Scherwey auf dem Abstellgleis?
«Ich lebe, als ob es mein letztes Jahr in Bern wäre»

Tristan Scherwey muss in seiner 18. Saison beim SCB damit umgehen, dass er nicht immer erste Wahl ist. Eine neue und herausfordernde Situation.
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Tristan Scherwey ist in einer ungewohnten Rolle in seine 18. Saison beim SCB gestiegen.
Foto: Pius Koller
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Stephan RothStv. Eishockey-Chef

Zweimal sass SCB-Publikumsliebling Tristan Scherwey (35) in dieser Saison schon überzählig draussen. Und zuletzt verpasste er nach einer Verletzung zwei Spiele. Jetzt ist er wieder fit.

Scherwey mag auf die Frage, wie er mit der Situation zurechtkomme, nicht einfach standardmässig antworten: «Gut, nur das Team zählt.» So einfach ist es nicht. Er hat sich viele Gedanken darüber gemacht und arbeitet mit einem neuen Mentaltrainer daran, mit seiner neuen Rolle klarzukommen.

Bereits im zweiten Spiel gegen Davos, als der SCB seinen bisher besten Auftritt hatte, war Scherwey überzählig. «Wir wollten andere Spieler einbinden, damit sie nicht zu lange warten müssen», begründete der neue Trainer Serge Aubin dies.

Scherwey wusste, was auf ihn zukommt

Danach spielte der Routinier zweimal, ehe er nach der Heim-Niederlage gegen Ajoie ausgerechnet in Fribourg wieder zum Zuschauen degradiert wurde. Scherwey war traurig, dass er in seiner Heimatstadt nicht spielen durfte. Auch, weil er nur zu gerne eine Reaktion auf das Ajoie-Spiel gezeigt hätte. «Ich glaube, es darf auch jeder einen Moment haben, in dem er enttäuscht, frustriert oder hässig ist. Gleichzeitig kannst du da sein für deine Mitspieler.»

Überraschend ist die Situation für Scherwey nicht. Bereits nach der letzten Saison hatte man ihm im Exit-Gespräch eine kleinere Rolle in Aussicht gestellt. «So hatte ich schon den ganzen Sommer, um mental daran zu arbeiten. Dann hatte ich Anfang Saison ein Meeting mit dem Trainer, in dem er mir sagte: «‹Schau, die Chancen sind gross, dass du nicht in jeder Partie spielen wirst.›»

Wenn er spiele, liege es an ihm, Leistung zu bringen, so der 5-fache Meister. «Gelingt mir das nicht, arbeite ich weiter, um beim nächsten Mal parat zu sein. Ich schaue, woran es liegt oder frage mich, ob ich ein bisschen nervös war oder die Situation etwas herausfordernder ist, als ich denke. Ich habe eine Riesenchance, als Mensch zu wachsen. Ich bin überzeugt, dass ich das in meinem späteren Leben, egal wo ich sein werde, brauchen und eines Tages weitergeben kann.»

Weiss der Routinier schon, ob er am Freitag gegen Biel wieder ran darf? «Nein, das wird eigentlich immer am Spieltag am Morgen klar, wenn die Liste in der Kabine hängt. Wenn ich spiele, ist es meine nächste Chance.»

«Ich will aber ganz klar weiter Hockey spielen»

Bei Scherwey kommt noch der Umstand dazu, dass sein Vertrag im Frühling ausläuft und der SCB im Umbruch ist und das Team verjüngt. «Ich habe mir gesagt: Dieser Klub bedeutet mir alles. Der hat mir alles gegeben. Und dann habe ich mich gefragt: ‹Was würdest du machen, wenn das deine letzte Saison in Bern wäre? Würdest du rumdümpeln oder noch einmal alles reinwerfen und an dich glauben?› Und ich habe ganz klar gesagt, Zweiteres ist das, was ich will. Die Realität ist, dass es das letzte Jahr in Bern sein kann», sagt Scherwey. «Ich lebe jeden Moment, als ob es mein letztes Jahr beim SCB wäre. Ich geniesse es einfach.»

Ob beim SCB oder anderswo, Scherwey sagt entschlossen: «Ich will aber ganz klar weiter Hockey spielen. Ich bin erst 35, ich fühle mich, ausser an gewissen Stellen, wirklich parat.»

Woher der Wind beim SCB bläst, war schon nach der letzten Saison zu sehen, als man sich trotz Vertrag von den Routiniers Ramon Untersander und Joël Vermin trennte. «Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass das nichts mit mir gemacht hat. Ich habe mental enorm viel investiert, dass ich mit all dem klarkomme.»

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