Darum gehts
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Der Vorwurf des zweifachen ZSC-Meisterkeepers Simon Hrubec (35) hat eine Debatte ausgelöst. Der Tscheche, der von SCB-Goalie Connor Hughes (30) unterstützt wurde, stellte einige Torhüter der National League unter den Verdacht, ihre Ausrüstung zu ihrem Vorteil zu manipulieren und nannte es «Goalie-Doping».
In der Torhüter-Szene ist es ein heiss diskutiertes Thema – mit dezidierten Meinungen. Eine solche vertritt auch David Aebischer. Der 48-Jährige war einst der erste Schweizer Torhüter, der sich in der NHL etablierte. Er debütierte im Oktober 2000 für Colorado und blieb sieben Jahre drüben.
Aktuell ist er Goalie-Coach von Meister Gottéron. Der Fribourger sagt ganz klar: «Es braucht strengere Kontrollen, sie sind zu lasch. In den letzten Jahren habe ich zu wenige miterlebt.» Zudem würden sie oft auch angekündigt.
«Die Verantwortung liegt ganz klar bei der National League»
Laut Aebischer macht das praktizierte Plomben-System überhaupt keinen Sinn. Zur Erklärung: Die Ausrüstungshersteller beliefern die Torhüter mit Protektoren, die mit einer blauen Plombe versehen sind. Sie signalisiert, dass sie den IIHF-Regeln entsprechen, die auch in der National League angewandt werden. Was die Schlussmänner jedoch nach Erhalt damit machen, wird kaum überprüft.
Anders läuft es in der NHL: Dort werden die Bestellungen des Equipments zunächst an die Liga geliefert, wo eine Kontrolle erfolgt. Erst dann wird es den Keepern freigegeben. Wollen diese etwas daran ändern, müssen sie es erneut bewilligen lassen.
Dieselbe Idee strebt Aebischer auch für unsere NL an. «Wieso sollte für Torhüter nicht das Gleiche gelten wie für Feldspieler?», fragt er. Zum Verständnis: Will ein Feldspieler zum Beispiel mit einem anderen Visier am Helm – nach Verletzungen oder Gehirnerschütterungen – auflaufen, muss er sich bei der Liga zuerst eine Bewilligung dafür abholen. Für den Stanley-Cup-Sieger von 2001 ist klar: «Die Verantwortung, dass alles den Regeln entspricht, liegt ganz klar bei der National League und nicht beim Hersteller.»
«Die Diskussion wird mehr emotional als rational geführt»
Lukas Flüeler (37), dreifacher Meister-Goalie mit den ZSC Lions (2012, 2014 und 2018), findet, dass bei den Spielen kontrolliert werden müsste. Dies sei aber auch eine Kostenfrage. «Man müsste auch mit einer Coaches-Challenge eine verdächtige Ausrüstung nachmessen lassen können», sagt der Zürcher, der inzwischen als Banker in Gstaad tätig ist. «Ich glaube aber nicht, dass es einen Goalie in der National League gibt, der schummelt und sich so einen Vorteil verschafft. Ich denke, die Diskussion wird mehr emotional als rational geführt.»
Bei grossen internationalen Turnieren wird vor dem Start das Equipment jedes Goalies überprüft. Die Schiedsrichter dürften auch bei Auffälligkeiten in einem Spiel keine Kontrollen durchführen. Und was passiert, wenn bei einer der seltenen Stichproben der Liga festgestellt wird, dass ein Torhüter unkorrektes Material verwendet? Bisher sei noch kein Goalie gebüsst worden, heisst es bei der National League auf Anfrage. «Werden Unregelmässigkeiten festgestellt, werden diese unter Anordnung einer Frist korrigiert.»
Aebischer räumt ein, dass es durchaus vorkommt, dass ein Goalie an gewissen Stellen der Ausrüstung zusätzlichen Schutz braucht nach Verletzungen, «aber es darf nicht für mehr Fläche sein». Dies wird – auch von Hrubec – für auffällig befunden: die ins Auge stechenden, zum Teil riesig wirkenden Schulterpolster. Dazu muss man aber wissen, dass es im IIHF-Regelwerk keine Vorschriften gibt, welche Ausrüstungsgrösse sich ein Torhüter zulegt. So kann ein 1,75 Meter grosser Keeper ebenfalls eine in XL tragen wie sein Berufskollege, der 1,90 misst.
Das ist vielen ein Dorn im Auge – obwohl zu grosse Protektoren nicht nur Vorteile bringen. Sie haben in den meisten Fällen eine spürbare Einschränkung der Beweglichkeit zur Folge. «Da muss ein Torhüter selber abwägen, was er für eine bessere Leistung braucht», so Aebischer. In der NHL hingegen werden die Schlussmänner mittels Scan ausgemessen, und ihnen wird je nach Grösse und Umfang eine Equipment-Grösse zugewiesen.
Blick hörte sich auch bei der Konkurrenz um. Da weder Hrubec noch Hughes Namen nannten, sieht sich keiner gewillt, auf die Vorwürfe zu reagieren.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | ZSC Lions | 10 | 18 | 27 | |
2 | Genève-Servette HC | 11 | 4 | 21 | |
3 | SCL Tigers | 11 | 7 | 19 | |
4 | HC Fribourg-Gottéron | 11 | 9 | 18 | |
5 | Lausanne HC | 12 | -1 | 18 | |
6 | HC Ajoie | 12 | -6 | 16 | |
7 | HC Ambri-Piotta | 10 | -6 | 15 | |
8 | HC Lugano | 10 | 3 | 15 | |
9 | SC Bern | 9 | 1 | 14 | |
10 | EV Zug | 7 | 10 | 13 | |
11 | HC Davos | 11 | -4 | 13 | |
12 | SC Rapperswil-Jona Lakers | 11 | -14 | 11 | |
13 | EHC Biel | 10 | -4 | 10 | |
14 | EHC Kloten | 11 | -17 | 9 |