Transfermarkt immer unruhiger
Diese Stars mit auslaufenden Verträgen sind gerade besonders begehrt

Der Markt gibt aktuell deutlich weniger her als in früheren Jahren. Trotzdem sind die Topklubs immer noch früher damit beschäftigt, ihre zukünftigen Transfers abzuwickeln oder ihre aktuellen Stars zu binden. Teilweise schon mehr als ein Jahr im Voraus.
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Marcel AllemannReporter Eishockey

Im Sommer 2025 war auf dem Eishockey-Transfermarkt die Hölle los. Nicht weniger als sieben WM-Silbergewinner von Stockholm (Aeschlimann, Egli, Fora, Jäger, Knak, Moy, Schmid) standen vor dem letzten Vertragsjahr bei ihren Klubs. Dominik Egli (von Frölunda zu Davos), Michael Fora (von Davos zu Lausanne), Ken Jäger (von Lausanne zu Davos) und Simon Knak (von Davos zu den ZSC Lions) haben dann auch prompt einen Klubwechsel vorgenommen.

In dieser Saison ist das Angebot lauer. Mit Goalie-Altmeister Leonardo Genoni läuft lediglich bei einem aktuellen WM-Silbergewinner von Zürich das Arbeitspapier im kommenden Frühling aus. Dazu hat der Trend, dass in den letzten Jahren immer mehr langfristige Verträge für Starspieler verteilt wurden, inzwischen spürbare Folgen für den Markt. Diese tauchen da für lange Zeit nicht mehr auf.

Nussbaumer, Müller und Landry schon weg

Zu einer Beruhigung hat dies nicht geführt – im Gegenteil. In der Gunst um die besten frei werdenden Spieler müssen die Sportchefs der ambitionierten Klubs immer noch früher aktiv werden, wollen sie am Ende nicht leer ausgehen. So hat der aktuelle HCD-Stürmer Valentin Nussbaumer nach Blick-Informationen bereits während der letzten Saison (25/26) für die übernächste Saison (27/28) bei Servette unterschrieben. Und Lausanne soll das Rennen um die gefragten Ambri-Stürmer Miles Müller und Manix Landry gemacht haben. Einen von ihnen hätten sie als Ersatz für den in die NHL abwandernden Théo Rochette am liebsten sofort.

«Es ist schon verrückt, wie alles immer noch früher wird, weil es diesbezüglich keine Regeln gibt in der Schweiz. Es ist sicher nicht optimal, aber es ist, wie es ist, und so arbeiten wir eben damit», sagte Davos-Sportchef Jan Alston bereits im letzten Jahr zu Blick.

Tauschgeschäfte rücken in den Vordergrund

ZSC-Sportchef Sven Leuenberger sagt bezüglich des trockenen Marktes durch die langfristigen Verträge: «In der Schweiz wird es dadurch vermehrt Trades geben – wie sie in der NHL üblich sind.» Will heissen: Werden die Erwartungen nicht erfüllt oder ist ein Spieler unzufrieden, wird ein Tauschgeschäft angestrebt. Wie kürzlich zwischen Lausanne und Bern, wo der bisherige Lausanne-Goalie Connor Hughes trotz Vertrag bis 2030 gegen SCB-Verteidiger Romain Loeffel getauscht wurde.

Zuletzt sind auch vermehrt Optionen auf Vertragsverlängerungen in die Arbeitspapiere eingebaut worden. Ein solches Beispiel ist Fribourg-Verteidiger Maximilian Streule. Dieser ist zwar theoretisch für den Sommer 2027 auf dem Markt, aber da sich die Option durch dessen starke Leistungen zu 99,99 Prozent aktivieren wird, ist er es bis 2028 eben doch nicht.

Die aktuellen Top 10 der auslaufenden Verträge nach der Saison 2026/27:

Leonardo Genoni (38, Goalie, Zug)

Eine der ersten grossen Aufgaben für das neue EVZ-Führungsduo Paolo Duca und Ted Suihkonen: Wie weiter im nächsten Frühling mit der dann vor seinem 40. Geburtstag stehenden Goalie-Ikone? Der vierfache WM-Silbergewinner und siebenfache Meister scheint Lust auf weitere Heldentaten zu haben. Doch wie kommt die zuletzt aufgekommene Unruhe in Zug bei Genoni an?

Leonardo Genoni.
Foto: Pius Koller

Simon Le Coultre (26, Verteidiger, Servette)

Streckt immer wieder den Kopf in die Nati, hat es aber noch nicht an ein grosses Turnier geschafft. Le Coultre ist jedoch aufgrund seines Alters, seiner Position und seines Potenzials der womöglich heisseste Mann auf dem Markt. Ist es nach acht Jahren für den Waadtländer Zeit für eine Luftveränderung oder bleibt er Servette mit einem langfristigen Vertrag auf ewig treu?

Simon Le Coultre.
Foto: Pius Koller

Simon Seiler (29, Verteidiger, Fribourg)

Hat sich mit starken Auftritten in den Playoffs in die Nati gespielt, fiel dann aber beim letzten Cut aus dem WM-Team. Der Spätzünder kann auf eine bemerkenswerte Entwicklung vom Ergänzungsspieler zur robusten und verlässlichen Defensiv-Säule auf Topniveau zurückblicken und jetzt erstmals in seiner Karriere ernsthaft seinen Marktwert testen.

Simon Seiler (l.).
Foto: keystone-sda.ch

Fabrice Herzog (31, Stürmer, SCRJ Lakers)

Fand für die bevorstehende Saison bei den SCRJ Lakers Unterschlupf, nachdem er in Zug gehen musste. Seine Punkteproduktion fiel zuletzt auch durch die Folgen einer Rückenverletzung in den Keller, erst Ende Saison wurde es besser. Bei Rappi hat er nur für ein Jahr unterschrieben – ist der WM-Silbergewinner von 2024 fit und findet zu alter Stärke zurück, wird er auch automatisch zum interessanten Mann auf dem Markt.

Fabrice Herzog.
Foto: Roger Albrecht/freshfocus

Dario Meyer (29, Stürmer, Kloten)

Ein Leader, der wichtige Tore schiesst und an guten Abenden eine Spur Magie versprüht – letzte Saison ermöglichte ihm dies sogar das Nati-Comeback. Sollte der frühere SCB-Junior im nächsten Frühling nach sechseinhalb Jahren in Kloten weiterziehen, wäre dies für die Zürcher Unterländer ein herber Verlust. Deshalb wollen sie ihn unbedingt halten.

Dario Meyer.
Foto: keystone-sda.ch

Tristan Scherwey (35, Stürmer, Bern)

Der SCB-Kultstürmer steht vor dem letzten Jahr seines siebenjährigen Rentenvertrages, den er 2019 unterschrieb. Doch folgt danach effektiv die Rente? Es wird davon abhängen, ob der neue Trainer Serge Aubin dem zweifachen WM-Silbergewinner nochmals Rückenwind verleiht, nachdem Scherwey zuletzt einiges schuldig geblieben ist und auch mit körperlichen Problemen zu kämpfen hatte.

Tristan Scherwey.
Foto: keystone-sda.ch

Jonah Neuenschwander (17, Stürmer, Biel)

In Biel ist das Ausnahmetalent daheim, da fühlt es sich wohl und kriegt den Raum und die Ruhe, um sich weiterzuentwickeln. Dass er in der Schweiz woanders unterschreibt, ist daher höchst unwahrscheinlich. Im Sommer 2027 wird er vermutlich früh in der ersten Runde gedraftet und dann entscheidet ohnehin die Planung der zuschlagenden NHL-Organisation über seine Zukunft abseits von Biel.

Jonah Neuenschwander.
Foto: keystone-sda.ch

Ludvig Johnson (19, Verteidiger, Fribourg)

Einer der kreativsten jungen Verteidiger. Zog für den nächsten Schritt vor einem Jahr von Zug zu Fribourg – doch was folgt 2027? Verlängert er bei Gottéron, gibt es einen neuerlichen Wechsel oder versucht sich der NHL-Draft von Utah (6. Runde) in Übersee?

Ludvig Johnson.
Foto: Claudio De Capitani/freshfocus

Gian-Marco Wetter (26, Stürmer, SCRJ Lakers)

Der oft unterschätzte 174 cm grosse Stürmer hält Rappi seit 2019 die Treue. Dadurch, dass der Markt trocken ist, könnte seine Personalakte aber Begehrlichkeiten bei anderen Klubs wecken. Zumal der Stürmer gerade die zwei produktivsten Saisons seiner Karriere hinter sich hat und sich im besten Hockeyalter befindet.

Gian-Marco Wetter.
Foto: Pius Koller

Philip Wüthrich (28, Goalie, Ambri)

Um die für ihn unbefriedigende Situation beim SCB hinter sich zu lassen, wechselte er vor einem Jahr zu Ambri. Nach der nächsten Saison läuft sein Arbeitspapier in der Leventina aus. Mit einem neuerlichen Transfer würde das Goalie-Karussell Schwung aufnehmen.

Philip Wüthrich.
Foto: Jonathan Vallat/freshfocus
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