Darum gehts
Ramon Untersander (35) sprach nach dem Verpassen der Playoffs und der ernüchternden 0:4-Pleite in Rapperswil-Jona von einer «Katastrophe», als er auf eine «Scheiss-Saison» zurückblickte. Manchmal muss man die Dinge so benennen, wie sie sind. Kein SCB-Fan wird dem Captain widersprechen.
Bei der Suche nach den Ursachen für das Debakel muss sich das Team Kritik gefallen lassen. Zu viele Spieler blieben unter den Erwartungen und den Leistungen der Vorsaison, als man unter Jussi Tapola mit dem dritten Rang in der Quali nahe am oberen Limit der Möglichkeiten war und phasenweise dynamisches Hockey spielte.
Das Toreschiessen bereitete den Bernern in dieser Saison grosse Mühe, was sich in den Differenzen der persönlichen Ausbeute widerspiegelt (siehe Box).
- Aaltonen: 22* Tore 24/25 – 5 Tore 25/26
- Merelä: 20 – 12
- Baumgartner: 14 – 10
- Lehmann: 13 – 7
- Loeffel: 12 – 4
- Marchon: 11 – 6
- Ejdsell: 10 – 13
- Untersander: 7 – 5
- Ritzmann: 7 – 0
- S. Moser 7 – 0
- Scherwey 6 – 2
- Vermin 6 – 5
- Schild 6 – 1
- Füllemann 2 – 1
- Lindholm 2 – 0
- Kindschi 2 – 1
- Graf 1 – 6
- Häman Aktell 0 – 7
- * 20 für Kloten
- Aaltonen: 22* Tore 24/25 – 5 Tore 25/26
- Merelä: 20 – 12
- Baumgartner: 14 – 10
- Lehmann: 13 – 7
- Loeffel: 12 – 4
- Marchon: 11 – 6
- Ejdsell: 10 – 13
- Untersander: 7 – 5
- Ritzmann: 7 – 0
- S. Moser 7 – 0
- Scherwey 6 – 2
- Vermin 6 – 5
- Schild 6 – 1
- Füllemann 2 – 1
- Lindholm 2 – 0
- Kindschi 2 – 1
- Graf 1 – 6
- Häman Aktell 0 – 7
- * 20 für Kloten
Allen voran Miro Aaltonen, der als Nachfolger des zu Lausanne abgewanderten NL-Topskorers Austin Czarnik verpflichtet worden war, blieb vieles schuldig. In der Quali kam er nur auf 5 Tore. Dabei hatte er letzte Saison in Kloten deren 20 geschossen, ehe er im Januar wegen eines positiven Kokaintests für einen Monat gesperrt wurde.
Obwohl er nicht nur keine Tore produzierte, sondern auch sonst nur ein Schatten seiner selbst war, spielte er immer, wenn er nicht verletzt war. Leistungskultur ist etwas anderes.
Hat Aaltonen noch eine Chance verdient?
Der Vertrag des 32-Jährigen läuft noch ein Jahr. Können sie in Bern einfach hoffen, dass sich beim Finnen – wie bisher immer in der Schweiz – schlechte und gute Saisons abwechseln?
Olten-Trainer und Mysports-Experte Christian Wohlwend (49) sagte am Mittwoch: «Jeder hat gesehen, dass Rappi mehr wollte.» Doch das greift zu kurz. Die Berner Mannschaft hat die Saison nicht wegen mangelnden Willens in den Sand gesetzt. Im Gegenteil. Sie war praktisch nie unverkrampft, was vor allem zu Hause vor dem grössten Anhang des Landes zu unterirdischen Vorstellungen führte und jegliche Kreativität auslöschte.
In Bern hat man zu lange geglaubt, dass alles besser wird, wenn man härter arbeitet und mehr kämpft. Ein Beispiel? Als Blick zu Beginn der Saison einen Artikel über Diego Piceci mit dem Titel «Neuer Sportchef will SCB in Wohlfühloase verwandeln» publizierte, entstand Wirbel. Die Schlagzeile mag nicht perfekt gewesen sein. Doch nur schon die Vorstellung, dass sich die Spieler wohlfühlen könnten, schien einige zu stören. Der joviale und kommunikative Piceci wurde dann im Rahmen einer Umstrukturierung in der Olympiapause bereits wieder gefeuert. Just nachdem der SCB fünf von sechs Spielen gewonnen hatte. Danach verlor das Team acht von zehn Spielen.
Die leidgeprüften Fans attackierten am Mittwoch am Obersee nicht nur die Spieler mit Banderolen, sondern auch Sportdirektor Martin Plüss (48) («Als Spieler top, als Sportchef flop»). Der Ex-Captain sagte dazu: «Ich bin in der Gesamtverantwortung im Sport. Dieser stelle ich mich. Ich bin selbst auch unzufrieden.»
Die Kritik an ihm ist berechtigt. Er hat mit Andrew Ebbett, Patrik Bärtschi und Piceci drei Sportchefs verschlissen und verantwortet, dass man in Bern in wichtigen Dossiers die Hausaufgaben nicht gemacht hat. Auch sieben Jahre nach dem letzten Meistertitel und dem Abgang von Leonardo Genoni ist die Goalie-Frage nicht gelöst. Und das in einem Klub, bei dem die Torhüter traditionell eine Schlüsselposition einnahmen.
Goalie-Baustelle seit sieben Jahren offen
In den letzten drei Jahren setzte man mit dem Schweden Adam Reideborn auf einen Ausländer als nominelle Nummer eins. Doch als es dann letztes Jahr in Spiel sieben im Viertelfinal gegen Fribourg (1:4) und am Mittwoch in Rapperswil-Jona um alles ging, stand ein Schweizer im Tor, weil man sechs ausländische Feldspieler brauchte: Vor einem Jahr Philip Wüthrich und jetzt Sandro Zurkirchen, der das wegweisende 0:1 auf seine Kappe nehmen musste.
Die Goalie-Frage ist auch im Hinblick auf nächste Saison noch ungelöst. Ein Vertrag hat nur Christof von Burg (25), der in der Swiss League sehr starke Leistungen gezeigt hat. Ob er für höhere Aufgaben taugt? Niemand weiss es. Weder Jussi Tapola noch Nachfolger Heinz Ehlers hatten den Mut, ihn nur eine Minute auf diesem Niveau spielen zu lassen. Eigentlich unfassbar, aber auch ein Zeichen dafür, wie der SCB, getrieben vom Kampf um einen Platz in den Play-Ins, von der Hand in den Mund gelebt hat.
Auch auf den Ausländerpositionen war der SCB nicht gut genug besetzt. Von Goalgetter AD Aaltonen war schon die Rede. Doch auch die anderen acht Imports waren nicht überdurchschnittlich. Topskorer Victor Ejdsell, Waltteri Merelä, Emil Bemström, Mike Sgarbossa, Hardy Häman Aktell, Anton Lindholm, Aleksandr Iakovenko und Reideborn sind keine schlechten Spieler und könnten in einer gut zusammengestellten und funktionierenden Mannschaft wertvolle Ergänzungen sein. Doch dem Spiel regelmässig den Stempel aufdrücken können sie nicht. Eine Mannschaft, die über keine Schweizer Topspieler verfügt und immer wieder durch Verletzungen dezimiert wurde, wäre auf Ausländer von Format angewiesen. Positiv für den SCB: Hier hat man Handlungsspielraum, da die Verträge von Ejdsell, Bemström, Sgarbossa (zu den Lakers), Iakovenko und Reideborn auslaufen.
Ein weiteres Problem des SCB? Die Überalterung. Meister-Helden der Vergangenheit wie Tristan Scherwey und Untersander haben ihren Zenit überschritten, müssen aber immer noch Verantwortung übernehmen und dazu auch noch hinstehen, wenn es darum geht, kritische Fragen zu beantworten, was energieraubend sein muss. Da braucht der SCB neue Leader, die in die Bresche springen können. Doch woher nehmen und nicht stehlen? Mit Ausnahme von Dario Rohrbach, den man schon im Sommer den Tigers abjagen konnte, ist bisher kein grosser Transfer gelungen. Es wäre vermessen, von Verteidiger Davyd Barandun (Davos) und den jungen Stürmern Joel Grossniklaus (19, Malmö) und Paul Mottard (19, Ilves Tampere) Wunder zu erwarten.
Wohlwend sagte auf Mysports auch, dass er erwarte, dass die sieben schlechten Jahre beim SCB vorbei seien. Das ist möglich, wenn der SCB jetzt alles richtig macht. Das heisst, dass man bei der Wahl des Trainers einen Volltreffer landen muss. Und da sind Zweifel angebracht. Ist ein Mann wie Ville Peltonen, der derzeit bei Servette noch den Platz für den Schweden Sam Hallam warm hält, wirklich der Mann, der den SCB beflügeln kann? Der Name des Finnen wird in der Branche immer noch hoch gehandelt. Er war ein grossartiger Spieler und unter Meistercoach Kari Jalonen in Bern ein guter Assistent, hat aber als Cheftrainer noch kein Feuerwerk gezündet. Dabei braucht der SCB einen Coach, der dem ganzen Klub eine neue Dynamik bringt und auch die Fans aufweckt und glücklich macht.

