Darum gehts
In zehn Wochen startet der EV Zug in eine wegweisende Saison – ohne Captain Jan Kovar (36, Tsch), Spielmacher Tomas Tatar (35, Slk) und Neo-Headcoach Lauri Marjamäki (49, Fi)? Die Frage steht im Raum, weil das Trio ebenfalls auf der Abschussliste des EVZ-Verwaltungsrates um dessen Präsidenten Hans-Peter Strebel steht. Ebenfalls, weil mit Geschäftsführer Patrick Lengwiler (48) und Sportchef Reto Kläy (47) zwei langjährige Führungskräfte vom 77-Jährigen auf die Strasse gestellt worden sind.
Der als besonnen und umsichtig bekannte Zentralschweizer Klub ist innert weniger Chaos-Tage an einem Tiefpunkt angelangt. Wie konnte das geschehen? Die Kurzfassung: Das von Strebel errichtete Leistungszentrum OYM in Cham ZG, das den gefestigt gewesenen EVZ eigentlich besser machen soll, ist nun der Grund dafür, dass er Stück für Stück demontiert wird. Präziser, die Kritik am OYM. Doch von vorne.
Unstimmigkeiten im Hintergrund
Das 100 Mio. Franken teure, hochmoderne Leistungszentrum aus der eigenen Tasche aus dem Boden zu stampfen, nimmt seinen Anfang in den Korridoren der Eishalle. Seit 2015 VR-Präsident, sieht Strebel die Profi-Spieler bei Aufwärmübungen auf dem Boden herumturnen. Nach drei Jahren Bauzeit wird das OYM im Spätsommer 2020 eröffnet. Feierlich und mit vielen Visionen. Die eine ist, die Spieler dank wissenschaftlicher Forschung zu perfekten Athleten zu machen. Die Meistertitel folgen 2021 und 2022. Während die nationale Hockey-Welt zunächst staunt, kommt es im Hintergrund bereits zu ersten Unstimmigkeiten.
Dass Strebel OYM-Boss ist und die EVZ-Aktienmehrheit hält, ist ein Interessenkonflikt, wird vermehrt zum internen Problem und belastet das zuvor gute Verhältnis, was gegen aussen lange verschwiegen wird. Bei den Spielern regt sich Widerstand gegen die Permanent-Kontrolle, die indiskutabel ist. Dem Coaching-Staff um Meistertrainer Dan Tangnes (47, No) bleibt das damals nicht verborgen. Regelmässig werden sanfte Verbesserungen angeregt, mit denen die sportliche Führung der Zuger aber beim VR(-Präsidenten) auf taube Ohren stösst. Kritische Stimmen zum OYM werden nicht geduldet, obwohl sie aus der Mannschaft stammen. Zum Eklat kommt es vor wenigen Wochen.
SCHLIIFTS?: Ist die «Kaserne» OYM kontraproduktiv für den EVZ?
Team-Wunsch bleibt ungehört
In Spielerkreisen heisst es, dass sich die Partien im eigenen Stadion für die Zuger vermehrt wie Auswärtsspiele anfühlen. Der Wunsch des Teams ist es, dass während der Saison die Bossard-Arena – oder neu: OYM Hall – zu seiner Basis wird. Er bleibt ungehört. Die Überbringer dieses Spieler-Anliegens geraten ins Visier. Es folgt ein Rundumschlag. Nach zwölf Jahren als Sportchef wird die Entlassung Kläys über Lengwilers Kopf hinweg beschlossen. Fundierte sportliche Gründe fehlen, immerhin ist Kläy wenige Wochen davor noch mit der Verpflichtung des neuen Trainers betraut worden.
Wenige Tage später wird der Abgang von CEO Lengwiler provoziert: Man teilt ihm – nach bald 30 Jahren im Klub – mit, dass seine Dienste 2027 nach Vollendung der Stadion-Erweiterung nicht mehr benötigt werden. Bis dahin hätte er jedoch bleiben können – der VR dachte tatsächlich, dass sich Lengwiler darauf einlässt. Für die Art und Weise des Vorgehens sowie die Kommunikation gäbe es viele Worte. Dilettantisch könnte eines sein.
Dass mit dem nur Englisch sprechenden und abgesehen von seinen Hockey-Kompetenzen im operativen Geschäft unerfahrenen Ted Suihkonen (48) aus den eigenen Reihen bereits ein neuer Sportchef und mit Paolo Duca (45, Ex-Ambri-Sportchef) gleich ein neuer (fähiger) CEO präsentiert wird, glättet die Wogen längst nicht. Sie treten ihre neuen Jobs in einem Umfeld an, das noch immer geschockt von den Vorkommnissen sowie voller Unverständnis, Fragen und Kritik ist. Im Klub und bei den Mitarbeitern herrscht Verunsicherung und Wut – Letzteres auch bei den Fans, gewissen Sponsoren und Gönnervereinigungen.
Im beschaulichen Städtchen Zug wächst der Unmut. Yacht-Besitzer Strebel sieht sich mit stürmischem Gegenwind konfrontiert. Mit dem O-Ton, dass man sich grosse Sorgen macht um den einst so stolzen EVZ. Ihm nahe Anhänger sehen den Klub am Scheideweg, weil dessen Herz, Kopf und Motor abgetrennt worden sind.
Folgen nun Teile der Mannschaft, für die der Knall aus dem Nichts kam? Zumindest im Fall von Trainer Marjamäki ist bekannt, dass er eine Gnadenfrist bekommt und mit dem EVZ in die Saison starten darf. Ob aber alle Spieler aus den Sommerferien nach Zug zurückkehren werden – man weiss es noch nicht.
