegentlich bei den ZSC Lions aushelfen.
Foto: Pius Koller
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Swiss League 26/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
HC Sierre
HC Sierre
13
40
34
2
EHC Basel
EHC Basel
13
8
28
3
EHC Visp
EHC Visp
11
23
25
4
HC La Chaux-de-Fonds
HC La Chaux-de-Fonds
12
15
23
5
EHC Olten
EHC Olten
12
5
18
6
EHC Chur
EHC Chur
13
-2
16
7
HC Thurgau
HC Thurgau
12
-12
14
8
Bellinzona Snakes
Bellinzona Snakes
13
-12
13
9
EHC Arosa
EHC Arosa
13
-42
9
10
GCK Lions
GCK Lions
14
-23
9
Playoffs
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