«Eine Scheiss-Saison»
SCB-Star komplett bedient – Coach Ehlers weicht Frage um Zukunft aus

Rappi beendet die Saison des SCB und zieht in die Playoffs gegen Fribourg ein. SCB-Captain Ramon Untersander muss derweil eine «Scheiss-Saison», wie er es nennt, erklären.
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SCB-Captain Ramon Untersander hat Verständnis für den Frust der SCB-Fans.
Foto: Nico Ilic/freshfocus

Katastrophe

«Wir haben uns viele Strafen eingehandelt, viele blöde Strafen. Wir haben unsere Emotionen nicht im Griff gehabt. Dabei haben wir uns vor den Play-Ins gesagt, dass die Strafen in diesem Modus viel ausmachen können», bilanziert SCB-Captain Ramon Untersander nachdem 0:4 in Rapperswil-Jona, das eine gebrauchte Saison beendet. «Die ganze Saison ist mit diesem Schluss natürlich eine Katastrophe. Trotz dieser Scheiss-Saison hatten wir die Chance noch, in die Playoffs zu kommen. Rappi hat in beiden Spielen sehr gut gespielt, aber wir konnten nicht unser bestes Hockey abrufen. Am Schluss ist es sehr enttäuschend und extrem bitter.» Was war ausschlaggebend für die enttäuschende Saison? «Im Grossen und Ganzen haben wir definitiv zu wenig Tore geschossen», antwortet der 35-Jährige. In der Tat: Melvin Nyffeler ist bereits der neunte Goalie, der in dieser Saison einen Shutout gegen den SCB feiern konnte.

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Fan-Frust

Die SCB-Fans im längst nicht gefüllten Gästesektor warten mit herber Kritik an Sportchef Martin Plüss und die Spieler auf. Auf einer Banderole steht: «Als Spieler top, als Sportchef flop. Wer wird die nächste Träne im Sportchef-Karussell?» Auf einer zweiten: «Hinterfragt euch, ob ihr diesem Logo noch würdig seid. Diese Saison war scheisse.» Er könne die Kritik nachvollziehen, sagt der vierfache Meister-Verteidiger Ramon Untersander. «Der SCB ist nicht dort, wo er hingehört. Wir sind ein stolzer Verein. Wir wollen nicht da sein, wo wir stehen. Jeder muss am Schluss in den Spiegel schauen und sich fragen: Hat er alles gegeben für das Logo? Den Frust kann ich durchaus verstehen.» Der Routinier wertet die Saison klar als Rückschritt, nachdem man letzte Saison noch auf Rang 3 beendet hatte. «Manchmal muss man einen Rückschritt hinnehmen, um wieder zwei Schritte nach vorne machen zu können. Auch wenn es nicht in unserem Sinn ist, Rückschritte zu machen. Wir müssen wieder aufstehen, hinstehen und weiterarbeiten.»

Die SCB-Fans gehen hart mit den Spielern ins Gericht.
Foto: Nico Ilic/freshfocus

Charakter

Mit seinem Shutout hat Goalie Melvin Nyffeler (31) seinen Lakers den Weg geebnet für den Playoff-Einzug. Wieso seine Mannschaft diesen verdient hat? «Das fängt beim Coaching Staff an, der es schafft, ein Team zu überzeugen, und ihm gleichzeitig Freiraum lässt. Das ist ein Grundstein. Über die Saison hinweg haben wir Kampf, Wille und vor allem Charakter bewiesen.»

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Verantwortung

SCB-Trainer Heinz Ehlers sah sein Team im Startdrittel «sehr gut» und sagt: «Vielleicht als Reaktion darauf, dass wir keine Tore geschossen haben, ging die Energie danach aus und wir haben zu viele Strafen genommen. Das hat auch Kraft gekostet und das hat auch einen Unterschied gemacht.» Der Däne macht geltend, dass der SCB in der Quali am zweitmeisten Schüsse aufs Tor (1573, 5 weniger als Servette, die Red.) gebracht habe, aber zu wenig Treffer erzielt habe. «Die Verantwortung liegt irgendwo. Und das ist bei mir», so der 60-Jährige.

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Ausländer

Zum Saisonschluss nimmt Heinz Ehlers noch einmal eine Änderung bei seiner Ausländer-Combo vor. Im Tor ersetzt Sandro Zurkirchen den Schweden Adam Reideborn und sieht beim ersten Treffer der SCRJ Lakers durch Tanner Fritz aus spitzem Winkel im möglicherweise letzten Spiel seiner Karriere nicht gut aus. Dafür setzt Ehlers im Sturm auf Emil Bemström, den man in der Postfinance-Arena auch schon reichlich boshaft «Bremsström» genannt hat. Der Schwede enttäuscht ebenso wie Miro Aaltonen, der schon nach wenigen Sekunden den Puck nicht kontrollieren kann und Rappi so eine Chance offeriert. Auch die Stürmer Victor Ejdsell und Waltteri Merelä sowie die Verteidiger Hardy Häman Aktell und Anton Lindholm zerreissen keine Stricke. Die Verträge von Bemström und Topskorer Ejdsell laufen ebenso aus wie jener von Verteidiger Aleksandr Iakovenko und Stürmer Mike Sgarbossa, der in den letzten drei Spielen nicht mehr zum Einsatz kam und bereits bei den Lakers unterschrieben haben soll. Ehlers’ Begründung für den Wechsel: «Wir hatten nur ein Tor geschossen im letzten Spiel.» Doch mit vier ausländischen Angreifern gelingt dem SCB am Obersee gar kein Treffer mehr.

Trainer-Zukunft

Nach dem bitteren Ende wird Heinz Ehlers nach seiner persönlichen Zukunft gefragt. Schliesslich läuft auch sein Vertrag aus. «Zu diesem Zeitpunkt habe ich keine Antwort auf diese Frage.» Aber könnte er sich vorstellen, zu bleiben? «Ich habe keine Antwort, vielen Dank», antwortet er und stapft davon. War das der letzte Aufritt in der Schweiz von «Mörtel-Heinz»? Nach einer schwachen Regular Season, in der Ehlers wenigstens noch das vorzeitige Saisonende verhindern konnte, spielte man in den Play-Ins nur noch in einem von vier Spielen gut, wie COO Pascal Signer bilanziert, der ab 1. Mai als Chief Hockey Officer die sportliche Oberaufsicht haben wird. Das reicht nicht.

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