Darum gehts
- SC Bern trennt sich von Stars wie Ramon Untersander und Joël Vermin
- Aufräumaktion soll Leistung steigern, trotz emotionaler Verluste bei Entscheidungen
- SCB zuletzt von SCRJ Lakers besiegt, steht in der Liga unter Druck
Wenn der präfrontale Cortex im Schädel nicht viel hergibt, muss man ein Buch lesen, bevor man aufräumt. «Magic Cleaning» von Marie Kondo zum Beispiel. Was auch immer da drinsteht – es scheint zu funktionieren, sonst würde man das Buch und die Autorin nicht kennen. Man hebt dann laut Kondo offenbar nur noch Sachen auf, die Freude bereiten – da könnte man eventuell auch von selbst draufkommen. «Willst du es nie wiedersehen, dann lass es schwimmen in Benzin.» Eine Brachialmethode, empfohlen von der deutschen Band Rammstein. Tönt effektiv – aber bei den heutigen Spritpreisen?
Prima Typen sind nicht alles
Man kann natürlich auch alles so lassen, wie es ist. Das geht immer. So schafft man aber keinen Platz für Neues, weil dann alles auch bleibt, wie es ist. Vergleicht man dieses Prinzip mit der aktuellen Aufräumaktion beim SC Bern, mag das etwas kaltherzig klingen, zugegeben. Es geht hier um Menschen, nicht um Hosen, Hemden oder eine Joppe, die man nicht mehr trägt. Aber ist der Profisport nicht sowieso grausam, weil die Leistungskultur bei Entscheidungsprozessen emotionale Vorbehalte ausschliesst? Die SCL Tigers haben sich von Kapitän Harri Pesonen getrennt, das tat weh. Denn Pesonen hätte man gerne behalten, weil er ein prima Typ und dazu auch noch Finne ist. Aber prima Typen sind im Leistungssport nicht alles, irgendwann haben auch die ihren Zenit überschritten, selbst wenn sie Finnen sind.
Wenn der Hahn kräht auf dem Mist …
Der SC Bern will sich offenbar von Kapitän Ramon Untersander, Stürmer Joël Vermin und Verteidiger Hardy Häman Aktell trennen, ein ziemlicher Eingriff in eine Mannschaft, die zuletzt von den SCRJ Lakers auf die Bretter geschickt wurde. Angezählter als der SCB ist gerade keine andere Mannschaft der Liga, und wenn man da jetzt nicht eingreift, bleibt es, wie es ist. Offenbar hat die sportliche Führung Hilfe bei Marie Kondo gesucht und auch gefunden, man trennt sich – mindestens im Fall von Untersander – doch von einem Spieler, den man aus emotionalen Gründen wohl gerne behalten hätte. Eine Aufräumaktion, im Fachjargon (ohne Anglizismen geht heute nix mehr) nennt sich das «Rebuild» (Neubau) oder «Retool» (Umbau) – je nach Heftigkeit der Massnahme. Ob das in jedem Fall etwas bringt? Eine Garantie gibt es nicht, aber man hat mindestens für Aufsehen gesorgt. Ein deutsches Bonmot sagt: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter – oder es bleibt so, wie es ist.
